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Käfer Wiesn-Schänke: In der berühmtesten Alm der Stadt

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Schöne Aussichten: Wirtin Clarissa Käfer kredenzt Hüttenzauber.

München - In ihrer Wiesn-Serie geht es bei der tz heuer um Frauen-Power auf der Wiesn. Wir besuchen die starken Frauen in den Wirtefamilien. Heute erzählt Clarissa Käfer, warum sie sich schon wieder narrisch auf die Wiesn freut und ihr Kalender oft noch voller ist als der ihres Mannes.

Für die Käfer-Dynastie ist es heuer schon die 45. Wiesn. Aber auch die Frau an Michael Käfers Seite feiert in diesem Jahr ihr ganz persönliches Jubiläum. Denn seit ihrer Hochzeit 2007 mischt die gelernte Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin nun schon zum zehnten Mal als Wirtin mit.

Wirtschaft und Prüfen? Das könnte bei Clarissa Käfer nicht besser passen. Durch die Arbeit im Käfer-Imperium kann sie ihre Vergangenheit mit der Gegenwart perfekt verknüpfen. „Ich fühle mich eher mit Zahlen verbunden“, erzählt sie beim Treffen in der – noch nicht ganz fertigen – Wiesn-Schänke. „Von der Gastronomie hatte ich ja zunächst wenig Ahnung. Dabei ist das so ein leidenschaftliches Gewerbe. Heute bin ich mit Leib und Seele Wirtin.“

Hände schütteln, sich um das Personal kümmern, für den Gast da sein – was Clarissa Käfer daran so liebt? „Man kann die Leute glücklich machen. Da spüre ich das Adrenalin richtig. Und wir sehen den Erfolg sofort“, erklärt die zweifache Mutter mit einem Strahlen in den Augen.

Menschen bewirten und glücklich machen – dieses Ziel hat sich die Familie stets auf die Fahne geschrieben, allen voran der im Mai 2015 verstorbene Gastro-König Gerd Käfer († 82). „Ihm haben wir das alles zu verdanken“, betont Clarissa Käfer. „Er war ein Visionär, hat viel gewagt und hatte brillante Ideen. Er wird immer in unseren Erinnerungen sein.“

Auch wenn nun Michael Käfer das Zepter schwingt: Hinter jedem Mann steht eine starke Frau. Clarissa Käfer verantwortet Personal und Finanzen, fühlt sich aber im Hintergrund wohler. „Und wir haben noch Powerfrau Susanne Geimann an unserer Seite, die seit 20 Jahren als Betriebsleiterin den Laden voll im Griff hat.“

Wird der ganze Wiesn-Trubel nicht auch mal zu viel? „Auf keinen Fall“, meint Clarissa Käfer. Schon vor ihrer Ehe ging sie gerne aufs Oktoberfest, liebt Dirndl seit ihrer Kindheit. „Als ich mein Steuerberater-Examen gemacht habe, konnte ich nicht auf die Wiesn gehen“, erinnert sie sich. „Das war nicht einfach.“ Auch einen Studien-Aufenthalt in China hat sie wegen der Wiesn früher beendet.

Und natürlich ging sie zum Feiern damals schon am liebsten in die Käfer Wiesn-Schänke. „Da kannten wir uns aber noch nicht persönlich. 2006 haben wir uns sogar noch gesiezt, ein Jahr später waren wir verheiratet.“ Zu verdanken haben die Käfers ihr Liebesglück übrigens Musikmanager Monti Lüftner († 77), der 2009 auf tragische Weise ums Leben kam. „Er hat uns verkuppelt.“

Clarissa Käfer (M.) mit Mann Michael und Susanne Geimann, die seit 20 Jahren Betriebsleiterin des Zelts ist.

Bei den Käfers läuft’s im wahrsten Sinne des Wortes. Clarissa verrät: „Wir halten uns mit Laufen fit. Im März waren wir in New York beim Halbmarathon.“ Und wer hatte die Nase vorn? „Ich war schneller“, gesteht sie ein bisserl bescheiden: „Aber auch Michael hat sich gut geschlagen.“ Um die nötige Kondition für den bevorstehenden Wiesn-Marathon muss man sich bei den Käfers jedenfalls keine Sorgen machen.

Käfer Wiesn-Schänke: Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,60 Euro

Die Brauerei: Paulaner

Halbes Hendl mit hausgemachtem ­Kartoffel-Gurken-Salat: 16,80 Euro

Schmankerl: Frisch gegrillte 1/2 bayerische Frühmastente mit Käfer-Kartoffel­knödel, Apfelkompott mit Calvados, ­Blaukraut und kräftiger Entensoße für 35 Euro, Mittagsmenü für 22,50 Euro

Sitzplätze: 1383 Plätze in der Schänke, 200 Plätze im überdachten Freisitz, 1900 Gärtenplätze

Raucher: Es gibt Raucherbereiche im Garten und auf drei Außenbalkonen

Musik: Im Erdgeschoss: Martl Sax Band (mittags), Speedos und Dreirad (abends). Im Obergeschoss: Hansi’s Käferband (mittags) und Gerry & Gary (abends)

Neu: Das diesjährige Thema ist Heimat und greift das 45. Jubiläum der Käfer Wiesn-Schänke auf. Die legendären ­Sammel-Haferl gibt’s auch mit „I love Käfer“-Jubiläums-Motiv. Küchenchef ­Andreas Schinharl gibt inzwischen auf seiner Speisekarte vegetarischen und ­veganen Gerichten mehr Raum.

Käfer Wiesn-Schänke: Die Wirte-Familie

Die Käfers haben heuer einen Grund zum Feiern. Seit 45 Jahren steht das urige Bauernhaus nun schon auf der Wiesn. Die Käfer Wiesn-Schänke ist längst eine Institution. Visionär Gerd Käfer († 82) ließ 1971 in einer winzigen Vorlaufzeit von nur zwei Monaten eine Almhütte mit 40 Sitzplätzen bauen. In den ersten beiden Jahren stand die Schänke neben dem Schottenhamel-Zelt. 1973 zogen die ­Käfers dann an den Platz unterhalb der Bavaria. Längst hat Sohn Michael Käfer das Ruder übernommen. Schon mit 16 Jahren war er in der Wiesn-Schänke aktiv. Er und seine Frau Clarissa kümmern sich leidenschaftlich um ihre Gäste. Für die kommende Generation stehen die Söhne Nikolas und Raphael bereit.

Wiesn-Serie: Die Festzelte auf dem Oktoberfest

In unserer Serie begleiten wir die starken Frauen in den Wiesn-Zelten.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
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Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
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Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

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