Die neue Wiesn im Härte-Test

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Immer wieder heißt es in den Zelten „Feuer frei“ – etwa diese beiden Damen lassen es im Windfang des Augustiner-Zeltes rauchen – das Rauchverbot-Plakat lässt sie kalt.

München - Heuer fürchtete so mancher neue Krisen auf dem Oktoberfest: Das strenge Rauchverbot, der Sicherheitsring und die historische Wiesn sind eine Herausforderung für Wirte, Sicherheitspersonal und natürlich für die Wiesn-Gäste.

Es funktioniert erstaunlich gut, das neue, von Wirten und Rauchern gefürchtete Qualmverbot. Vielen rauchten im Vorfeld die Köpfe, wie das per Volksentscheid herbeigeführte Verbot in den rappelvollen Zelten umzusetzen sei. Aber die meisten hielten sich daran. Natürlich gab’s auch Ausnahmen, aber das störte nicht mal die Nichtraucher.

Rauchverbot

Raucher sind brave Menschen, das hat der Wiesn-Auftakt gezeigt. Mittags gehen alle vorschriftsmäßig vor die Tür, um eine zu qualmen. In den meisten Zelten haben die Wirte ja auch Vorkehrungen getroffen. Der Raucherbalkon im Weinzelt ist rappelvoll, auch der neue Raucherbalkon im Hippodrom ist gut besucht.

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Die Auftaktbilanz der Wiesn-Polizei

Frederik, Benjamin und Hansi stellen sich mit ihren dicken Zigarren artig in den „Raucherhof“ der Fischer Vroni. Artig – aber schimpfend: „Das Rauchverbot ist ja okay, aber doch nicht auf der Wiesn! Und die Nichtraucher müssen jetzt ständig unsere Plätze verteidigen.“ 15 Uhr im Schottenhamel: Hier werden Kärtchen an die Raucher verteilt, damit sie nach der Zigarette wieder ins Zelt kommen. Aber der Wachmann hat keine Karten mehr: „Es darf nur dann einer raus, wenn einer wieder reinkommt.“ Wirt Michael Schottenhamel: „Das Problem ist, dass die Gäste teilweise ihre Einlasskärtchen draußen verkaufen. Wenn wir das sehen, nehmen wir sie ihnen sofort ab.“

Promis am ersten Wiesn-Tag

Promis am ersten Wiesn-Tag

Je später die Stunde und betrunkener die Gäste, desto mehr pfeifen auf das Rauchverbot und qualmen drinnen: Winzerer-Fähndl-Wirt Peter Pongratz ermahnt bei seinem Rundgang eine junge Frau – verschämt tritt sie die Zigarette aus. Auch in der Ochsenbraterei und im Hackerzelt sind die Bedienungen schnell zur Stelle, wenn sie jemanden qualmen sehen.

Fazit: 100 Prozent qualmfrei ist es in den Zelten nicht – aber mindestens 85 Prozent. Die Zigarette unterm Tisch zu verstecken oder auf der Toilette zu rauchen macht halt keinen Spaß. Mal sehen, wie sich das Verbot bei schlechtem Wetter umsetzen lässt.

Sicherheit

Voriges Jahr sorgte der von Innenminister Joachim Herrmann ausgerufene Terror-Alarm auf der Wiesn für martialische Bilder: Absperrungen, Wasserwerfer, riesiges Polizeiaufgebot. Heuer sind die Sicherheitsvorkehrungen wesentlich dezenter. Die 50 Blumenkübel, die als Zufahrtsschikanen dienen, verwandeln Bavariaring und Theresienhöhe in ein Meer von Blumen, die 70 Poller sorgen mit ihren grünen Plakaten für ein freundliches Bild. Auch die Polizisten, die im Umfeld patrouillieren und die Besucher überprüfen, machen ihre Arbeit zurückhaltend. Die Taxifahrer sind mit den neuen Ständen an der Martin-Greif-Straße, Herzog-Heinrichstraße und der Poccistraße zufrieden. „Die große Katastrophe ist nicht eingetreten“, so Frank Kuhle, Geschäftsführer der Taxi München eG.

Historische Wiesn

Die historische Wiesn wird täglich von über 20 000 Gästen besucht. Vor allem Familien mit Kindern und Senioren lieben die nostalgische Wiesn mit Pferderennen, historischen Fahrgeschäften, dem Museums-Zelt und lustigen Radlfahrten im Velodrom. Das Jubiläumsbier aus dem Steinkrug schmeckt ebenfalls.

Winzerer Fähndl

8000 Menschen feierten, Zigtausende Hendl wurden gebraten und hektoliterweise Bier ausgeschenkt – und trotzdem roch es im nagelneuen Paulanerzelt am Samstagnachmittag noch nach Holz. Bei der ersten Bewährungsprobe lief alles rund: Durch die zentrale, superschnelle Ringleitung erreichte das Bier die Gäste sogar schneller als bisher. „Ich glaube, das macht sich auch im Absatz bemerkbar“, sagt Wirt Peter Pongratz strahlend. Als goldrichtig erwiesen sich auch die separaten Gänge für die Bedienungen. „Wege, die früher fünf Minuten gebraucht haben, dauern jetzt nur noch 30 Sekunden“, sagt Pongratz. Einzig die Hendl braten nicht schneller als früher: „Wir hatten einen Engpass, weil es 3000 Bestellungen auf einmal gab.“ Gedauert hat’s auch vor der Damentoilette: Die lange Schlange sind die weiblichen Gäste noch aus früheren Winzerer-Fähndl-Zeiten gewohnt.

tz

Quelle: Oktoberfest live

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