Starke Frauen auf der Wiesn

Armbrustschützenzelt: Sie ist die Königin der Schützen

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Katharina Inselkammers Tipp beim Armbrustschießen: schnell abdrücken.

München - Katharina Inselkammer vom Armbrustschützenzelt erzählt, warum ihr Mann Peter sie zur passionierten Krügesammlerin machte und dass ihr Mann und sie jedes Jahr zur Wiesn ein besonderes Ritual in der Schießhalle haben.

"Mama, Mama, ich freu mich schon so aufs Oktoberfest“, hat Armbrustschützenzelt-Wirtin Katharina Inselkammer als kleines Mädchen gesagt. Die Antwort: „Jetzt kommt erst einmal das Christkind.“ Denn: Es war erst Weihnachten.

Schon damals war die kleine Katharina im positiven Sinne wiesnnarrisch. Und das, obwohl sie freilich noch nicht gewusst hat, dass sie eines Tages einen Wiesn-Wirt heiraten würde. Mit Tracht ist die gebürtige Münchnerin aus dem Stadtteil Denning (Bogenhausen) aufgewachsen. Für ihre jüngere Schwester Stephanie und sie gehörten Dirndl – und durchaus auch mal Lederhosn – zur Kindheit dazu. „Es gibt Klassenfotos, da sind alle normal angezogen, nur wir sind im Dirndl.“

Auch heute noch hat die Wiesn-Wirtin an sechs von sieben Tagen in der Woche ein Dirndl an. Wie viele der Prachtstücke sie mittlerweile im Schrank hat, bleibt aber ihr Geheimnis.

Ihren Mann Peter lernte sie 1995 an Fasching auf dem Münchner Gauklerball kennen. „Er war Mexikaner – ich die Meuterei auf der Bounty.“ Damals arbeitete Katharina Inselkammer noch bei der Lufthansa. Was auch erklärt, warum viele ihrer ehemaligen Arbeitskollegen noch heute Stammgäste im Armbrustschützenzelt sind.

Im selben Jahr fuhr Katharina Inselkammer dann auch das erste Mal beim Wiesn-Einzug mit. Im Beiwagen zur Kutsche ihres heutigen Mannes. Sie warf sich dafür in eine traditionelle Münchner Tracht. „Die war wahnsinnig unbequem.“

Liebt das Oktoberfest seit ihrer Kindheit: Katharina Inselkammer.

Drei Jahre später heiratete sie ihren Peter. 1999 werkelte sie dann das erste Mal im Armbrustschützenzelt: im Krugstand. Eine Idee ihres Mannes, einem passionierten Krugsammler. Zuerst war Inselkammer davon gar nicht so begeistert. Doch mittlerweile sammelt sie sogar selbst Krüge. Ihr Lieblingsstück ist der Wiesn-Krug von 1980. Auf ihm zu sehen: ein masskrugähnlicher Luftballon mit Bayernraute und einem Zinndeckel.

Seit dem Jahr 2000 kümmert sich Katharina Inselkammer um die Reservierungen fürs Armbrustschützenzelt. Mit vollem Körpereinsatz. „Wenn’s pressiert, kletter ich auch mal kurzerhand hinter den Tresen.“

Und wenn es bei so vielen Aufgaben mal langweilig wird, malt Katharina Inselkammer auch noch die Schilder für die Boxen im Zelt. Und gestaltet den Krug des Armbrustschützenzeltes. Heuer sind auf ihm Insekten zu sehen.

Das Talent liegt in der Familie: Auch Inselkammers Papa war begeisterter Hobbymaler. Perfekt zum Entspannen für Katharina Inselkammer ist auch eine Schafkopfrunde. Mit Löwenbräuzeltwirt Wiggerl Hagn zum Beispiel. Ein super Spieler sei der, sagt sie.

Und weil Katharina Inselkammer eine Power-Frau mit viel Energie ist, hat sie noch ein weiteres Hobby: Sie ist Eishockey-Fan. „Wir haben zwei Nationalspieler in der Familie.“ Inselkammer hat selbst früher Hockey gespielt, ihr Mann ist auch auf Eishockeykufen unterwegs.

Und so ist es für die Armbrustschützenzelt-Wirtin der Höhepunkt schlechthin, wenn am ersten Wiesn-Sonntag rund 200 AH-Spieler aus Kanada, Dubai oder Australien ins Zelt strömen.

Zu Beginn der Wiesn haben Katharina Inselkammer und ihr Mann jedes Jahr in der Schießhalle des Zeltes ein besonderes Ritual: Jeder hat drei Probeschuss, dann geht es auf einer gemeinsamen Scheibe aufs Ganze. „Wer gewinnt, der hat die Hand oben für diese Wiesn“, sagt sie und lacht.

Die Wirtefamilie

1990 stieg die Familie Inselkammer in die Riege der großen Wiesn-Wirte auf. Zuvor hatte sie fünf Jahre lang mit dem Zelt Platzl-Wirt, dem heutigen Glöckle-Wirt, Erfahrungen gesammelt. Außerdem führen die Inselkammers seit dem Jahr 1956 das Platzl-Hotel – zum Familienbesitz gehören auch das Restaurant Pfistermühle und das Wirtshaus Ayingers. Als Helmut Huber 1990 seine Konzession für das Armbrustschützenzelt verlor, wurden Peppi und Peter Inselkammer sen. große Wiesn-Wirte. Heute führen Sohn Peter und seine Frau Katharina das Zelt, zu dem auch eine angrenzende Schießhalle gehört.

Kurzporträt: Das Armbrustschützenzelt

Bierpreis: 10,55 Euro

Brauerei: Paulaner

Halbes Hendl: 10,55 Euro

Schmankerl: Sauerbraten vom „BayernOx“ in herzhafter Soße mit Semmelknödel: 18,20 Euro

Sitzplätze: 5820 Plätze im Zelt, 1640 im Garten (davon 200 überdacht)

Raucher: Ein Raucherbalkon befindet sich auf der Rückseite des Zeltes. An den Seiten gibt’s außerdem zwei zusätzliche Raucherbereiche: Sie sind zu erreichen, ohne das Zelt zu verlassen.
Musik: Die Platzl Oktoberfest Kapelle ist die Hauptkapelle im Armbrustschützenzelt. Sie spielt von Montag bis Freitag von 12 bis 22.30 Uhr und am Wochenende von 11 bis 22.30 Uhr. In der Pause musizieren die Wolfsegger Buam (18.30 Uhr bis 20 Uhr).

Neu: Seit der letzten Wiesn erstrahlt die Halali-Bar in neuem Glanz. Wer auf Hochprozentiges steht, wird hier fündig: Etwa bei Erdbeer-Limes oder Haselnuss-Likör.

Wiesn-Serie: Die Festzelte auf dem Oktoberfest

In unserer Serie begleiten wir die starken Frauen in den Wiesn-Zelten. Im Hackerzelt und in der Fischer-Vroni waren wir auch schon.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
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Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
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Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
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Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
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Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
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Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

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