Die wichtigsten Begriffe

Oktoberfest 2015: Die Wiesn von A bis Z

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Die Wiesn von A bis Z.

München - Von wie "Anzapfen" bis Z wie "Zuzeln": Wir haben hier das ultimative Wiesn-Abc mit den Wichtigsten begriffen rund um das Oktoberfest für Sie.

A wie Anzapfen: Dabei kann man sich als Oberbürgermeister auf ewig blamieren (siehe E) oder die Herzen der Münchner gewinnen. Dieter Reiter gelang letzteres, als er im Vorjahr seinen vierten Schlag mit einem gut hörbaren „Ach Scheiß drauf“ ankündigte. Er ist halt ein Sendlinger Gwachs, der OB.

B wie Bairisch: Hört man auf der Wiesn meist nur noch an der Haltestelle Theresienwiese, wo grantige U-Bahn-Fahrer Touristen zusammenfalten, etwa wenn diese mal wieder ihren Selfie-Stick zu weit ins Gleis gehalten haben.

C wie Christian Ude: Wer hätte gedacht, dass der Schwabinger Intellektuelle Ude einmal zum größten Anzapfer aller Zeiten avancieren würde? Seine Beliebtheitswerte bewegten sich auf Justin-Bieber-Niveau, wenn Ude kurz vor 12 Uhr am Tag des Anstichs durch den Schottenhamel schritt. Am Ende seiner Amtszeit brauchte Ude nur noch einen Schlag, um anzuzapfen. Die Bürgerinnen und Bürger waren begeistert.

D wie Defiliermarsch: Der Bayerische Defiliermarsch wird traditionell gespielt, wenn der Ministerpräsident zum Anstich das Schottenhamel-Zelt betritt. Edmund Stoiber genoss die Huldigungen („Edi, Edi“) sichtlich, sein fränkischer Nachfolger Beckstein hatte einen schwereren Stand beim Volk, nicht zuletzt wegen seiner renitenten Frau, die sich bei der Premiere weigerte, ein Dirndl anzuziehen. Mit Becksteins Feststellung, der Konsum von zwei Mass Bier sei noch kein Grund, das Auto stehen zu lassen, stieg Becksteins Ansehen beim Volk wieder.

E wie Erich Kiesl: „I mog d’Leit und d’Leit mögn mi“, sagte der ehemalige Münchner Oberbürgermeister über sich. Als Kiesl 1978 das erste Fass Bier anzapfte, rief er „Izapft os!“ und machte sich auf ewig zum Gespött der Münchner.

F wie Flirten: Müsste korrekterweise Anbandln heißen, aber das A war schon besetzt. Vor allem Italienern eilt der Ruf voraus, notorische Schürzenjäger zu sein. Stundenlang bezirzen sie wahllos Wiesn-Besucherinnen auf der Suche nach einem amourösen Abenteuer. Wenn es dann losgehen könnte mit der bella Ragazza auf der Madrazza, müssen sie doch dem starken Wiesnbier Tribut zollen (siehe K).

G wie Gwand: Man kennt das: Je näher der erste Wiesn-Besuch rückt, desto größer die Sorge, ob man noch ins Dirndl oder in die Lederhose passt. Dann heißt es Bauch einziehen und rein ins Gwand. Vor 20 Jahren noch gingen die meisten mit Jeans auf die Wiesn, heute laufen sogar chinesische Touristen Selfie-schießend in Tracht auf der Festwiese rum, wenn man das Komplettoutfit für 39,90 Euro Tracht nennen mag. Und die einzige Tracht, die einem Preißn steht, ist halt immer noch die Tracht Prügel.

H wie Holz vor der Hüttn: „Sie könnten ein Dirndl auch gut ausfüllen“, sagte FDP-Politiker Rainer Brüderle 2012 zu einer Journalistin, ein Aufschrei in den sozialen Medien war die Folge. Hätte Brüderle den Satz auf der Wiesn genuschelt, kein Hahn hätte wohl danach gekräht. Tiefe Dekolletés gehören zur Wiesn wie das Gejammer der Wirte über die steigenden Kosten.

I wie Ich kenn jemanden: Die Wiesn ist nicht nur das größte Volksfest der Welt, sondern auch die größte Spezlwirtschaft. Irgendjemand im Freundeskreis kennt immer jemanden, der entweder bedient, als Security arbeitet oder im Reservierungs-Büro sitzt. „Wir treffen uns um 18 Uhr vorm Hintereingang, da holt uns dann mein Bekannter ab.“ Klappt meistens nicht.

J wie Jugend: Früher war das Oktoberfest bei der Münchner Jugend in etwa so beliebt wie unter Wiesnwirten die Frage, wie hoch eigentlich ihr Gewinn ist. Heute drängen sich Heranwachsende ab 7 Uhr morgens vor den Zelten, um noch einen Platz zu bekommen. Viele enden als Bierleiche auf der Polizeiwache, wo sie dann von pikierten Eltern im SUV abgeholt werden.

K wie Kotzhügel: München von seiner schönsten Seite. Ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen, gleichzeitig Dorado für Taschendiebe und Voyeure. Die Metamorphose des Menschen vom Homo Sapiens zum willenlosen Zellhaufen lässt sich auf der Wiesn nirgends besser beobachten als am Hang hinterm Hofbräuzelt.

L wie Liter: Die Frage, wie viel Bier im Krug ist, dürfte so alt sein wie die Wiesn selbst. 15 Millimeter unterhalb des Eichstrichs ist die Toleranzgrenze. Alles darunter kann vom Kreisverwaltungsreferat beanstandet werden. Wer sich beliebt machen will, der geht mit seiner schlecht eingeschenkten Mass zum Schankkellner und bittet um Nachschlag.

M wie Marstall: Wirt Siegfried Able versprach im Hippodrom-Nachfolger familienfreundliche Preise. Und er hielt Wort: Mindestabnahme vergangenes Jahr für einen Zehner-Tisch waren nur 600 Euro. Bei so viel Familienfreundlichkeit verwunderte es kaum, dass Able zur Freude seiner Wirts-Kollegen (siehe V) im internen Bewerbungs-Ranking der Stadt mit seinem Marstall-Zelt sogleich auf dem zweiten Platz landete. So erhält die Stadt den Volksfestcharakter der Wiesn.

N wie Noagerl: Hat nichts mit Innenminister Herrmann oder Robert Blanco zu tun. Ein Noagerl ist ein kleiner Rest Bier, den man erst sieht, wenn man den Krug „noagt“, hochdeutsch neigt. So kam’s zum politisch völlig korrekten Noagerl.

O wie Oetzi, DJ: Kein normal sich verhaltender Bär, äh Mensch würde Songs wie „Hey Baby“ oder den „Burger Dance“ privat hören. Nach drei Mass Bier, wenn sich das Gehirn so langsam verabschiedet, erwischt man sich plötzlich, im Takt mitzuklatschen.

P wie Prominente: Es gilt das alte Baby-Schimmerlos-Motto: Wer reinkommt, ist drin. Für hunderte B-, C- und D-Promis ist die Wiesn die große Gelegenheit, mal wieder in der Boulevardpresse aufzutauchen. Sie wissen: Je enthemmter die Pose, desto größer die Chance für ein Foto und einen Dreizeiler. So entstehen historische Schlagzeilen à la „Claudia Effenberg knutscht Simone Ballack“.

Q wie Quantum: Jeder Mensch ist anders, das gilt insbesondere für den Bierkonsum. Welches Quantum man verträgt, das hängt auch vom Essen ab. Wiesn-Profis wissen: Ohne g’scheide Grundlage wird’s spätestens ab der vierten Mass eng, da braucht man dann ein Quantum Trost und zwei gute Freunde, die einen auf dem Heimweg stützen und sich die Moralpredigt an die eigene Adresse anhören („Ich bin so ein Depp, ich trink’ nie wieder was“).

R wie Reservierung: Die richtige Kundennummer ist so etwas wie der heilige Gral, wenn man im Frühling unterwürfigst um einen Tisch bei einem der Reservierungsbüros fleht. Wer einmal im internen Reservierungssystem eine gewisse Position erreicht hat, muss nicht mehr zittern. Dann ist der Tisch jedes Jahr sicher. Es sei denn, das Zelt ist auf einmal nicht mehr auf der Wiesn vertreten, so wie jüngst beim Hippodrom geschehen. Zum Schampustrinken bieten sich in München aber auch andere Lokalitäten an.

S wie Schießen: Wenn man um 22.30 Uhr höflichst aus dem Zelt gebeten wird („jetzt schleicht’s eich“), und die Sauerstoffwatschn neue Kräfte freisetzt, ist heimgehen keine Option. Sind Damen im Schlepptau, muss natürlich eine Rose geschossen werden. Jetzt schlägt die Stunde der Schießbuden-Betreiber, die den Reibach des Tages machen. Völlig hemmungslos verballern testosterongeladene Burschen 20, 30 Euro, um ihrer Herzensdame eine Plastikrose im Wert von 10 Cent zu ergattern.

T wie Touristen: Schon Gerhard Polt mokierte sich über die Touristen, die den Münchnern aus dem Ausland die Plätze wegfaxen. Einer Umfrage zufolge sitzen Deutsche auf der Wiesn übrigens am liebsten neben Landsleuten, gefolgt von Australiern und Italienern (siehe auch F). Oberbayern sitzen am liebsten neben Tirolern und Obergiesinger am liebsten neben Untergiesingern.

U wie Ursprung: Das Oktoberfest fand erstmals 1810 anlässlich der Hochzeit zwischen Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese statt. Dem gemeinen Wiesn-Besucher ist das natürlich völlig wurscht, Hauptsache man bekommt noch einen Platz im Bierzelt und muss nicht neben einem Engländer sitzen (siehe T).

V wie Verein der Wiesnwirte: Legendärer Zirkel der großen Zeltbetreiber. So sagenumwoben wie die Ritter der Tafelrunde mit dem einzigen Unterschied, dass Trachtenjanker statt Kettenhemd getragen wird. Sigi Able vom Marstall darf immer noch nicht mitmischen im Verein, weil er sich vor Jahren die Markenrechte an der Ochsensemmel hat schützen lassen, die eine Erfindung vom inzwischen verstorbenen Wirt Hermann Haberl aus der Ochsenbraterei war. Provozieren sollten die Wiesnwirte Able besser nicht, sonst sichert der sich am Ende noch die Markenrechte an Bavaria, Theresienwiese oder dem weiß-blauen Himmel und verlangt dafür Lizenzgebühren.

W wie Wilde Maus: Lieblings-Fahrgeschäft von Ex-OB Christian Ude (siehe C), was verwundert, immerhin hat Ude ein Buch mit dem Titel „Vom Zauber, mit Katzen zu leben“ geschrieben. Im Vergleich zu modernen Achterbahnen sind die Wagen der Wilden Maus so gemächlich unterwegs, dass man Udes Katzenbuch fast fertig gelesen hat, wenn die Fahrt vorbei ist.

X wie Xanthippe: Die Ehefrau des Philosophen Sokrates gilt als Inbegriff des zänkischen Weibes. Besonders während der Wiesn ist es unangenehm, wenn die Partnerin zur Xanthippe mutiert und aus niederen Beweggründen („Du warst doch schon achtmal draußen – in einer Woche“) den Herren-Besuch auf der Wiesn vereitelt. Auch der ehemalige Bayern-Profi Breno durfte einmal nicht auf die Wiesn gehen, angeblich auf Geheiß seiner Gattin. Daraufhin zündete der Brasilianer seine Grünwalder Villa an. Actio gleich Reactio, wenn man so will.

Y wie York, New: Einer der größten Wiesn-Hits überhaupt: „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens. Der Song handelt vom Traum, einem spießigen Leben zu entfliehen. Im Vergleich zur DJ Ötzi/Mickey Krause-Kakophonie ein Werk mit Wiesn-untypischem Tiefgang und Wahrheitsgehalt. Da kann nur noch „Arätätää, Rätätää, morgen hamma Schädelweh“ mithalten.

Z wie Zuzeln: Die Zuzibilität der Weißwurst könnte am 29. September zur großen Herausforderung im Schottenhamel-Zelt werden. Dort endet bei einem gemeinsamen Frühschoppen die IT-Gründermesse „Bits and Pretzels“. Silicon Valley meets Weißwurst-Äquator, wenn man so will. Als Gast wird unter anderem einer der Google-Gründer erwartet. Der Mann ist so kolossal reich, da kann man mit einem Wiesnwirt beinahe Mitleid bekommen. Nein, eigentlich doch nicht.

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