Mit dem Scharfrichter auf der Wiesn

Harry G nimmt Touris und Isar-Preißn aufs Korn

+
Harry G grantelt über Schickimicki-Münchner auf dem Oktoberfest.

München - Er ist der Grantler aller Grantler: Harry G. Sein bevorzugtes Lästeropfer: Die Isarpreißn und die Münchner Möchtegern-Schickimickis. Die laufen jetzt wieder zuhauf auf zur Bavarian Fashion Week, der Wiesn. Eine Fallanalyse:

Aber auch die Preißn und die vielen Touristen bieten jede Menge Stoff für Frotzeleien. Die tz hat den Kabarettisten (wurde durch Internetclips berühmt und füllt jetzt ganze Säle mit seinem ersten Programm; www.harry-g.com) auf dem Oktoberfest getroffen. Wie Sie auf der Wiesn erkennen, mit wem Sie es zu tun haben – hier eine (natürlich nicht ganz ernst gemeinte) Fallanalyse!

Tracht

Der Isarpreiß sticht auf der Wiesn schnell ins Auge: Zu den edlen Slippern („Wie man sie früher bei der Waldarbeit eben trug“) kombiniert er orangefarbene Socken, eine Lederhose mit Sonderstickerei, im schlimmsten Fall eine Samtfliege und natürlich das Must-have fürs Wiesn-Zelt: die regenbogenfarbenverspiegelte Ray-Ban-Brille. Neben ihm glitzert eine aufgetakelte Dame, die aussieht, als hätte Glööckler einen Weihnachtsbaum behängt – mit Tülldirndl, hohen Seidenschuhen und meterlangen Federn am Hut. Dem Touri dagegen ist es wurscht, wie er aussieht: „Der schmeißt sich in Plastiklederhose und Spitzhut und fällt auf alles rein. Wenn ihm der Klomann erzählt, dass er da drin Karussell fahren kann, zahlt er dem auch noch ’nen Zehner.“ Der Preiß verkleidet sich gern für die Wiesn – mit einer Dreiviertel-Lederhose made in China. „Unten schauen die kasigen Steggalhaxn raus, und mit seinen Hosenträgern ähnelt er dem Seppl ausm Kasperltheater.“ Die Preißn-Madln sind an folgenden Merkmalen identifizierbar: kurzes, neonfarbenes Mini-Dirndl, Billighut und ausgelatschte Ballerinas.

Saufen

Den Isarpreißen findet man laut Harry G vorrangig in Zelten, in denen der Mindestumsatz bei mehr als 60 Euro pro Person liegt – da spritzt er dann aufbrezelt wie der Pfingstochse aus Versehen mit der Magnum-Schampusflasche durch die Gegend. Dabei hat der Grantler generell gar nichts gegen Champagner auf der Wiesn: „Ich find’s gut, dass es den in manchen Zelten gibt! Sonst würden die Deppen ja überall sitzen …“ Der Preiß trinkt zwar Bier, die Mass umklammert er aber mit zwei Händen („Dabei gibt man dem Krug in Bayern lediglich freundlich die Hand“) und trinkt jedes Noagerl bis zum Schluss aus – hat schließlich zehn Euro gekostet. Tipp: Angestoßen wird bestimmt, aber nie zu fest. „Man will ja besoffen werden und keinen Crashtest simulieren.“ Und: Die Massen werden im Halbstundentakt erneuert, aber nie geext!

Feiern

Der Preiß hat eine Mordsgaudi beim Feiern: „Er singt jedes Lied mit, auch wenn er kein Wort versteht.“ Beim Obandln scheitert er allerdings: Seine Anmachsprüche reduzieren sich in der Regel auf Urlaute ( „Ahhhhh“ oder „Uhhh“) – dafür kassiert er oft ein „Schleich di“. Gleiches blüht den Touris mit ihrem flotten „Ciao Bella“ oder „Hey Baby“. Da kommt der Bayer noch am besten an: „Er nimmt das Madl in den Arm und drückt sie her.“ Übrigens: Am Kotzhügel endet nur der Tourist. „Wer sich auskennt, weiß, dass dahinter ein ganzer Park ist – und der Preiß schafft’s immerhin noch bis zum nächsten Hauseingang.“ Wann’s zu viel ist mit der Wiesn-Gaudi, weiß keiner so recht: „Nur der Isarpreiß – der is dann schon im Einser.“

Christina Meyer

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Der Wettbewerb fürs Wiesn-Plakat startet
Der Wettbewerb fürs Wiesn-Plakat startet
Oktoberfest-Albtraum: Beichte von GNTM-Kandidatin bewegt die Menschen
Oktoberfest-Albtraum: Beichte von GNTM-Kandidatin bewegt die Menschen
Münchner hilft Bewusstlosem auf der Wiesn - dann schlagen Gaffer ihn krankenhausreif
Münchner hilft Bewusstlosem auf der Wiesn - dann schlagen Gaffer ihn krankenhausreif
Wer schnappt sich den Wiesn-Thron? 
Wer schnappt sich den Wiesn-Thron? 

Kommentare