Volkssängerzelt “Zur Schönheitskönigin“

Exklusiv: So wird das neue Zelt auf der Oidn Wiesn aussehen

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Peter Reichert wird die „Schönheitskönigin“ zusammen mit Ehefrau Gerda führen

„Zur Schönheitskönigin“ soll das neue Volkssängerzelt auf der Oidn Wiesn heißen. Es wird aus Holz gebaut und soll einem Altmünchner Wirtshaus ähneln. Für das Wirtepaar Reichert ist es der zweite Ausflug auf das Oktoberfest.

Bei der Vorstadthochzeit im Hofbräuhaus am Freitag war sich Peter Reichert (50) endgültig sicher, dass er es geschafft hat. „Griaß di, neia Wiesn-Wirt“, sagte Zweiter Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (47, CSU) zu ihm. Reichert und seine Frau Gerda (50) werden die neuen Wirte auf der Oidn Wiesn. Zuvor hatten sie zunächst über einen Bericht unserer Zeitung über das Stadtrats-Votum erfahren.

Wobei „neu“ nicht ganz richtig ist. 2011 hatten die Reicherts schon einmal ein Gastspiel auf der Theresienwiese mit ihrem Zelt „Zur Schönheitskönigin“. Und so wird auch ihr Zelt des Jahres 2017 heißen – das aber komplett neu aus Holz gebaut mit 690 Plätzen innen und 200 im Biergarten daherkommt.

Auch das Konzept ist neu: Die „Schönheitskönigin“ soll ein reines Volkssängerzelt werden – ganz in der Tradition von Ikonen wie Weiß Ferdl oder Karl Valentin. Auf der Bühne steht die neue Garde der Volkssänger, mit der Reichert das alte München aufleben lassen möchte. „Es nützt ja nichts, immer nur die alten Granden aufzuwärmen“, sagt er in seiner bodenständigen Art.

Aus Holz gebaut wird das neue Zelt „Zur Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn.

Für die Auswahl und die Moderation des Musik-Programmes hat Reichert sich Jürgen Kirner von der Musikkabarettgruppe Couplet-AG ins Boot geholt. Der ist auch bekannt  als Moderator der BR-Sendung Brettl-Spitzen. Der Besucher bekommt ein Liederheft zum Mitsingen. Wenn Reichert von seinem Musikprogramm erzählt, dann bilden sich ganz viele kleine Lachfalten um seine Augen. Der gebürtige Ebersberger selbst ist seit 30 Jahren Musiker. Singt und spielt Harfe und Trompete, Letztere etwa auf dem Kocherlball. In der Schönheitskönigin“ will der Musikantenwirt in einem Wettbewerb die besten Nachwuchs-Interpreten suchen. Der Gewinn: Ein Auftritt bei den Brettl-Spitzen.

Humor spielt in der Schönheitskönigin eine große Rolle

Wie ein altes Münchner Wirtshaus soll Reicherts neues Zelt innen daher kommen, mit geschnitzten Ornamenten im Giebel und einfachen Holzbänken. Kräftig investiert hat der gebürtige Ebersberger in den Neubau. Und das, wo keiner sicher sagen kann, ob er nächstes Jahr wieder einen Zuschlag bekommt. Oder ob es so läuft wie 2013, als er nach einem Jahr Oide Wiesn Beppi Bachmaiers Herzkasperlzelt weichen musste. 2012 hatte es keine Oide Wiesn gegeben. Reicherts sehr bayerischer Kommentar: „Ois im Leben is a Risiko“.

Aber sicher, zu oft könne er es sich nicht mehr leisten, dass die Stadt ihn wieder von der Wiesn hole, sagt er und lacht. Unter dem Jahr führt der Musikantenwirt mit Frau Gerda den traditionsreichen Seehof am Ammersee in Herrsching – und eine Festgriller-Firma in München. Von dort stammt seine Frau, ihre Brüder betreiben das Hofbräuhaus. 

Fotos von Volkssänger-Ikonen an den Wänden, schlichte Holzbänke und -tische: So soll es innen im Zelt aussehen

„Zur Schönheitskönigin“ heißt das Zelt in Anlehnung an das selbstironische Lied „Schönheitskönigin aus Schneizlreuth“ der Volkssängerin Bally Prell. Wenn es die Zeit bei dem vollen Programm zulässt, wird das Wirte-Paar wie 2011 wieder täglich eine Schönheitskönigin küren lassen. Ums Aussehen geht es dann freilich nicht. Sondern um wirklich wichtige Disziplinen wie Wirsingstemmen oder Knödelrollen.

Humor spielt in der Schönheitskönigin eine große Rolle. Mit seinem Zelt und den Volkssängern möchte Reichert eine Lücke auf der Oidn Wiesn schließen. Das Festzelt Tradition bietet Blasmusik und Volkstanz, das Herzkasperlzelt moderne Volksmusik. Dazwischen will er sich ansiedeln.

Kellnerinnen in langen Kleiderröcken mit weißen Schürzen

Kulinarisch wird’s in der Schönheitskönigin Fisch aus dem Ammersee und Spezialitäten der Münchner Kronfleischküche geben – etwa saures Kalbslüngerl und Rinderzwerchfell. Die Kellnerinnen servieren in einem historisch anmutenden Gewand aus langen Kleiderröcken mit weißen Schürzen.

 Und Peter Reichert wäre nicht der Musikantenwirt, wenn er nicht zumindest ab und an selbst in seinem Zelt aufspielen würde. Eins seiner Lieblingslieder ist ein Roider-Jackl-Klassiker, den er auch gleich anstimmt: „Bringt’s uns a Masserl guades, echtes, gsüffiges, gschmackiges, boarisches Bier.“ Und schelmisch fügt Reichert an: Einem Musikanten, dem könne man einfach nicht verbieten, dass er spielt.

Das Wirtepaar betreibt unter anderem den Seehof am Ammersee.

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