OB Reiter spricht

Bierpreisbremse: Wiesn-Streit entzweit Rathaus-Partner

Die große Koalition im Rathaus steht wegen der Bierpreisbremse auf dem Oktoberfest vor einer Zerreißprobe. Ging es zunächst zwischen CSU und Wiesnwirten hin und her, schaltet sich nun OB Reiter ein.

München - OB Dieter Reiter und die SPD im Rathaus waren dieser Tage ungewöhnlich schmallippig, wenn es um das Thema Bierpreisdeckel ging. Man werde sich erst mit Erhalt der Vorlage äußern, hieß es. Den Streit zwischen Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) und den Oktoberfest-Wirten wollte seitens der Genossen niemand kommentieren. Am Mittwoch nun brachen Reiter und SPD-Chef Alexander Reissl ihr Schweigen – und rüffelten Schmid wenig verhohlen: „Die Art und Weise der derzeit ausschließlich über die Medien geführten Auseinandersetzung ist unwürdig, nicht zielführend und schadet dem Ansehen der Stadt München“, ließ Reiter via Pressemitteilung verlauten.

Der OB fordert Schmid auf, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Der Wiesn-Chef poltert zurück: „Ich brauche weder Nachhilfe in Dialogfähigkeit noch sonstige Hinweise, mit wem ich wann zu sprechen habe.“ Mit allen Beteiligten des Oktoberfestes habe er bereits am 23. Februar gesprochen. Und damals schon sei ein Folgetermin vereinbart worden.

Umsatzpacht soll steigen

Wie berichtet, plant Schmid eine Umsatzpacht von vier bis fünf Prozent für die Wiesn-Wirte. Damit sollen die Mehrkosten für die Sicherheit beim Oktoberfest finanziert werden. Die Gastronomen müssten deutlich tiefer in die Tasche greifen. Damit die Wirte die Mehrkosten nicht an die Gäste weitergeben, will Schmid den Bierpreis drei Jahre lang bei 10,70 Euro einfrieren.

Schmid betont, in Sachen Wiesn „keine parteipolitische Debatte“ führen zu wollen. Doch die gibt es längst. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl attackierte am Rande der Vollversammlung sein CSU-Pendant Manuel Pretzl. Hintergrund sind Äußerungen Pretzls, wonach die SPD in einem internen Gespräch die Umsatzpacht für die Wirte überhaupt erst ins Spiel gebracht haben soll. „Die Idee kam von uns“, sagt Reissl. „Aber es war eben nur eine Idee, nicht zu Ende gedacht oder ausdiskutiert.“

„Das ist eine infame Lüge“

Pretzl seinerseits soll bei dem gleichen Gespräch vorgeschlagen haben, „das Bier einfach um 50 Cent teurer zu machen“. Damit hätte man den Großteil der Sicherheitskosten gleich wieder drin. „Das ist eine infame Lüge, ich weise das aufs Schärfste zurück“, sagte Pretzl auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir haben in der ganzen Debatte nie die SPD angegriffen.“ Und anstatt nun den Kooperationspartner zu attackieren, sollten sich die Genossen „lieber mal inhaltlich äußern“.

So recht ausführlich mag das niemand bei der SPD. Reiter sagte lediglich, dass ein Bierpreisdeckel auf keinen Fall dazu führen dürfe, dass „die Wiesn-Besucher in den Zelten bei alkoholfreien Getränken und beim Essen stärker abkassiert werden“. Und Reissl fehlt immer noch eine Aufschlüsselung der Sicherheitskosten. „Es gibt dazu noch immer keine Details von Herrn Schmid. Zahlen wir einem Sicherheitsmann wirklich 60 Euro pro Stunde? Wenn das so ist, lachen uns ja alle anderen aus.“

Angst vor Gelächter hat auch Wirte-Sprecher Toni Roiderer: „Die Welt schüttelt doch den Kopf über uns.“ Er sei froh, dass sich der OB nun einmische, „damit das ganze Böse jetzt aufhört. Jetzt muss Friede sein. Das Oktoberfest ist so ein schönes Fest, das soll nicht kaputt gehen.“ Schmids Pläne sollen im Mai dem Stadtrat vorgelegt werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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