Wie lange muss man vor den Klos warten?

Millionen-Spiel Oktoberfest: Die Wiesn in Zahlen

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München - Was verdient ein Wirt? Welches Bier wird am meisten getrunken? Wie lange ist die Wartezeit vor den Toiletten? Diese und andere Fragen rund ums Oktoberfest hat die Unternehmensberatung Ernst & Young analysiert.

Normalerweise berät die Agentur Ernst & Young (EY) mit ihren 190.000 Mitarbeitern Unternehmen rund um den Globus und zählt zu den vier größten Wirtschaftsprüfern weltweit. Doch jetzt haben sich die Zahlen-Akrobaten mit München-Filiale in der Arnulfstraße auch das Oktoberfest vorgenommen. Viel (un-)nützes Wissen rund um das größte Volksfest der Welt. Die tz fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Über sechs Millionen Besucher, über sechs Millionen Mass Bier und Umsätze in schwindelerregenden Höhen. Ernst & Young haben zum Beispiel errechnet, wie viel sich mit einem 7500-Mann-Zelt verdienen lässt: weit über eine Million Euro. Oder, dass der Bierpreis im Jahr 2024 die 15 Euro-Marke reißen wird. Rechnet man alles zusammen, spült eine einzige Wiesn-Saison über eine Milliarde Euro in die Kassen. Und doch gibt es einen Wert, der all diese Summen toppt: Und zwar die Werbung, die das Fest für München und Bayern auf der ganzen Welt darstellt. „Eine solche Kampagne wäre unbezahlbar“, sagt EY-Partner Florian Huber.

Zum Zahlenwerk erklärt er: „Es handelt sich dabei um keine offizielle EY-Studie, sondern um eine launige Analyse, die das Münchner Team seit nunmehr vier Jahren für unsere Gäste aus aller Welt auf der Wiesn aufbereitet“, sagt Huber. „Es liegen die vielen verschiedenen offiziellen Daten zum Oktoberfest zugrunde, sowie seriöse Schätzungen und Erfahrungswerte.“ Diese werden dann mit betriebswirtschaftlichen Regeln ausmultipliziert „und ergeben ein seriöses und wie wir glauben realistisches Gesamtbild“.

Sauberes Geschäft

Wer nix wird, wird Wirt! Dieser Spruch gilt für einen Wiesn-Gastronom nicht: EY hat ein 7500-Mann-Zelt nach betriebswirtschaftlichen Kriterien durchgerechnet und kommt zum Schluss: Wenn am Ende alle Massen der Gäste, aber auch Kosten des Wirts bezahlt sind, bleibt vor dem Gang zum Finanzamt deutlich über eine Million Euro in der Kasse eines jeden Wirts.

Das verdient ein Wirt

Euro
Bier 4.339.000
Hendl 621.000
Brezn 511.000
Fleischspeisen 184.000
sonst. Speisen 747.000
ges. Einnahmen 6.401.000
Arbeitsmaterial -1.398.000
Musik -150.000
Sicherheitsdienst -300.000
Bez. Leistungen -450.000
Materialaufwand -1.848.000
Brutto v. Umsatz 4.603.000
Personalkosten -1.280.000
Versicherung -90.000
Strom -18.000
Wasser -16.000
Gas -6000
Aufbau -1.500.000
Platzgebühr -152.000
andere Ausgaben -1.783.000
EBITDA 1.490.000
Abschreibungen -300.000
Gewinn vor Steuern 1.189.000

Ein Prosit

Auf das Fest dürfen nur Münchner Brauereien – das ist Gesetz. Doch welche der Hopfen-Aufbereitungseinrichtungen verkauft eigentlich den meisten Gerstensaft? EY hat die Plätze in den einzelnen Zelten addiert und mit dem Gesamt-Bierkonsum (65.000 Hektoliter) verrechnet. Sieger: Hacker-Pschorr und Paulaner aus dem Hause Schörghuber!

Doch (nur) ein Fest der Bayern

EY räumt mit seiner Wiesn-Studie mit einem großen Mythos auf: Die Besucher aus aller Welt machen gerade mal ein Drittel aller Gäste aus. 72 Prozent der 6,3 Millionen aus dem Vorjahr stammen aus Bayern, neun Prozent aus dem Rest Deutschlands. Abgeschlagen: Italien (3,2), USA (2,7) und die lieben Engländer (2,3 Prozent).

Einmal auf die Wiesn macht 68 Euro

Rund 1 Milliarde Euro, besagen die Zahlen von EY, wird rund um das Oktoberfest in München verdient. 435 Millionen lassen die Gäste direkt am Fest, den Rest, etwa für Hotel und Shopping, in der Stadt.

Ausgaben pro Besucher
Zelt 22 Euro
Souvenirs 20 Euro
Fahrgeschäfte 15 Euro
Essen/Trinken/Süßes 11 Euro

150 Rikschas, 700.000 Euro

Sie gehören zum Wiesn-Bild wie die Taxis vor dem Haupteingang: die Rikschafahrer. Auch sie hat sich EY vorgeknöpft – die Daten:

  • Anzahl der Rikschafahrer: 150
  • Preis pro Kilometer: 8 Euro tagsüber und 13 Euro abends
  • Strecke, die ein Rikschafahrer pro Tag zurücklegt: 30 bis 40 km
  • Einnahmen pro Rikschafahrer am Tag: 300 bis 560 Euro
  • Gesamtsumme, die Wiesn-Gäste für Rikschas ausgeben: 700.000 Euro

Jeder, der schon mal mitgefahren ist, hat sich über die intransparente Preispolitik der Rikschafahrer geärgert. Doch weil sie – anders als Taxis – nicht unter das Personenbeförderungsgesetz fallen, setzt jeder Fahrer den Preis selbst fest.

Die WC-Wartezeiten

Wer viel trinkt, der muss auch mal auf die Toilette. Und da kommt es oft zu langen Warteschlangen. EY hat errechnet, dass es auf der Wiesn 1080 Kloschüsseln gibt und für die Männern noch mal 850 Meter Pissoirs. Das reicht natürlich bei Weitem nicht: Die Buam warten zu Stoßzeiten neun Minuten, die Madln sogar 15.

Stefan Dorner

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