Das große tz-Spezial:

Was Sie schon immer über die Wiesn wissen wollten

+
Wie riecht die Wiesn? Wie sind Politik und die Wiesn verbandelt? Oder wie viel Geld ist auf der Wiesn im Umlauf? Hier im großen tz-Wiesn-Spezial erfahren Sie es!

München - O zapft is! Von Samstag bis zum 5. Oktober werden wieder rund sechs Millionen Gäste nach München auf die Theresienwiese strömen. Sie, können hier eintauchen: Denn wir präsentieren das große Wiesn-Spezial!

Die Wiesn und das Wir-Gefühl - Im kollektiven Rausch

München im Wiesn-Rausch! Schon auf dem Weg zur Arbeit sieht man die Ersten in Tracht, im Zelt singen Tausende wie aus einer Kehle, in der U-Bahn am Heimweg lässt man Wildfremde in die Tüte mit gebrannten Mandeln greifen. Mia san mia auf der Wiesn – und zwar alle!

„Kein Fest vermittelt so ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl wie die Wiesn“, sagt die Autorin und Psychologin Brigitte Veiz (Das Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual, Wiesnwahnsinn). „Das Oktoberfest ist wie ein großes Dorffest: Hier feiern alle zusammen, die im Alltag auf dem Marienplatz aneinander vorbeilaufen.“ Die Stadt im Ausnahmezustand!

Ein ganzes Zelt stößt gemeinsam an, ganze Gruppen tragen die gleiche Tracht: Auf keinem Fest ist das Gefühl der  Zusammengehörigkeit so groß wie auf der Wiesn.

Die Anziehungskraft der Wiesn liegt laut der Expertin vor allem in der modernen Gesellschaft. „Gerade in einer Großstadt leben viele Menschen allein, es gibt viele Singles – da sucht der Mensch unbewusst nach einer Gemeinschaft, zu der er dazugehören kann.“ Und die findet er auf der Wiesn – einen ähnlichen Effekt beobachtet man etwa bei Fußballfans. Doch auf dem Oktoberfest geht es nicht ums Siegen oder Verlieren, sondern nur ums Feiern. „Auf der Wiesn wollen alle Menschen Spaß haben und den Alltag vergessen, unabhängig von Schicht und Herkunft“, sagt Veiz. Man duzt sich, man teilt die Brezn, stößt gemeinsam an – der Urbayer mit dem Touristen, die Praktikantin mit dem Top-Manager. Wenn dann 10 000 Masskrüge gleichzeitig beim Prosit in die Höhe schnellen und alle die gleichen Lieder singen, erzeugt das eine einzigartige Dynamik – die versetzt den Besucher in eine Art kollektiven Rausch. „Dann zählt nur das Glücklichsein in diesem Moment“, sagt die Expertin.

Die Kleidung tut ihr Übriges: Mit Dirndl und Lederhosen gleichen sich die Gäste auch optisch an. „Die Tracht auf der Wiesn ist ein großer Ausdruck von Zusammengehörigkeit“, erklärt Volkskundlerin Dr. Simone Egger von der Universität München. „Auch die Touristen wollen dazugehören.“ Jeder Wiesn-Gast will Teil des Ganzen sein – und die Tracht erzeugt eine Art Uniform-Effekt. Trotzdem soll die Individualität gewahrt bleiben. Egger: „Wenn man genau hinguckt, sieht man die Unterschiede in der Kleidung. Hier hat die Schürze ein anderes Material, da ist die Schleife gerüscht.“ Ein ähnliches Phänomen beobachtet sie auch abseits der Wiesn: „Auch in der Fußgängerzone etwa tragen die Menschen eigentlich das Gleiche. Ein bestimmter Look ist immer angesagt – bei Frauen zum Beispiel die enge Hose mit dem weiten Oberteil.“ Die Tracht hat noch einen anderen Effekt: Sie steht für Romantik und Heimatverbundenheit. „Auch das schwingt unbewusst mit – die Sehnsucht der Menschen nach Ursprünglichkeit und Sinnlichkeit“, sagt Brigitte Veiz.

Und natürlich verstärkt der Alkohol den kollektiven Rausch noch mal. Zwei Wochen Ausnahmezustand – kein Wunder, dass so mancher nach dem Feiermarathon in eine Art Wiesn-Burnout stürzt. Das schwarze Loch nach dem Oktoberfest! „Die Menschen haben 16 Tage miteinander gefeiert, waren aufgedreht und gelöst. Danach tun sich manche schwer, wieder in den Alltag zurückzukehren“, weiß Brigitte Veiz.

Hinzu kommt noch, dass viele während der Wiesn auch körperlich und finanziell an ihre Grenzen stoßen. Aber: „Durch den Wiesn-Blues muss man durch. Keine Angst: Der vergeht ganz von alleine wieder.“

Christina Meyer

Die Wiesn und die Farben - Bunt putscht auf

Auf dem Tisch steht eine goldene Mass, über dem Biergarten strahlt der weiß-blaue Himmel. Überall wuseln Besucher in bunter Tracht herum. Die Wiesn ist ein Rausch der Farben! Und nach Einbruch der Dunkelheit hört dieser noch lange nicht auf  …

Haben Sie gewusst, dass das goldene Bier früher anders aussah? „Das Münchner Bier war früher hauptsächlich dunkel“, sagt Manfred Newrzella vom Verein Münchner Brauereien. „Erst 1955 hat Augustiner das Helle auf der Wiesn etabliert.“ Apropos Bier: Der Begriff „blau sein“ stammt von den Blaufärbern des 18. Jahrhunderts, die oft reichlich bei der ­Arbeit tranken. Schaut man in Bierzelten nach oben, fällt oft die tannengrüne Farbe auf, sei es durch Hopfen-Girlanden, Tannenschmuck oder grüne Stoffbänder. Das hat Tradition: Um 1900 herum schmückten viele Wirte ihre Zelte mit Tannenbäumen.

Das offizielle Wiesnplakat der Stadt war schon immer farbenfroh: Das erste von 1952 war froschgrün. 2009 wurde es den Münchnern aber zu bunt: Das schwarze Plakat mit neon-grellen Mustern erntete bei Traditionalisten Kritik.„Bunte Dirndl gibt es erst seit den 70er-Jahren“, sagt die Münchner Volkskundlerin Simone Egger (ihr Buch heißt Phänomen Wiesntracht). „Die historischen Frauentrachten dagegen waren sehr dezent und eher dunkel.“ Dass wir auch nachts noch all die Farben sehen können, verdanken wir keinem Geringeren als Albert Einstein. Denn dessen Familie betrieb ab 1885 die Firma Elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Cie, die 1896 künstliches Licht auf die Wiesn brachte. Der junge Albert schraubte damals die Glühbirnen ein.

Wie das Wirrwarr von Lichtern und Farben in den nächtlichen Straßen aufs Gehirn wirkt, erklärt der Neurologe Prof. Dirk Sander vom Benedictus Krankenhaus Feldafing: „Wenn in der Nacht etwas aufblitzt, dann suggeriert das dem Körper Gefahr – das ist evolutionär bedingt. Deshalb wirken schnell wechselnde Farben und Lichter wie Laser oder Stroboskope auf den Wiesn-Besucher aufputschend.“

Nina Bautz

Die Wiesn und die Politik - Die (un)politische Wiesn

Keine Politik beim Bier! Offiziell ist es Wiesn-Wirten und sogar den Volksvertretern selbst wichtig, dass das Oktoberfest politikfreie Zone sein soll. „Die Wiesn ist unpolitisch, schon gar nicht parteipolitisch. Da wollen wir uns freuen, da wollen wir feiern“, so Ministerpräsident Horst Seehofer zum Auftakt der Wiesn 2014. Aber indirekt spielte Politik von Anfang an eine große Rolle. Schon beim ersten Oktoberfest 1810, bei dem das Volk die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen mitfeiern durfte, ging es der noch jungen bayerischen Monarchie um Identitätsstiftung: Die Franken, die sich nicht als Bayern fühlten, kamen gerne zum Feiern auf die Wiesn – und wurden bei der dritten Mass eins mit den Oberbayern und Schwaben. Stets ein Politikum war auch der Bierpreis: Die Nazis wollten sich gleich nach der Machtergreifung 1933 beim Volk lieb Kind machen, indem sie den Preis des (ab 1938) „Großdeutschen Volksfestes“ auf 90 Pfennig festsetzen. Auch im Nachkriegs-Deutschland wurde das Oktoberfest immer wieder Schauplatz oder Auslöser politischer Debatten – die tz listet die wichtigsten Beispiele auf.

1969: Die Angst vor den Olympia-Kosten. Politik heißt oft auch: Verschweigen! So wurde im September 1969 klar, dass sich die Kosten für die Olympiade 1972 in München von den ursprünglich veranlagten 520 Millionen auf 1,02 Milliarden D-Mark verdoppeln würden. Der Pressechef des Olympischen Organisationskomitees, Johnny Klein, riet seinem CSU-Parteifreund und Ministerpräsidenten Alfons Goppel: „Wenn wir die Endsumme jetzt bekanntgeben, vermiesen wir doch den Leuten das Oktoberfest!“

1980: Oktoberfest-Attentat. Das dramatischste Ereignis ereignete sich unmittelbar vor der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980. Unions-Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß versuchte nach dem Attentat mit 13 Todesopfern alles, um die bald offenkundigen rechtsradikalen Hintergründe des Terroranschlags unter den Tisch zu kehren. Denn Strauß hatte die rechtsextreme Wehrsportgruppe Hoffmann, zu der Attentäter Gundolf Köhler Verbindungen hatte, als „Spinner“ verharmlost und deren Verbot im März 1980 als unverhältnismäßig kritisiert.

1984: Gauweilers Aufstieg als Einschenk-Sheriff. Die „unpolitische“ Wiesn ist für einen gewieften Politiker wie Peter Gauweiler der ideale Ort, um bundesweit berühmt zu werden. Der „schwarze Peter“, damals Chef des Kreisverwaltungs­referats, schickte seine Kontrolleure in Richard Süßmeiers Armbrustschützenzelt – und entzog erstmals in der Geschichte der Wiesn einem Wirt die Konzession während des Fests: Aus einem 152-Liter-Faß zapfte Süßmeiers Schankkellner „Biwi“ Wallner 198 Mass. „Biwi“ verteidigte sich: „A Wiesn-Mass war no nia koa Liter net!“ Obendrein beschäftigte Süßmeier illegale Arbeitskräfte in der Küche. Der Wiesnwirte-Sprecher war erledigt – und Gauweilers Polit-Karriere bekam einen Riesen-Schub.

2002: Anzapfen für den Wahlkampf. Eine perfekte Art, sich „unpolitisch“ zu profilieren, ist auch das Anzapfen: Besonders heikel war es 2002, als der rote Dauer-OB Christian Ude einen Tag vor der Bundestagswahl dem Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber die erste Mass reichte. CSU-Anhänger skandierten „Du machst es, Edi!“, SPD-Fans jubelten Ude zu – trotz des von Wirte-Chef Toni Roiderer ausgegebenen Wahlkampf-Verbots wurde das Anzapfen ein Wahlkampf-Großereignis.

Wiesn-Kritik von Stammgast Claudia Roth.

2008: Dirndl und Massen kosten Beckstein den Sieg. Eine Landtagswahl mitten in der Wiesn! Schon im Vorfeld sorgte 2008 das Rauchverbot für Riesen-Ärger. Dann setzte der politisch angeschlagene Ministerpräsident Günther Beckstein einen Patzer obendrauf: „Bei diesem Bier kann man zwei trinken und noch Auto fahren!“, sagte er bei einer Bierzelt-Rede. Als sich dann auch noch seine Frau Marga weigerte, auf der Wiesn Tracht zu tragen, war der Oktoberfest-Wahlkampf verhagelt – Beckstein fuhr mit 43,4 Prozent das schlechteste CSU-Ergebnis seit 1954 ein.
2009: Drogenstreit um Claudia Roth. Die Grünen-Chefin ist Stammgast auf der Wiesn. Trotzdem bezeichnete sie das Oktoberfest in einem Interview als „größte offene Drogenszene der Welt“. Für diese Äußerung wurde sie Roth auch von rot-grünen Politikern heftig kritisiert: Der damalige SPD-Wirtschafts­referent und heutige OB Dieter Reiter nannte es „befremdlich“, dass Roth „den Unterschied zwischen legalem Bier und verbotenen Drogen nicht kennt“.
2013: Oktoberfest-Einladung kostet Wulff das Amt. In der Flut der Vorwürfe gegen Christian Wulff war es ein Oktoberfest-Besuch aus dem Jahr 2008, der den Bundespräsidenten das Amt kostete. Denn die Einladung auf die Wiesn und danach ins Hotel Bayerischer Hof durch den Medien-Manager David Groenewold war der einzige Fall, den die Staatsanwaltschaft überhaupt vor Gericht bringen konnte. Wulff wurde freigesprochen – sein Amt ist er trotzdem los.

Klaus Rimpel

Die Wiesn und die Frauen - Das Schönste am Fest

Was wäre die Wiesn ohne Frauen? Man stelle sich vor: Gruppen von Männern sitzen starr vor ihrem Bier, essen Schweinsbraten und klopfen Sprüche. Es gäbe keine Flirts, keinen Tanz und vor allem nichts zu schauen für die Herren. Denn – da sind sich alle einig: Das Schönste auf der Wiesn sind (nach dem Bier) die Madln.

Madln im Dirndl sind immer schön anzusehen.

Da passt es, dass alles mit einer Frau begann. Ohne Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792 – 1854) gäb’s das Fest nicht. Denn anlässlich ihrer Heirat mit Kronprinz Ludwig trafen sich die Münchner ein paar Tage später, am 17. Oktober 1810, auf einem Areal zu einem Pferderennen. Das Rennen war so erfolgreich, dass es wiederholt wurde – das Oktoberfest war geboren. Der Ort wurde später zu Ehren der Kronprinzessin Theresienwiese genannt. Starke Frauen gab’s schon immer auf der Wiesn: etwa Käthe Müller, besser bekannt als Steilwand-Kitty. In den 30er- und 40er-Jahren war sie der Star in der Motorrad-Schau Pitts Todeswand. Für Furore sorgte auch die erste Ballonfahrerin Deutschlands, Wilhelmine Reichard. 1820 wurde sie für das 10. Oktoberfest engagiert, um mit einem Heißluftballon über München zu schweben. Manche Frauen wurden aber auch einfach zur Schau gestellt: So waren zum Beispiel die dickste Frau, die schwebende Jungfrau oder die Dame ohne Unterleib wahre Publikumsmagneten.

Schon früh verzückten die Damen die Herren mit ihrer Erotik. H. Scheibers illustrer Oktoberfest Führer von 1906 etwa warnt die männlichen Besucher mit folgenden Worten: „Den verführerischen Blicken gewisser Frauenzimmer pflegt gar mancher ländliche Festgast zu seinem Nachteile zu folgen. Bezüglich Geld und Wertsachen ist hier äußerste Vorsicht geboten.“ So freizügig wie heute präsentieren sich die Frauen auf der Wiesn erst seit ein paar Jahrzehnten. „Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Damen im Kostüm auf die Wiesn gegangen“, sagt die Münchner Volkskundlerin Simone Egger, die das Buch Phänomen Wiesntracht (2008) herausgebracht hat. „Ende des 19. Jahrhunderts kam das Dirndl als Sommer- oder Ferienkleid auf. Das war aber noch hochgeschlossen. Der tiefe Dirndl-Ausschnitt ist etwas ganz Neues aus den 1970er/1980er-Jahren.“ In dieser Zeit seien die Frauen auch freizügiger geworden. „Die ersten Fotos, auf denen Frauen blankziehen, gibt es aus den 80er-Jahren.“

Warum Männer so sehr auf Frauen im Dirndl abfahren, liege nicht einmal nur am tiefen Dekolleté, sagt die Münchner Psychologin Brigitte Veiz (Autorin von Oktoberfest, Masse, Rausch & Ritual): „Studien belegen, dass Frauen mit sogenannten Sanduhr-Figuren besondere erotische Reize aussenden. Dabei ist die Taille besonders schmal, Hüfte und Schultern sind ungefähr gleich breit. Und das Dirndl stellt diese Figur fast automatisch her.“

Dabei sind die Frauen sogar heute noch in der Unterzahl, wie Veiz herausgefunden hat. „Etwa 60 Prozent der Besucher sind Männer.“ Frauen seien zwar schon immer auf die Wiesn gegangen – „aber lange Zeit waren das vor allem Frauen aus dem einfachen Volk. Die Pferderennbahn im Hippodrom kam den Frauen aus der besseren Gesellschaft um 1920 daher sehr entgegen: Hierhin konnten auch sie gehen – unter dem Vorwand, die Pferde ansehen zu wollen. Und dann haben auch sie oft Bier getrunken.“

Noch heute gehen laut Veiz besonders viele Frauen im heiratsfähigen Alter in schicke Zelte wie das Käfer- oder das Weinzelt: „Ganz klar: Weil die den Ruf haben, dass dort die Männer mit den dicken Geldbeuteln sitzen.“ Laut einer Umfrage von lovepoint.de wissen viele Damen auch schon vor ihrem Wiesn-Besuch, was sie wollen: Jede dritte Frau (38 Prozent) gibt demnach zu, ohne Partner loszuziehen und den Alleingang bewusst zum Anbandeln zu nutzen.

Nina Bautz

Die Wiesn und das Geld - Da rollt der Rubel

Auf der Wiesn sprudelt nicht nur das Bier, sondern auch das Geld. Nach Angaben der Stadt hat das Oktoberfest einen wirtschaftlichen Wert von rund 1,1 Milliarden Euro. Die Fakten rund ums Geld:

Jeder Besucher gibt pro Tag im Schnitt 68 Euro auf der Wiesn aus. Bei 6,4 Millionen Besuchern kommen immerhin 435 Millionen Euro zusammen. Weitere 275 Millionen Euro lassen die Gäste für Einkäufe, Verpflegung oder Taxi-Fahrten in der Stadt.

Es ist das wohl bestgehütete Geheimnis der Wiesn: Wie viel verdient ein Wirt in den 16 Tagen? Der Steuer-Prozess um Ex-Hippodrom-Wirt Sepp Krätz brachte immerhin ein bisserl Licht ins Dunkel. Laut eigener Aussage spülte das Zelt zwei Millionen Euro Gewinn vor Steuern in die Kasse des Wirts – und das Hippodrom war eines der kleineren großen Zelte.

Verglichen mit den Gewinnen sind die Platzmieten recht niedrig. Die Stadt befürchtet, dass Erhöhungen nur die Preise auf der Wiesn hochtreiben würden. In einem nichtöffentlichen Bericht des Revisionsamtes zur Wiesn 2011 heißt es, dass die 14 großen Festzelte zusammen rund 2,4 Millionen Euro bezahlt haben. Macht pro Zelt zwischen 150 000 und 180 000 Euro. In den vergangenen Jahren sind die Preise wegen der Kosten für die Sicherheitspoller auf über 200 000 Euro gestiegen.

Bei den kleinen Zelten konnte das Revisionsamt die Rechnung nicht nachvollziehen. Die Hühner- und Entenbraterei Ammer bezahlte insgesamt 25 000 Euro, die Münchner Knödelei 29 700 Euro und Bodos Backstube 13 850 Euro.

Gerd Riedl versorgt Bedienungen mit Wechselgeldrollen.

Nur Bares ist Wahres: Egal, ob bei der Bedienung im Bierzelt oder an der Kasse der Fahrgeschäfte. Abgesehen von hohen Rechnungen bei Firmeneinladungen, wird auf der Wiesn meist mit Bargeld bezahlt. An das müssen die Besucher erst einmal kommen. Deshalb verteilen sich auf dem Gelände zwölf Stationen mit Geldautomaten. Wem beim Feiern das Geld ausgeht, der kann auch in fast allen großen Festzelten (außer Bräurosl, Käfer, Fischer Vroni und Festzelt Tradition) sowie im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn abheben. Die Stadtsparkasse München stellt dieses Jahr am Esperantoplatz einen zweiten Geldautomaten auf. Im vergangenen Jahr hob im Schnitt alle zwei Minuten ein Besucher Geld ab – und zwischen Mitternacht und 9 Uhr ist kaum jemand auf der Theresienwiese unterwegs. Im Schnitt nahm jeder Kunde 111 Euro mit. Bedienungen können mit den Scheinen aus dem Automaten wenig anfangen. Sie brauchen Kleingeld zum Wechseln. Und das bekommen sie seit zehn Jahren bei Gerd Riedl (56). Er betreibt die Wechselstube SecuriCoin am Haupteingang. „Anfangs lief das Geschäft schleppend, aber irgendwann hat sich herumgesprochen, dass die Bedienungen vor der Schicht nicht mehr erst zur Bank müssen“, erzählt Riedl. Auch Standl, die Pfand verlangen wie das Weißbierkarussell, brauchen Unmengen Münzen. Klofrauen hingegen bringen Hartgeld, das in der mobilen Bank mit drei Schaltern gezählt und gerollt wird, und nehmen dafür Scheine mit. Auch private Wiesn-Besucher kommen in den Container von Riedl. Er tauscht ausländische Währungen und auch D-Mark gegen Euro und sagt: „Im vergangenen Jahr kam noch fast eine Tonne D-Mark zusammen. Zuvor war es noch viel mehr.“

Ein Dauerthema auf der Wiesn ist das Trinkgeld. Wie viel soll oder muss der Gast der Bedienung auf den Mass-Preis drauflegen? Bei den meisten Besuchern hat sich die Regelung „Zum nächsten Euro aufrunden“ durchgesetzt. 2013 war bei Preisen von 9,60 bis 9,85 Euro ein mageres Jahr für das Personal. Dass die Mass heuer in sechs großen Zelten mehr als zehn Euro kostet, freut also zumindest die eine oder andere Bedienung.

Beim Kassieren muss das Personal heuer aufpassen. Ab Dienstag wird der neue Zehn-Euro-Schein ausgegeben. Alte Scheine sind aber weiterhin im Umlauf. Die Bundesbank glaubt, dies könne zu Irritationen führen.

Beate Winterer

Die Wiesn und der Sport - Hier sitzen die Fußballer gern auf der Bank

Lederhosn-Foto-shootings, spezielle Wiesntrikots, zünftige Sponsoren-Anzapfwettbewerbe – auch der Münchner Profifußball hat sich dem Oktoberfest-Hype längst an den Hals geschmissen. Und die Wiesn ist wohl der einzige Ort auf der Welt, auf dem die Superstars – anders als in der Arena – gerne auf der Bank sitzen.

Wer die Spieler leibhaftig im Wiesn-Einsatz erleben will, muss sich im Fall des FC Bayern am letzten Wochenende ins Spalier vors Käferzelt stellen. Einfacher hat’s der Fotohandy-Knipser bei den „Stars“ des TSV 1860. Die trinken ihre (zumeist bleifreie) Mass traditionsgemäß auf der Hackerzelt-Empore im „Himmel der Bayern“. Mit entsprechendem Zoomfaktor erwischt man schon einmal einen prostenden Adlung oder einen lächelnden Schindler. Eventuell auch einen eiligen Ismaik, falls der blaue „Scheich“ denn dieses Mal auf einen Krug Springerl vorbeischaut.

Feiern wie die Bayern: Boss Karl-Heinz Rummenigge mit Trainer „Sepp“ Guardiola und seiner Frau Cristina im Käfer.

Das mit der angeblichen Unschlagbarkeit der Münchner Vereine während der Wiesn ist im Übrigen ein rechter Schmarrn. Bei den Unaufsteigbaren aus Giesing sowieso, die verlieren zu jeder Jahreszeit Spiele (und Trainer). Und auch bei den Glorreichen von der Säbener Avenue ist der Nimbus längst perdu. Allerdings: Zumindest seit September 2010 haben die Roten kein Wiesn-Heimspiel mehr verloren. Den letzten richtigen Kater nach einer Partie zu Hause gab’s unter der niederländischen Trainergottheit Louis van Gaal. Einem 0:0 gegen den 1. FC Köln folgte im September 2010 eine Woche später eine 1:2-Niederlage gegen den FSV Mainz. Eine weitere Woche darauf wurde nach einem 0:2 in Dortmund gar der Wiesn-Besuch abgesagt.

Dieses Mal sollte gegen Aufsteiger SC Paderborn (Dienstag, 20 Uhr) nichts anbrennen. Allzu feierwütig wird man die Profis vor dem samstäglichen Auswärtsspiel in Köln freilich nicht erleben. Und auch danach ist nicht mit „Skandalen“ zu rechnen.

Die Fußballgötter sind eh recht zahm geworden. Claudio Pizarro war der bislang letzte Promikicker, den es erwischte. 2006 zog die Polizei den Peruaner nach einem Wiesn-Besuch mit 1,1 Promille aus seinem Audi RS4. Schon zehn Monate zuvor war „Promille Pizarro“ mit zu viel Atü auf dem Kessel erwischt worden. Der Lappen war erst mal weg. Gegenüber der tz zeigte der Sturm-Tank umgehend Reue: „Ich habe kein Alkohol-Problem. Was passiert ist, tut mir leid. Aber bei mir ist nicht generell der Alkohol das Problem, sondern die Tatsache, dass ich gefahren bin.“ Vom FC Bayern gab’s eine routiniert-unkommentierte Geldstrafe. Heute ist Pizarro Musterprofi und Edeljoker.

Uli Hoeneß, damals noch strafrechtlich unbefleckt, hat in Sachen Wiesn ohnehin eine freiheitliche Einstellung: „Die Spieler müssen sich doch mal den Frust von der Seele saufen. Wir haben doch früher auch auf dem Oktoberfest die Maßen reingelassen.“ Und selbst der katalanische Trainer-Trendsetter Guardiola schlüpft zur Wiesn in die Lederhosen. Da wird der Pep zum Sepp!

Apropos Reinlassen: Wiesn-Neulingen sei vor der Selbst-Defloration ein Besuch auf www.oktoberfest.de empfohlen. Zwei nützliche Hinweise finden sich dort für Menschen, die am selben Tag Fußballspiel und Festzelt aufsuchen wollen: „Männer in Tracht sollten, um Problemen bei der Einlasskontrolle (im Stadion) vorzubeugen, auf den Hirschfänger, das traditionelle Messer in der Seitentasche der Lederhose, verzichten.“ Zweitens: „Damen, die auf der Wiesn top-gestyled sein wollen, können ihr Haarspray zwar ins Bierzelt mitnehmen, im Stadion sind Behälter, die unter Druck stehen, aber verboten.“

Ludwig Krammer 

Die Wiesn und die Promis - Bussi, Bussi

Sie gehören zur Wiesn, wie die Steinkrügerl mit Schampus, die strassbesetzten Fantasie-Dirndl und die bunten VIP-Bändchen: Auch die Prominenz zeigt sich gern auf der weltgrößten Volksfestbühne. Jahrelang pilgerte man zur heiligen Dreieinigkeit: In Käfer’s Wiesn Schänke, in Kuffler’s Weinzelt und zu Sepp Krätz im Hippodrom.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: Das Hippodrom musste dem Marstall weichen, zahlreiche Promi-Stammtische sind auf einen Schlag heimatlos geworden. Der Nachfolger, Marstall-Wirt Sigi Able geht es ruhiger an. Er will die Hütte respektive das Zelt nicht bis unters Dach mit Stars und Sternchen füllen. „Das Marstall soll ein Münchner Wiesn-Zelt für jedermann werden“, versichert er.

Also, wohin dann, ihr Gottschalks, Beckers, Effenbergs, Klitschkos, Heinos, Veronas, Uschis und Regines? Das große Stühlerücken – oder besser das Bierbankrutschen hat begonnen. Wer feiert in diesem Jahr wo? Die tz hat nachgeforscht.

Der traditionelle, große Auftakt-Reigen, der Stammtisch von PR-Lady Birgitt Wolff und Ex-Hippodrom-Wirt Sepp Krätz, bei dem sich Deutschlands TV-Stars wie Christine Neubauer, ­Simone Thomalla, Janina Hartwig, Wolfgang Fierek und Ex-Tennisprofi Boris Becker zuprosteten, fällt aus. Becker wird trotzdem mit seiner Laureus-Stiftung und 450 Gästen einen Platz auf der Wiesn haben: Er wechselt ins Schützenfestzelt von Edi Reinbold, wo sich Becker mit seinen Sportsfreunden am Samstagabend auf der Galerie die Ehre gibt.

Roberto Blanco küsst seine Luzandra.

Eine ebenso sportliche, wie schlagkräftige Runde versammeln Wilfried und Jochi Sauerland – in diesem Jahr in Kuffler’s Weinzelt. Dort ist auch der Stammtisch von Design-Legende Werner Baldessarini (oft dabei: Heiner Lauterbach, Heino Ferch, Jack White und Udo Jürgens) wieder zurückgekehrt. In der Kuffler’schen Hausbox bittet auch Radio-Gong-Chef Georg Dingler am ersten Wiesn-Mittwoch zur großen Freundesparty (u.a. mit dabei ­Elmar Wepper, Josef Vilsmaier und Ulrike Kriener). Schlagergrößen wie Michael Holm sind gern dabei – wenn sie noch eine Stimme haben. Denn bereits am Tag zuvor, am Dienstag, trifft sich die gesamte Hitmacher-Branche (Patrick Lindner, die Hofmann-Schwestern, Ireen Sheer, ­Claudia Jung, ­Marianne und Michael) zum Stelldichein von Gottfried Zmecks Goldstar-TV.

Beim Käfer geht’s am ersten Sonntag rund, wenn Event-Veranstalter Philip Greffenius zum Almauftrieb bittet. Mit dabei: Christine Neubauer, Vicky Leandros, ­Micaela Schäfer.

Doch die mit Abstand größte Sause, die in den letzten Jahren bei Sepp Krätz stieg, ist die legendäre Damen-Wiesn von Mietwagen-Lady Regine Sixt. Sie hat für ihre tausend (!) Damen der Gesellschaft (u.a. Verona Pooth, ­Lilly ­Becker, ­Franziska Knuppe, Jutta Speidel, Franziska van ­Almsick) am ersten Wiesnmontag das Marstall-Zelt gebucht.

Ein bisschen Spaß verspricht Winzerer-Fähndl-Wirt Peter Pongratz seinen Gästen. Nach seinem neuen Anzapfritual (Paulaner-Braumeister Christian Dahncke wird den Schlägel schwingen) überlässt er die Musikbühne Roberto Blanco sowie Marianne und Michael.

Außerdem auf der Wiesn dabei: Patrick Lindner, der am zweiten Wiesn-Sonntag im Weinzelt seinen Geburtstag feiert (mit Live-Einlage!), genauso wie ­ Ralph Siegel (am 30. September im Käfer) und Claudia Effenberg, die es gleich am ersten Samstag, ebenfalls im Weinzelt, mit ihren Freunden zu ihrem 49. Geburtstag wohl richtig krachen lässt.

Angekündigt haben sich auch: die Schauspiel-Lieblinge Elyas M’Barek und Florian David Fitz (im Käfer), Simone Ballack und Freundinnen beim Fisch-Bäda und Uschi Glas mit Tochter Julia bei der Mercedes-Damen-Wiesn im Käfer.

Maria Zsolnay

Quelle: Oktoberfest live

auch interessant

Meistgelesen

Wegen Sicherheit: Die Wiesn wird teurer
Wegen Sicherheit: Die Wiesn wird teurer
OB Reiter hat ihn eingeladen: Kommt Obama auf die Wiesn?
OB Reiter hat ihn eingeladen: Kommt Obama auf die Wiesn?
Jetzt wird‘s teuer! Wiesn-Gäste sollen für Sicherheit zahlen
Jetzt wird‘s teuer! Wiesn-Gäste sollen für Sicherheit zahlen
Able darf nun doch in den Klub der Wiesnwirte
Able darf nun doch in den Klub der Wiesnwirte

Kommentare