Abzocke im Schützenzelt

Dreist! Bedienung verlangt 20 Euro für die Mass

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Das Schützen-Festzelt.

München - Eine Bedienung im Schützenzelt wollte am Dienstag einer Gruppe Besucher einen Tisch nur dann geben, wenn sie 20 Euro für die erste Mass gezahlt hätten. Die Festwirte haben die Kellnerin nun rausgeschmissen.

Jenna hatte auf der Galerie im Schützen-Zelt einen Tisch gefunden, als eine Bedienung ihr zu verstehen gab, dass sie 20 Euro für die erste Mass zahlen sollte.

Am Dienstagabend will Jenna, 26, mit Freunden ihren Abschied im Schützenfestzelt auf der Wiesn feiern. Die gebürtige Baden-Württembergerin hat viele Jahre in München gelebt und zieht bald in den Schwarzwald, wo sie einen Job gefunden hat. Auf der Zeltgalerie sucht die Gruppe nach einem freien Tisch. Kein einfaches Unterfangen. Als sie endlich einen finden, baut sich eine Bedienung vor ihnen auf. „Sie hat gesagt, wenn wir 20 Euro für die erste Mass zahlen, kriegen wir den Tisch“, erzählt Jenna. Der normale Preis für eine Mass im Schützenzelt beträgt 10,30 Euro. „Ich hab’ mir gedacht, das ist eine Frechheit, das machen wir auf keinen Fall.“

Die Bedienung ist bald verschwunden, ein anderer Kellner übernimmt den Tisch, die Gruppe verbringt noch einen schönen Abend im Zelt – will den Vorfall aber nicht auf sich sitzen lassen. „Wir wollten eigentlich niemanden verraten“, sagt Jenna, „aber wir haben uns dann doch dazu entschlossen, weil so etwas nicht einreißen darf. Ein Tourist hätte das vielleicht gezahlt.“

Die Festwirte, Familie Reinbold, zogen Konsequenzen. Am nächsten Morgen auf den Vorfall angesprochen, sagt Junior-Chef Ludwig Reinbold: „Die Bedienung arbeitet nicht mehr für uns.“ Und betont: „Wir fahren eine Null-Toleranz-Philosophie, wenn jemand versucht, unsere Gäste zu betrügen.“ Es habe sich um einen „Einzelfall“ gehandelt, er könne sich sonst auf seine Mitarbeiter verlassen.

Generell habe die Gruppe richtig gehandelt, denn solche Fälle sollten Gäste der Geschäftsleitung melden. „Wir kriegen so etwas ja sonst nicht mit“, sagt Reinbold. Zudem gebe es in jedem Bedienungsbereich einen Stationsleiter, an den man sich wenden könne.

Die Bedienung von der Empore hat mit ihrer dreisten Masche am Ende nicht nur sich selbst geschadet, sondern auch ihrem Team-Kollegen. In den Wiesnzelten arbeiten die Bedienungen in kleinen Gruppen zusammen, im Schützenzelt in 2er-, 3er- oder 4er-Teams. „Damit einer das Essen bringen kann, einer die Getränke, und wenn möglich immer jemand in Reichweite des Gasts ist“, erklärt Reinbold. Als die Wirte die Bedienung rausschmissen, musste der Partner aus dem 2er-Team automatisch auch gehen. Unter Umständen ein großer finanzieller Verlust für die Betroffenen, denn bekanntermaßen verdienen Bedienungen in den 16 Tagen, die das Oktoberfest dauert, mehrere tausend Euro. Die Jobs sind heiß begehrt.

Im Schützenzelt hat sich die Geschichte unter den Angestellten rumgesprochen, weil ein 3er-Team aus dem Biergarten für die Bedienungen auf der Galerie einspringen musste. Von Mitleid für die herausgeflogene Kollegin keine Spur. „Das hat sie sich selbst zuzuschreiben“, findet eine andere Bedienung. „Wir bekommen hier wirklich genug Trinkgeld.“

Wirtesprecher und Hackerzelt-Wirt Toni Roiderer hingegen weiß nicht, ob er auch so hart ins Gericht gegangen wäre mit seinen Angestellten. „Es kommt natürlich immer auf die Art der Beanstandung an, wie gravierend der Vorfall ist“, sagt er. Dann fügt er hinzu: „Aber es ist schon ganz gut, wenn man mal ein Exempel statuiert.“ Auch Roiderer appelliert an Besucher, sich in solchen Fällen an die Geschäftsleitung zu wenden. Er selbst könne jedoch von nichts Ähnlichem berichten.

Das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft, Veranstalter des Oktoberfests, bekommt so etwas auch selten von den Wirten berichtet. „Was in den Zelten passiert, geht uns letztendlich nichts an“, sagt Sprecherin Gabriele Papke. Toni Roiderer sieht das Ganze mit Humor: „Die Bedienung kann sich ja freuen: Jetzt muss sie nicht mehr arbeiten und kann die Wiesn als Gast genießen.“

Oktoberfest 2015: Alle aktuellen Informationen im Wiesn-Ticker

Am Freitag fällt der Startschuss für das Italiener-Wochenende auf dem Oktoberfest. In den Zelten wird mit einem Ansturm der Massen gerechnet. Alle Infos zum ersten Freitag auf der Wiesn erfahren Sie in unserem Ticker zum Oktoberfest 2015.

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