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111 Jahre Wiesn-Tradition: Die Fischer-Vroni

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Die Fischer-Vronis: Monika (l.) und Melanie Stadtmüller.

München - Monika Stadtmüller und ihre Tochter Melanie erzählen, wie die Familie das Zelt ganz behutsam modernisiert hat. Wir begleiten die starken Frauen in der Fischer-Vroni.

Als sie 15 Jahre alt war, ist Monika Stadtmüller zum ersten Mal in der Fischer-Vroni gewesen. Damals hieß Monika noch nicht Stadtmüller und ihr Schulfreund Hans Stadtmüller (heute 53) hatte sie auf die Wiesn ausgeführt. „Ich weiß noch, dass wir Schweinswürstl gegessen haben und ich mich sehr gewundert habe, warum wir nichts zahlen müssen“, sagt Monika Stadtmüller. Erst da versteht sie, dass der Hans wohl irgendetwas mit der Fischer-Vroni zu tun haben muss.

Hans Stadtmüllers als Fischer-Vroni bekannte Mama Evi Stadtmüller (M.) beim Fischbraten

Obwohl sie das Herz eines Wiesnwirtesohns erobert hat, lernt Monika Stadtmüller (52) den Beruf der Friseurin. Und hilft seit 30 Jahren als erfahrenste Kraft im Zelt mit, genau wie Tochter Melanie (28), die auch gelernte Friseuse ist und heute das Jagdschlössl führt. „Wenn Not am Mann ist, dann sind wir auch an der Schänke oder beim Steckerlfisch. Aber meist findet man uns im Büro“, sagt Melanie Stadtmüller. Im Büro landen auch die Verletzten. Ab 16 Uhr sind Sanitäter im Zelt, wer zuvor von der Bierbank kippt, kriegt im Büro ein Kühlpad und tröstende Worte.

Wiesn-Zelt Fischer-Vroni: Mit Tradition in die Moderne

Auch wenn die Stadtmüller-Damen im Hintergrund tätig sind, treffen sie natürlich alle wichtigen Entscheidungen mit. Das hat Tradition bei den Stadtmüllers: Die berühmten Fischer-Vronis Evi Stadtmüller und Anita Schmid hatten das Zelt von ihren Eltern übernommen. Ihre Mutter Phillipine hatte das Zelt ab 1958 allein geführt, nachdem ihr Mann gestorben war.

Bis in die 80er Jahre trugen die Bedienungen der Fischer Vroni die berühmten Holländer-Hauben. Die haben Melanie und Monika Stadtmüller abgeschafft – zu unbequem, zu unpraktisch. Auch die Dirndl haben sie modernisiert und der Markenkauf der Bedienungen läuft heute bargeldlos. Auch wenn die Fischer-Vroni mit ihren 111-Wiesnjahren ein Traditionszelt ist, für die Besucher fast unmerklich geht die Familie Stadtmüller mit der Zeit.

Die Wiesn ist zwar die stressigste Zeit des Jahres und mehr als fünf Stunden Schönheitsschlaf gibt‘s nicht in der Nacht, trotzdem gönnen sich die Stadtmüllers kleine Auszeiten. Dann fahren sie Wilde Maus und Rund um den Tegernsee. In die rasanten Fahrgeschäfte muss Mama Monika allein. „Ich kann alles fahren, aber am allerliebsten mag ich den Freefall Tower. Wenn das absackt, ist’s ein herrliches Gefühl“, sagt Monika Stadtmüller.

Fischer-Vroni: Auszeit in Box 4

Schon als kleines Mädchen war die später Wiesnwirtin auf dem Oktoberfest. „Wir waren drei Kinder und der Papa hat immer a Geld geben und dann sind wir mit der Mama Karussell gefahren. Stolz hab ich mein Dirndl ausgeführt und mein Handtäschchen herumgetragen.“, erzählt sie. „Als ich elf war, ist mir die in den Rund um den Tegernsee gefallen und es war recht peinlich, als die wieder rausgefischt wurde.“

Die persönliche Auszeit ihrer Tochter Melanie vom Stress ist im Zelt: In Box 4 arbeitet ihr Mann als Kellner. Bei ihm isst sie unter der Woche und erzählt, was wieder los ist, hinten im Wiesnbüro bei den Damen von der Fischer Vroni.

Die Wirtefamilie

Hans Stadtmüller (53) führt die Fischer-Vroni mit Frau Monika (52) und den Kindern Melanie und Hans. Stadtmüllers Mutter, Evi Stadtmüller, und seine Tante, Anita Schmid, waren die berühmten Fischer-Vronis. Noch 1999 feierten sie ihr 50-jähriges Jubiläum auf dem Oktoberfest. Anfang der 2000er-Jahre verstarben die Schwester jedoch innerhalb kurzer Zeit. Hans Stadtmüller übernahm – und leitet das Zelt bis heute.

Kurzporträt: Die Fischer-Vroni

Bierpreis: 10,60 Euro

Die Brauerei: Augustiner

Halbes Hendl: ohne Kartoffelsalat 11,90 Euro

Schmankerl: Fisch ist natürlich ein Muss in der Fischer-Vroni. Steckerlfisch (Makrele) mit mittlerer Breze, 100g 4,30 Euro

Günstig essen: Montag bis Donnerstag gibt’s täglich wechselnde Fischgerichte für 14,50 Euro

Sitzplätze: Innen 3150, im Biergarten 700

Raucher: Besucher finden Raucherbereiche auf der Empore und am Ostausgang 1

Musik: Seit fast 30 Jahren für die Musik in der Fischer-Vroni zuständig ist Sepp Folger. Er spielt täglich mit seinen „Münchner Musikanten“ von 12 bis 22.30 Uhr auf. Neben Wiesn-Schlagern hat er auch bayerische Musik im Repertoire.

Neu: Küchenchef Martin Liebl hat eine extra Speisekarte für Kindergerichte. Zum Beispiel gibt’s einen kleinen Schweinsbraten mit Knödel.

Wiesn-Serie: Die Festzelte auf dem Oktoberfest

In unserer Serie begleiten wir die starken Frauen in den Wiesn-Zelten. Im Hackerzelt waren wir auch schon.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
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Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
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Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
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Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
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Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
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Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

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