Wiggerl Hagn feiert 60. Oktoberfest-Jubiläum

Dienstältester Wiesn-Wirt: "Anzapfen ist für mich wie Heizung einschalten"

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Seit 60 Jahren auf der Wiesn: Löwenbräuwirt Wiggerl Hagn.

München - Das muss ihm erst mal jemand nachmachen: 60-jähriges Wiesn-Jubiläum feiert Löwenbräuwirt Wiggerl Hagn heuer. Für die tz hat er sich an die Höhen und Tiefen aus 60 Jahren Oktoberfest erinnert.

Wahnsinn, Wiggerl! Löwenbräuwirt Wiggerl Hagn (75)  feiert heuer 60-jähriges Wiesn-Jubiläum. Seine Eltern führten seit dem Jahr 1953 das Schützenzelt: Als Vater Ludwig sen. 1956 mit nur 48 Jahren an Krebs stirbt, springt der 16-jährige Wiggerl seiner Mama bei. 1979 dann der Umzug ins Löwenbräuzelt. In elf Tagen geht die Wiesn los. Für die tz erinnert sich Hagn - der, wenn’s hart auf hart kommt, auch beim Fußball zu den Löwen hält - an die Höhen und Tiefen aus 60 Jahren Oktoberfest.

Die Regelungen

„Die Vorschriften auf der Wiesn sind über die Jahre immer strenger geworden“, erzählt Hagn. Bei jedem ausgegebenen Hendl etwa muss von der Kühlung bis zum Braten alles dokumentiert werden. „Früher fand ich die Dokumentationspflicht immer übertrieben. Heute weiß ich, dass sie die Wirte schützt.“

Raufereien

Früher gab es viel mehr Raufereien in den Zelten, ist sich Hagn sicher. „Die Leute waren damals viel aggressiver.“ Seine Theorie: Heute können die Gäste mitschunkeln und mitsingen - das baut Aggressionen ab.

Das schönste Erlebnis

Auch wenn er es schon unzählige Male erlebt hat: Für Wiggerl Hagn ist es immer noch das Größte, beim Wiesn-Einzug mit der Kutsche auf die Festwiese zu fahren. „Die Orgelmusik vom Karussell, die einem entgegentönt, und die Fahrt durch die Menge sind unbeschreiblich.“

Das schlimmste Erlebnis

Das schlimmste Erlebnis in 60 Jahren Wiesn war das Attentat am 26. September 1980. „Mich hat der Richard Süßmeier angerufen, dass wohl eine Gasflasche explodiert sei.“ Hagn lässt die Musik länger spielen, weist die Ordner an, die Gäste nicht zum Haupteingang zu schicken. „Zu uns ist lange nicht durchgedrungen, dass eine Bombe hochgegangen ist.“

Das Anzapfen

Lampenfieber? Keine Spur. Anzapfen im Löwenbräuzelt ist für Wiggerl Hagn mittlerweile „so, wie wenn ich die Heizung daheim einschalte.“ Einmal hatte er aber doch wacklige Knie. „Als ich 18 oder 19 war, hat mich der Kapellmeister auf die Bühne geholt, und ich sollte spontan Mitsingen.“ 

Der Besucherandrang

Kaum zu glauben, aber Hagn (hier 1987) kann sich noch an Oktoberfeste mit leeren Zelten erinnern. Freilich, das ist lange her. „Wenn am ersten Montag schlechtes Wetter war, hatten wir in den Anfangsjahren manchmal 40 Gäste im Schützenzelt.“ Die Wiesn sei lange Zeit erst ab dem Donnerstag der ersten Woche so richtig losgegangen. „Dann wurden die Besucherzahlen jedes Jahr um zehn Prozent mehr.“ 

Der Stress

„Die Wiesn ist ein Riesenstress - aber einer, der immer noch Spaß macht“, erzählt Hagn. Mit der Zeit habe sich eines geändert: Mit dem Alter sei er ruhiger geworden. „Ich bin nicht mehr so hektisch wie früher.“

Was ihn stolz macht

Für Wiggerl Hagn die perfekte Nachfolgerin: Tochter Stephanie Spendler (3.v.r.).

Besonders stolz ist der Jubilar auf seine Familie. Tochter Stephanie Spendler (48, Foto M.) ist seit 1999 im Vertrag fürs Löwenbräuzelt eingetragen. „Für mich ist sie die perfekte Wirtin und die perfekte Nachfolgerin für mich und meine Frau Christa!“ Und auch die Tochter sendet dem Papa über die tz Glückwünsche: „Lieber Papa, ich gratuliere dir ganz herzlich! Die 30 Jahre habe ich auch schon fast voll - in 20 Jahren stoßen wir auf mein 50. und auf Dein 80. Wiesn-Jubiläum mit einem Masserl an!“

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