tz-Wiesn-Serie

Die Frau mit dem Selbstgebrannten im Hofbräuzelt

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Silja Schrank-Steinbger und ihr Bruder Ricky.

München - In unserer diesjährigen tz-Serie stellen wir Ihnen die Damen vor, die in den Wiesn-Zelten das Sagen haben. Heute an der Reihe: Silja Schrank-Steinberg aus dem Stüberl vom Hofbräuzelt.

Ein Fläschchen mit klarem, selbstgebranntem Zirbenschnaps hat Silja Schrank-Steinberg immer im Stüberl vom Hofbräuzelt. Wenn die Wirtin ein paar Minuten Zeit hat, kommt sie zu Alois Altmann und seinen Isarspatzen auf die Bühne, jeder aus der Kapelle trinkt einen Selbstgebrannten und Silja Schrank-Steinberg (44) schaut auf die Biertischreihen, „wo der Punk abgeht,“ wie sie‘s selbst ausdrückt. 

Silja als Münchner Kindl.

Als Gast war die Hofbräu-Festzelt-Wirtin noch nie auf der Wiesn. Ihr Opa war der Wirt vom Wienerwald Zelt. Mit süßen sieben Jahren stand die kleine Silja mitten im Zelt, streckte die Arme aus und verkündete theatralisch „Ich will Wiesnwirtin werden!“ Als junge Frau war sie dann drei Jahre lang Münchner Kindl.

Seitdem hat sie jedes Jahr auf der Wiesn gearbeitet, in der Küche, am Krugstandl, im Büro. Außer 2001 – da kam am 23. September, das war der erste Wiesnsonntag – ihr Sohn Niclas auf die Welt. Am Mittwoch danach fuhr sie in der Früh mit dem Auto zur Wiesn, parkte bei der Paulskirche und schaute auf ein Hendl im Hofbräu-Festzelt vorbei. „Schon beim Geruch im Zelt war ich glücklich und als ich mit meiner Familie im Stüberl saß, wo wir immer zammen kommen und mein Hendl gegessen habe, da war ich im Himmel.“ 

Zum Geburtstag von Niclas nimmt sie sich immer die Zeit um mit Niclas, seiner elf Jahre alten Schwester und ihren Freunden am Nachmittag raus auf die Wiesn zu gehen – Karussell fahren. „Achterbahn kann ich von morgens bis abends fahren. Aber wenn sich was dreht, dann wird mir ganz flau im Magen.“ 

Das Wichtigste: Tradition und Familie

Während der Wiesn bleibt ihr Mann daheim und kümmert sich um Kinder und Haushalt. Wenn sie kurz vor Mitternacht nach einem sehr langen Arbeitstag heimkommt, muss sie erstmal ihrem Mann erzählen, was auf der Wiesn los war: Vom Proseccofrühstück, zu dem sie jedes Jahr die Wiesndamen einlädt. Vom Standkonzert zu Füßen der Bavaria, bei dem sie im vergangenen Jahr dirigieren durfte. Von der Bedienung, mit der sie im Stüberl gebetet hat, weil‘s der Mutter nicht gut ging. Von der Arbeit im Büro, wo sie die Reservierungen macht und die Abrechnung. Von den Herzerln, die immer weniger werden im Büro. Das ist eine Tradition, die der Opa eingeführt hat. Schokoschaumküsse und Herzl hat der an seine Mitarbeiter, Stammkunden und an die Familie verteilt.

Tradition und Familie ist das wichtigste für die Steinbergs: Silja Schrank-Steinberg und ihr Bruder Ricky haben ein enges Verhältnis zu den Eltern. Jeden Tag wird telefoniert, Whats App geschrieben und wenn Wiesn ist, dann genießen sie es besonders, dass sie alle zammen sind. Ein gemeinsames Essen am Tag gibt‘s im Stüberl, Probleme werden immer miteinander besprochen und Entscheidungen gemeinsam gefällt. 

Auch zu den vielen Mitarbeitern hat die Familie ein enges Verhältnis. Am letzten Wiesntag verabschieden sich die Steinbergs persönlich von jedem einzelnen. So kommt‘s auch, dass eine Mitarbeiterin Silja Schrank-Steinberg einen Herzenswunsch erfüllt: Die Enkelin von Edi Eckl vom Shocker hat Veranstaltungskauffrau bei den Steinbergs gelernt. Mit ihr durfte Silja Steinberg zu Fuß durch den Shocker laufen. „Ich wollte mir das immer in Ruhe anschauen und dachte, wir gehen da im Hellen durch. Aber es war dunkel und der Edi hat all die Monster mit dem Fuß betätigt.“ Zum Dank gab‘s einen Krug vom Hofbräuzelt für die Eckls. 

Die Wirtefamilie

Die Familie Steinberg leitet das Hofbräuzelt seit 1980. Silja (44) und Ricky (46) Steinberg führen die Hauptgeschäfte im Zelt. Ihr Vater Günter Steinberg (77) hat ursprünglich Kaufmann gelernt. Im Mai 1970 wechselte er den Job, nachdem er Margot Jahn (67), Tochter des Wienerwald-Begründers Friedrich Jahn geheiratet hatte. Noch im selben Jahr übernahm die Familie das 400 Plätze große Wienerwald Zelt auf dem Oktoberfest. Zehn Jahre später führten sie das Hofbräuzelt und stiegen damit in die Riege der großen Wiesnwirte auf. 

Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,60 Euro

Brauerei: Hofbräu

Halbes Hendl: 10,70 Euro

Schmankerl: Spareribs (14,50 Euro)

Das Hofbräu-Festzelt bei der Wiesn 2015 von Innen.

Günstig essen: Wechselnder Mittagstisch von Montag bis Freitag (außer Feiertag) von 10.30 bis 14.30 Uhr für 8,50 Euro, zum Beispiel Rinderroulade Hausfrauenart mit Essiggurkerl und Speck gefüllt, mit Rotweinsoße und Kartoffelpüree

Sitzplätze: 7500 innen, 3000 im Biergarten

Raucher: Für die Raucher gibt’s Stempel, Einlass über den Reservierungseingang beziehungsweise zwei weitere Türen

Musik: Die Kapelle Alois Altmann und seine Isarspatzen, die von 11 bis 22.30 Uhr in unterschiedlichen Besetzungen aufspielen

Spezial: Kindergerichte an den Familientagen im abgesperrten Bereich auf dem rückwärtigen Balkon

Neu: Die Boxen auf der Südseite sind besser ausgestattet. 18 Kameras im Festzelt und mehr Security-Personal sorgen für Sicherheit.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
Oktoberfest Zelt-Vergleich
Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
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Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
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Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
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Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
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Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
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In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
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Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
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Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
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Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
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Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
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Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
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Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

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