Discounter-Dirndl sind verpönt

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Es sind die modischen Oktoberfest-Ausrutscher, über die Traditionalisten die Nase rümpfen.

Ist das noch Tracht? Pinke Lederhosn und Mini-Dirndl vom Discounter sorgen für Diskussionen um das echte, bayerische Gewand - und das richtige Wiesn-Outfit.

Spätestens, wenn es am 17. September auf der Münchner Wiesn wieder „O’zapft“ heißt, kramen die Besucher des größten Volksfests der Welt ihre Lederhosen und Dirndl in zahleichen Variationen aus dem Schrank hervor. Neben traditioneller Tracht gibt es inzwischen bei Discountern günstige Gesamtangebote - vom weißen Hemd bis hin zu pinkfarbenen Lederhosen ist unter den All-inklusive-Paketen alles zu finden.

„Man merkt deutlich, dass alle Altersschichten zum Oktoberfest sehr gerne Tracht tragen“, sagt Peter Fröstl vom gleichnamigen Eglinger Trachtengeschäft. „Bei uns im Landkreis werden bei den Mai- und Sonnwendfeiern sowieso gerne Lederhosen und Dirndl angezogen.“

Ist das noch Tracht - oder nur ei Mode-Gag?

Ist das noch Tracht - oder nur ein Mode-Gag?

Der Preis für eine Lederhose liegt zwischen 150 und 1200 Euro, verrät der Fachmann. „Da kann man sich je nach Geldbeutel entscheiden. Es kommt durchaus vor, dass ein Vater seinem Sohn eine Hirschlederne für 1000 Euro kauft.“ Von Gesamtpaketen für 99 Euro mit Hose, Hemd und Haferlschuhen hält Fröstl nichts: „Das ist für mich wie eine Verkleidung zu Fasching. I find des guad, wenn Tracht normal gmacht werd.“ Totenköpfe und grellbunte Stickereien sind nach Meinung des Experten auf den braunen oder schwarzen Lederhosen fehl am Platz. „Die Qualität beim Stoff stimmt da ebenfalls nicht.“

Auch Stefan Fischer vom Modegeschäft „Fischer-Pflügl“ in Wolfratshausen spürt, dass die Nachfrage nach Trachtenmode deutlich gestiegen ist: „Mehr Leute denn je gehen modisch gekleidet zur Wiesn. Jeder muss dabei seinen Maßstab selbst festlegen.“ Sowohl weiße Hemden als auch Karomuster-Motive findet Fischer schön: „Das mit dem Karo war schon früher so. Die Hemden wurden aus dem gemacht, was die Stofftruhe hergab.“ Dass die bayerische Tracht zu einer Modeerscheinung werde, ist für Fischer in Ordnung: „Einerseits gibt es die Tradition, andererseits aber auch den Trend. Und das finde ich gut so.“

Woran erkennt man einen waschechten Münchner?

Woran erkennt man einen echten Münchner?

Dem widerspricht die Dirndlschneiderin Uschi Disl aus Humbach bei Dietramszell vehement: „Was die Leute teilweise anhaben, kann man nicht mehr als Tracht bezeichnen.“ Da sie nur traditionell geschneiderte Dirndl anbiete, steige die Nachfrage vor dem größten Volksfest der Welt nicht: „Das geht völlig an uns vorbei. Unsere Kundschaft kauft Dirndl, die nicht auf dem Oktoberfest getragen werden.“ In ihrem Geschäft in Humbach werden derzeit die Farben rot, blau und hellgrün nachgefragt. Für den Stoff und das Nähen müssen die Kunden dann rund 450 Euro bezahlen.

Mit dem traditionellen Gewand sei weder die Optik noch die Qualität des Discounter-Ensembles zu vergleichen. Disl: „Ein echtes Dirndl ist etwas länger und hat keinen riesigen Ausschnitt. Auf der Wiesn gefällt das den Männern aber ganz besonders.“ (dor)

Quelle: Oktoberfest live

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