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Chefin von „Wiesn-Notdienst“ verrät: „Einmal ist einem Herrn im Bierzelt die Lederhose gerissen, als er ...“

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Von: Lisa Fischer

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Bereit für den nächsten Wiesn-Notdienst: Petra „Petzi“ Schmidt-Grabsch in ihrem Trachtenladen in Maisach.	FOTO: WEBER
Bereit für den nächsten Wiesn-Notdienst: Petra „Petzi“ Schmidt-Grabsch in ihrem Trachtenladen in Maisach. © Weber

Petzi Schmidt-Grabsch ist oft die letzte Rettung für Oktoberfest-Besucher. Die Maisacherin nennt sich selbst „Wiesn-Notdienst“ und hilft aus, wenns brennt.

Maisach – Eigentlich hält die Tracht so einiges aus. Geht sie doch einmal beim Bierbank-Schunkeln oder Achterbahnfahren kaputt, gibt es den Wiesn-Notdienst aus Maisach. Chefin Petra Schmidt-Grabsch hat dabei schon die kuriosesten Geschichten erlebt – vom Hose wechseln hinter dem Zelt bis zum Vermisstenanruf.

Maisacher Trachtenverkäuferin wird auf dem Oktoberfest zum Renner

Die Lederhosen zugeknöpft, das Dirndl mit einem „Ratsch“ am Reißverschluss zugemacht – und los geht es, nach München auf die Wiesn. Zahlreiche Besucher sind in den vergangenen Tagen trotz Regen und eisigen Temperaturen auf die Theresienwiese geströmt. Mittendrin: Petra „Petzi“ Schmidt-Grabsch.

Doch die Inhaberin des Maisacher „Gehweida Trachtencouture“ war nicht zum Vergnügen vor Ort. Vielmehr half sie den bibbernden Besuchern auf dem Oktoberfest und verkaufte zwischen Bierzelt und Schokofrüchte-Stand ihre Trachtenjacken. „Die gingen weg wie warme Semmeln“, sagt Petzi Schmidt-Grabsch.

Trachtenverkäuferin aus Maisach auf der Wiesn: Die heißeste Zeit des Jahres

„Wiesn-Notdienst“, nennt die studierte Modedesignerin ihr Geschäft, das sie neben ihrem Laden in den zwei Wochen während der Wiesn auf Trab hält. „Diese 14 Tage sind für mich die heißeste Zeit des Jahres“, sagt die gebürtige Tegernseerin.

Nicht nur wärmende Strickjacken, die die Modedesignerin mit einer Schneiderin in ihrem Atelier anfertigt, sind heiß begehrt. Durch ihren „Wiesn-Notdienst“ hat sie über die Jahre verschiedenste Anfragen erlebt. „Einmal ist einem Herrn im Bierzelt die Lederhose gerissen, als er über die Bank geklettert ist“, erzählt Petzi Schmidt-Grabsch. Also wählte er den Wiesn-Notdienst und hatte die Trachten-Chefin am Telefon.

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Ausgestattet mit mehreren Lederhosen und einem mobilen EC-Gerät fuhr Schmidt-Grabsch aus Maisach los. In München, hinterm Bierzelt, wechselte der Mann kurzerhand seine Hose, bezahlte bei der Modedesignerin und konnte schließlich wieder ins Zelt und den Abend genießen.

Maisacherin hat sogar Stammkunden in Hamburg

Es gibt aber auch Wiesn-Notdienste, mit denen Schmidt-Grabsch schon rechnet. Wie zum Beispiel eine Stammkundin, die jedes Jahr aus Hamburg anreist, um auf die Wiesn zu gehen. Nach ihrer Ankunft am Samstagabend in München – und somit nach Ladenschluss – gibt es für sie eines der neusten Dirndl – gefertigt von Petra Schmidt-Grabsch.

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Aber auch Touristen aus dem Ausland hat Petzi Schmidt-Grabsch schon Wiesn-Nothilfe geleistet. Einmal erreichte sie ein Anruf eines Portiers aus einem Nobelhotel in München. Man bräuchte mehrere Lederhosen und Ausstattung für arabische Gäste. „Ich bin dann mit meiner Stange auf Rollen ins Hotel rein“, erzählt Schmidt-Grabsch. Weiter durfte sie nicht gehen. „Ich musste die Trachten abgeben – sehr geheimnisvoll.“ Nach zwei Stunden konnte sie die Kleiderstange abholen – „komplett leer, alles wurde gekauft“, erinnert sie sich.

Kurioser Anruf beim Wiesn-Notdienst: Gast hatte seine Freundin verloren

Ganz kurios waren bisher Anrufer, die den Wiesn-Notdienst missverstehen und anrufen. „Einmal rief ein junger Mann an, er war ganz verzweifelt“, erzählt Schmidt-Grabsch. Es stellte sich heraus, dass er seine Freundin verloren hatte und vom Wiesn-Notdienst Unterstützung erwartete. „Ich konnte ihm nicht helfen. Ich bin ja kein Fundbüro oder Partnervermittlung“, sagt Schmidt-Grabsch und lacht.

Ob sich heuer – nach zwei Jahren Wiesn-Pause, die die Teilzeit-Flugbegleiterin mit dem Nähen von Trachten-Masken überbrückt hatte – wieder solche Geschichten ergeben? Das wird die Trachtencouture-Chefin nach den 14 Tagen dann sehen.

Heuer konnte sie bislang Besucherinnen mit Strickjacken ausstatten und einer Frau, deren Reißverschluss geplatzt war, mit einem Dirndl weiterhelfen. Aber auch für Männer gab’s das Passende spontan in der Feststraße auf der Wiesn zu kaufen. Und auch Schausteller, die die Trachtenexpertin schon kennen, haben dankend wärmere Trachten abgekauft, wie eine Mitarbeiterin am Süßigkeitenstand. „Ich hatte auch noch Schirme unter den Arm gesteckt und bin in den letzten Tagen rumgelaufen, wie ein fliegender Händler“, sagt Petzi Schmidt-Grabsch und lacht.

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