„Wie Angebote zur Faschingszeit“

Lidl verkauft gerade Wiesn-Trachten: Ein Begriff dürfte viele erzürnen – Münchner Expertin urteilt gnadenlos

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So schaut die Trachten-Kollektion von Lidl aus. 

Viele Münchner sagen: „Friara war de Wiesn scheena!“ Ein Argument ist für sie die „peinliche Verkleidung“ mancher Oktoberfest-Besucher. Lidl verkauft wieder billige Tracht. Eine Münchner Modeexpertin urteilt gnadenlos. 

München - Wiesn-Nostalgiker sehnen sich nach einer Zeit zurück, in der die Oktoberfest-Besucher schöne Tracht statt knapper Plastik-Dirndl und Billig-Lederhosen trugen. Unsere Leserin Monika schreibt zum Beispiel: „Heid sieht ma nur Zuagroaste, de moana, wenn' s a Lederhos'n oder a Dirndl oham, dass se Bayern san. Dabei macha de se nur lächerlich. Und für uns waschechte Münchner ist des a richtige Watschn.“ (Lesen Sie hier weitere Argumente unser Leser, warum ihnen die Wiesn früher besser gefallen hat.) 

Lidl empfiehlt „Trachten-Sneaker“ zum Dirndl - dieser Begriff dürfte viele erzürnen

Lidl Deutschland verkauft seit Donnerstag die viel diskutierte und kritisierte Tracht zu Billigpreisen. Dass Konkurrent Aldi nachziehen wird, ist erwartbar. Lidl behauptet in seiner Werbung für den 16. August: „Zünftige Trachten erobern die Kleiderschränke und sind schon lange nicht mehr nur in Bayern angesagt.“ Doch von „zünftigen Trachten“ kann nicht die Rede sein. Die Dirndl bedecken nicht das Knie, die Schürzen sind zu kurz. Als Dirndl-Schuhe empfiehlt Lidl „Trachten-Sneaker“. Allein der Name wird Bayern erzürnen. Zum Dirndl tragen bayerische Frauen keine karierten Turnschuhe, sondern Schuhe mit Absätzen. Männern verkauft Lidl Karohemden, von denen zum Beispiel Trachtenexperte Benedikt Daller vom gleichnamigen Münchner Trachtengeschäft abrät. (Lesen Sie den Bericht „Männer, mit dieser "Tracht" blamiert ihr euch auf der Wiesn und anderen Volksfesten!“

Die Münchner Modeexpertin und Personal Shopperin Sonja Grau urteilt gnadenlos über die Lidl-Kollektion: „Die Angebote wirken auf mich wie Angebote zur Faschingszeit. Es wird versucht, den Wiesn-Style mit Hilfe von Wiesn-Motiven zu unterstreichen. Stil und Wertigkeit bleiben aber dabei komplett auf der Strecke.“ Ihrer Meinung darf Tracht nie billig wirken. Tracht müsse aber nicht teuer sein, um gut auszusehen. „Für meine Begriffe ist es wichtig, dass Tracht in puncto Verarbeitung, Design, Farben, Qualität und Ausstrahlung stilvoll daherkommt.“

Münchner Personal Shopperin: Darauf sollten Käufer bei Trachten achten

Sonja Grau beschreibt, worauf Käufer achten sollten: „Die Tracht muss zum Träger passen: Es darf keine Verkleidung sein! Wichtig ist für mich, dass die Tracht nicht nur für „einmal Tragen“ angeschafft wird. Sie soll Freude und Laune machen und im Kleiderschrank einen festen Platz einnehmen.“ Nur so habe die Tracht auch das Chance, außerhalb der Wiesn getragen zu werden. Grau sagt: „Nur so macht es für mich auch Sinn, Geld in ein Trachtenoutfit zu investieren. Wenn Qualität, Verarbeitung und Design eine ausgewogene Berücksichtigung finden, dann hat man es richtig gemacht.“

(Sonja Grau hat einen Gastbeitrag für unsere Onlineredakrtion geschrieben: „Fragen Sie nicht Ihre Liebsten, was Ihnen steht! Fragen Sie mich!“)

Aldi Süd verärgerte seine bayerischen Kunden 2017 mit Trachten-Werbung

Wir befürchten, dass Aldi Süd seine Werbung ernst meint.

Der Discounter Aldi Süd hatte es sich mit seiner Trachten-Werbung im vergangenen Jahr mit vielen bayerischen Kunden verscherzt: Auf Facebook hatte Aldi ein Bild auf Facebook gepostet, das eine Frau im Dirndl und eine Frau in Lederhose und Karohemd zeigt. Auf dem Foto steht: „Am 26.8. gemma zum Oidi!“ Aldi übersetzt seinen Namen also frei ins Bairische. Bayerische Kunden stört aber noch etwas: Der Satz des Aldi-Facebook-Teams „Des Scheene an der Wiesn: Ma hod oan Grund mehr, si zua vakleidlen.“ Das wollen traditionsbewusste Wiesn-Gänger nicht hören. Die Facebook-Nutzer reagierten wütend. Sie warfen Aldi nicht nur vor, mieses Bairisch zu schreiben, sondern auch Bayerns Kultur zu beleidigen.

Aldi-Facebook-Fan Sonja schrieb: „Ihr beleidigt uns ganz schee mit eurem blöden Spruch! Wir verkleiden uns nicht... Mia geh ma hoid zu besondere Anlässe gern in Tracht! Und wenn ma koa Bairisch kann, dann bitte bleim lossn!“ Das Facebook-Team von Aldi Süd reagierte: „Seid doch nicht so streng mit uns... Fürs nächste Mal haben wir unser Bayerisch verbessert. Versprochen! Liebe Grüße, euer ALDI SÜD Team.“ Und selbst in dieser Entschuldigung steckt ein Fehler, der Bayern erzürnt: Geht es um die Sprache, schreibt man Bairisch, nicht Bayerisch. 

Wie denken eigentlich Trachten-Experten über die Billig-Tracht, die die Discounter vor dem Oktoberfest-Start (22. September 2018) verkaufen? Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt hat  im vergangenen Jahr Reaktionen gesammelt. Zum Beispiel sagt Magnus Heiland, Inhaber vom gleichnamigen Trachtenhaus in Rottenbuch: „Es ist völlig in Ordnung, Tracht günstig anzubieten. Die Discounter-Produkte sind qualitativ allerdings so weit unten, dass ich eher von ihnen abraten würde.“ Neben dem ungeeigneten Material macht sich der Fachmann, der sich auf Herrenmode spezialisiert hat, vor allem Sorgen um die Bedingungen, die bei der Produktion solch billiger Kleidungsstücke herrschen.

Lesen Sie hier den Gastbeitrag: „Ich gehe seit 40 Jahren auf die Wiesn – früher war NICHT alles schöner.“

Unsere besten Wiesn-Geschichten posten wir auch auf der Facebook-Seite Oktoberfest

sah

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