Dialekt-Experte ärgert sich

„Des hoaßt Fleischpflanzerl!“: Bairischer Sprach-Fachmann grantelt über Wiesn-Schilder

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Uli Weiß: pensionierter Polizist, passionierter Sänger und Mitglied im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte.

Bairische Sprache, schwere Sprache? Semmel, Hendl, Fleischpflanzerl: Klar, dass es da für Preißn ausgemachte Fettnäpfchen gibt. Und im Schilderwald der Wiesn-Buden bleibt  mancher Schnitzer nicht aus.

Der Ärger hat sich gelohnt. das Schild wurde ausgetauscht. 

Update vom 4. Oktober 2018, 9.40 Uhr: Nicht auszuschließen, dass unser Bericht bewirkt hat, dass das Oktoberfest für Münchner ein bisschen besser wird: Denn der Besitzer der Würstelbraterei auf der Oidn Wiesn hat noch während des Oktoberfests 2018 das unbairische Schild austauschen lassen: Statt Frikadellen, wie man im Rest von Deutschland sagt, hängt dort jetzt ein Angebot für „Fleischpflanzerl“, so wie es die Bayern gewohnt sind. Sehen Sie das Beweisfoto:

Das war der ursprüngliche Bericht vom 25. September:

München - Im Bild sehen Sie Uli Weiß (67). Er ist pen­sionierter Polizist, passionierter Sänger und Mitglied im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte. Was er gar nicht gern sieht, sind Preißn-Begriffe auf der Wiesn: „Auf der Oidn Wiesn verkaufen sie Frikadellen“, sagt Weiß. „Das heißt Fleischpflanzerl!“ Am Standl sagt man uns, das Kreisverwaltungsreferat verbiete die Auszeichnung der Pflanzerln mit dem bairischen Wort. Eine Sprecherin der Stadt teilt auf Anfrage aber mit: „Die Betreiber dürfen schreiben, was sie wollen.“

Der Stein des Anstoßes für Weiß: Schilder wie dieses.

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Unmittelbar am Haupteingang der Wiesn verkauft Familie Hoffmann tatsächlich Kartoffelpuffer. Weiß fragt nach: „Ihr wisst, wie man in München dazu sagt, oder?“ Und in der Tat: „Natürlich wissen wir das“, sagt Markus Hoffmann. „Man sagt Reiberdatschi. Das kommt vom Reiben und vom Datschen.“ Warum verkauft ihr dann Kartoffelpuffer? „Die Wiesn ist ein internationales Fest. Leute aus aller Welt kommen hierher und wollen feiern.“ Und die verstünden das Wort Kartoffelpuffer besser als Reiberdatschi, so Hoffmann.

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Weiß echauffiert sich über „Wies‘n“ mit Apostroph

Schlendert man über die Wirtsbudenstraße, wiederholt sich auch noch etwas anderes: Wies’n – also mit Apostroph. „Dieses Zeichen benutzt man, wenn man einen Buchstaben auslässt“, sagt Uli Weiß (67). „Wir sind aber nun mal nicht auf DEN Wiesen, sondern auf DER Wiesn.“ Kleinkariert, könnte man denken. Aber Weiß findet: „Das ist doch ein Unterschied!“ Gabriele Lackner von der Wies’n Brotzeit hält dagegen: „Das haben wir immer schon so geschrieben.“

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Ja mei… Sagen wir halt jetzt einfach: Basst scho! Das gilt dann auch für die Rechtschreibfehler und Wortschöpfungen, die’s auf der Wiesn ebenfalls zuhauf gibt (siehe Fotos). „Leben und leben lassen“ ist schließlich auch Tradition.

S. Heidrich, S. Brenner

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