Mit 65 Tiefladern auf die Wiesn

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Der Höllenblitz ist als einziges Fahrgeschäft schon so gut wie fertig gebaut - die Schausteller haben eine Sondergenehmigung bekommen, um eine teure Zwischenlagerung zu vermeiden.

Mitten auf der sonst noch leeren Schaustellerstraße ragt der Höllenblitz, die größte transportable In-Door-Achterbahn der Welt, 32 Meter hoch in den Himmel – links und rechts daneben ist nur grüne Theresienwiese zu sehen.

Das Fahrgeschäft ist als einziges (fast) vollständig aufgebaut – die Schaustellerfamilie Renoldi hatte von der Festleitung eine Sondergenehmigung bekommen. Schon zwei Wochen vor den Kollegen durfte Klaus Renoldi (33) mit seinem 600 Tonnen schweren Höllenblitz anrücken – die Einzelteile verteilt auf 65 Tieflader!

„Wir sind direkt von der Cranger Kirmes nach München gefahren“, sagt Klaus Renoldi. Das Volksfest in Herne (NRW) ging am 10. August zu Ende. Gut eine Woche brauchen die Arbeiter für den Abbau – genauso lang für den Aufbau. Den 600 Tonnen schweren Stahlkoloss für die kurze Zeit zwischen Kirmes und Wiesn einzulagern, hätte sich nicht rentiert – daher also die Sondererlaubnis.

Der Schaustellerbetrieb hat so schon genug zu kämpfen. Die explosionsartig gestiegenen Preise für Diesel und Stahl machen der Branche das Leben schwer. „Um auf die gleiche Gewinnspanne wie in den 90er Jahren zu kommen, müssten wir die Tickets für zehn bis zwölf Euro verkaufen – das kann natürlich kein Mensch zahlen“, sagt Renoldi. Eine Fahrt im Höllenblitz kostet auf der Wiesn für Erwachsene 5,50 Euro, für Kinder 3.

„Wir überlegen uns inzwischen sehr genau, welche Volksfeste wir anfahren. Erst in den Norden, dann runter nach München und wieder hoch nach Kiel, das lohnt sich nicht mehr. So viel Geld können wir gar nicht einnehmen, wie wir da auf der Autobahn lassen würden“, sagt Renoldi.

Bei den gestiegenen Kosten kommen manche nicht mehr mit. So hat die Familie Bruch (wie berichtet) ihre spektakuläre Achterbahn Euro Star für eine Millionensumme an den Moskauer Gorki-Park verkauft. „Das Angebot war gut, das mussten wir annehmen“, sagt Junior-Chefin Angela Bruch. Die Wiesn hat damit eine ihrer Sensationen mit einem Looping und fünf Überschlägen verloren. Heuer reist Angela Bruch „nur“ mit der Alpina-Bahn an, einer Familienachterbahn ohne Looping. Für den Transport des Euro Star waren 90 Tieflader nötig, die Alpina-Bahn kommt mit der Hälfte aus.

Durch den Verkauf können die Bruchs nun auch ihren Fuhrpark verkleinern. Geldsorgen hin oder her, die Wiesn ist und bleibt für die Schausteller das beste Geschäft des Jahres. „Drei Veranstaltungen in dieser Größe, und wir hätten keine Probleme mehr“, sagt Angela Bruch, die ihrem Euro Star sehr nachtrauert. Mitarbeiter der Familie überwachen gerade den Aufbau im Moskauer Freizeitpark. Klaus Renoldi freut sich derweil auf die Wiesn. Wenn alles gut läuft, macht er in den 16 Tagen die Hälfte seines Jahresumsatzes.

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