Folgen der steigenden Umsatzpacht

Mit Sicherheit teurer: Wiesnwirte kündigen höhere Mass-Preise an

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Der Preis steigt: Die Mass auf der Wiesn wird dieses Jahr noch teurer als 2017.

Für die Wirte wird die Wiesn in diesem Jahr deutlich teuer. Nach Informationen unserer Zeitung will die Stadt die Umsatzpacht anheben, für die großen Zelte von fünf auf fast acht Prozent. Damit sollen die Ausgaben für die Sicherheit gedeckt werden. Denn die wird offenbar nicht günstiger.

München - Das Oktoberfest ist in den vergangenen Jahren mehr als sonst zum Politikum geworden. Nun steht neuer Ärger ins Haus. Nach Informationen unserer Zeitung werden die Ausgaben für die Sicherheit auf dem größten Volksfest der Welt nicht, wie erwartet, sinken. Die Wirte müssen daher heuer tiefer in die Tasche greifen. Die Umsatzpacht für die großen Betriebe steigt demzufolge von 5,1 auf 7,8 Prozent, die für die kleineren auf 6,1 Prozent.

Wegen der veränderten Sicherheitslage und vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris und Brüssel hatte der Stadtrat 2016 das Sicherheitskonzept verschärft. Erstmals wurde das Oktoberfest komplett eingezäunt, Taschen- und Rucksackkontrollen an den Zugängen zum Festgelände durchgeführt. Und es mussten deutlich mehr Ordner eingestellt werden. 2017 waren laut Abschluss-Bericht bis zu 670 Security-Mitarbeiter im Einsatz.

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Kosten der Sicherheit zuletzt deutlich gestiegen

Die Kosten für die Sicherheit der Wiesn 2016 und 2017 lagen deutlich über dem Niveau der vorangegangenen Jahre. Da das Oktoberfest eine sich selbst tragende Veranstaltung ist, müssen die Ausgaben der Kommune durch das Fest erwirtschaftet werden. Das schreibt die Gemeindeordnung vor, eine Quersubventionierung über Steuergelder ist mithin nicht möglich.

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Daher hatte Bürgermeister Josef Schmid (CSU), als Wirtschaftsreferent auch Chef der Wiesn, nach dem Oktoberfest 2016 eine Umsatzpacht vorgeschlagen. So sollten die Mehrkosten der Stadt für die Sicherheit auf die Wirte umgelegt werden. Die hatten bis dato eine Standgebühr gezahlt, die sich nach Quadratmetern errechnete. Zudem forderte Schmid eine Deckelung des Bierpreises, damit die Wirte die Mehrkosten nicht auf die Besucher umlegen. Und den Gastronomen wollte der Bürgermeister einen zusätzlichen Wiesntag spendieren, um die Kosten wieder hereinzuholen. Der Stadtrat lehnte Schmids Vorschlag bis auf die Umsatzpacht aber mehrheitlich ab. Die Wirte wurden also 2017 erstmals mit einer Pacht belegt, die 5,1 Prozent des Nettoumsatzes betragen sollte.

Die verstärkte Sicherheit auf dem Oktoberfest bekommen heuer ganz besonders die Besucher zu spüren - beim Bierpreis.

Einnahmen blieben unter den prognostizierten 8,6 Millionen Euro

Die Zahl fußt auf einer Schätzung der Stadt München, da die Wirte bis dahin ihre Umsätze nie hatten offenlegen müssen. Mit den 5,1 Prozent lassen sich allerdings die städtischen Mehrausgaben nicht deckeln, wie sich nun zeigt. Statt der vom Wirtschaftsreferat prognostizierten 8,6 Millionen Euro sind nur etwa 6,9 Millionen eingenommen worden. Damit entstand ein Defizit, das heuer bei der neuerlichen Berechnung der Umsatzpacht aufgefangen werden muss.

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Hinzu kommt, dass die Kosten für den Sicherheitsdienst deutlich höher sind als angenommen. Dieser war 2016 zunächst ausgeschrieben worden, wurde dann aber - da sich kein Bewerber fand - mehr oder weniger ad hoc an das Unternehmen Kötter vergeben. Kötter verlangte für seine Dienstleistung relativ viel - bei der Stadt ging man davon aus, das liege an der Kurzfristigkeit der Vergabe.

Securitas bekommt als einziger Bieter den Zuschlag

Nun überträgt man die Sorge für die Sicherheit auf dem Oktoberfest für die nächsten vier Jahre an die Firma Securitas, den einzig verbliebenen Bieter. Doch offenbar ist deren Angebot nicht wesentlich günstiger als das der Firma Kötter. Wie aus Rathauskreisen zu erfahren war, sind zum einen während des Oktoberfestes bereits viele Sicherheitsfirmen im Einsatz - und zwar in den Zelten. Diese Security-Mitarbeiter sind bei den Wirten angestellt. Und zum anderen muss selbst Branchenriese Securitas offenbar auf Mitarbeiter aus anderen deutschen Städten zurückgreifen, da in München nicht genügend Personal vorhanden ist. Die Folge für die Stadt: Sie muss den auswärtigen Mitarbeitern die Hotelkosten zahlen.

Wie weitere Rathausinsider berichten, hat die Verwaltung bereits „alles getan, um die Kosten zu senken“. So sind im Referat für Arbeit und Wirtschaft Aufgaben ausgelagert worden, damit sie nicht mehr in der Wiesnbilanz auftauchen. Die Kosten für die Pflanzentröge etwa sind neuerdings beim Baureferat angesiedelt. Und auch die nicht unkritische Vergabe des Sanitätsdienstes an die Aicher Ambulanz senkt die Kosten, denn das Angebot von Aicher liegt wohl um mehr als ein Drittel unter dem des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), das heuer erstmals nicht zum Zuge kam.

Mit Spannung verfolgen die Wiesnwirte die Debatten zum Oktoberfest im Münchner Rathaus. Im Foto: (v. li.) Wiggerl Hagn, Josef Able (hinten), Reinbold jun. und Edi Reinbold auf der Zuschauertribüne bei der Abstimmung zum Bierpreisdeckel vor einem Jahr.

„Erhöhung bleibt natürlich am Verbraucher hängen“

Entsteht nun eine neuerliche Bierpreisdeckel-Debatte? Wiggerl Hagn (Löwnenbräuzelt) und Toni Roiderer (Hackerzelt) gehen fest davon aus, dass der Preis für die Mass heuer deutlich über elf Euro klettern wird. „Wir zahlen ja 50 Prozent mehr Pacht“, sagt Roiderer. „Und die Mass lag im Vorjahr schon teilweise bei 10,95 Euro.“ Hagn ist sich sicher: „Die Erhöhung bleibt natürlich am Verbraucher hängen. Das lässt sich nicht vermeiden, weil ja alles auch für uns teurer wird.“

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Die Wirtesprecher Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel ließen am Sonntag via Pressemeldung mitteilen: „Die Wiesnwirte hätten sich einen stabilen Bierpreis bzw. einen moderaten Anstieg in 2018 vorstellen können. Doch diese Möglichkeit ist nun ausgeschlossen.“ Unfair sei, dass nur die Wirte die Zeche zahlen sollten, andere Betriebe aber nicht belangt würden.

Sascha Karowski, Armin Geier

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