„Geht’s raus und genießt das Fest“

Wiesn: Politiker und Polizei warnen vor Panikmache

„Wir konnten nicht so tun, als wäre nichts passiert.“Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD)

München - Die Stadt hat einen Sicherheitsexperten engagiert, der die 450 Wiesn-Ordner in der Gefahren- und Terrorabwehr schulen soll. Gleichzeitig warnen Politiker und Polizei vor Panikmache. Unterdessen wirft CSU-Stadtrat Richard Quaas Regine Sixt, die 1400 Plätze im Marstall-Zelt storniert hatte, „schäbiges Verhalten“ vor.

Gehen wir oder gehen wir nicht? Das ist heuer die Frage. Das Oktoberfest 2016 löst bei vielen ein mulmiges Gefühl aus – obwohl den Sicherheitsbehörden keine konkreten Anschlagsdrohungen vorliegen, wie diese mantrahaft betonen. Am Mittwoch billigte der Stadtrat das neue Sicherheitskonzept für die Wiesn – einstimmig. Neben hunderten Polizeibeamten sollen 450 Ordner die Besucher schützen, 100 werden an den Zugängen stehen und Taschen- und Personenkontrollen durchführen.

Das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) als Veranstalter der Wiesn hat extra einen Sicherheitsexperten engagiert, der auf „Gefahrenabwehr“ spezialisiert ist, wie Hans Spindler vom RAW im Stadtrat berichtete. Der Experte soll den Ordnern bei zwei Lehrgängen vermitteln, wie man verdächtiges Verhalten von Besuchern erkennen kann. Hundertprozentigen Schutz werden die Maßnahmen nicht bieten können, ergänzte Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD). „Es geht darum, den Schutz zu erhöhen.“ Sonja Haider (ÖDP) forderte die Stadt auf, „den Bürgern zu sagen, dass es keine Sicherheit geben kann“. Vor den Eingängen auf das Festgelände würden sich „Trauben von Menschen“ sammeln. „Was ist mit dem Risiko dort?“, fragte Haider. Lydia Dietrich (Grüne) sprach den Zaun an, der den westlichen Teil der Festwiese abriegeln soll. „Was passiert, wenn eine Panik ausbricht?“ Böhle verwies darauf, dass der Zaun in 46 Sekunden geöffnet werden könne, da es sich um ein flexibles Modell handle.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verteidigte das Sicherheitskonzept. „Ich glaube, es ist die richtige Entscheidung. Wir konnten nicht so tun, als wäre nichts passiert.“ Bei der Umsetzung werde es sicher den einen oder anderen „Holperer“ geben, sagte Reiter. Ob sich am Charme der Wiesn etwas ändern wird? „Darüber kann man philosophieren.“ Der OB forderte alle Beteiligten auf, gelassen zu bleiben. Dem schloss sich Wiesn-Chef und 2. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) an. „Wir haben alles dafür getan, für größtmögliche Sicherheit auf der Wiesn zu sorgen. Es gibt also keinen objektiven Grund, einem Wiesnbesuch ängstlich entgegenzusehen“, sagte Schmid unserer Zeitung. Sein Appell an alle Münchner: „Geht’s raus auf die Wiesn und genießt das Fest. Wir dürfen uns nicht von Fundamentalisten unsere Art des Lebens kaputt machen lassen. Denn dann hätten die ihr Ziel bereits erreicht.“

Lesen Sie hier einen Kommentar von Merkur-Redakteur Uli Lobinger: "Die Wiesn und die Angst"

Vor unangebrachter Angst warnte am Mittwoch auch Polizeipräsident Hubertus Andrä: „Aus polizeilicher Sicht besteht derzeit keine Veranlassung, von einem Wiesn-Besuch Abstand zu nehmen“, sagte er unserer Zeitung. „Aus diesem Grund nehme ich die bekannt gewordenen Absagen mit Bedauern zu Kenntnis.“ Nach wie vor würde den Sicherheitsbehörden kein Hinweis auf eine konkrete Anschlagsgefahr während des Oktoberfestes vorliegen. „Mit der latenten Gefahr leben wir jetzt schon seit vielen Jahren. Diese Situation hat sich für dieses Jahr nicht verändert“, so Andrä. Die Besucher könnten sich auf eins verlassen: „Die Polizei wird alles tun, um auch dieses Jahr wieder für die größtmögliche Sicherheit auf der Wiesn zu sorgen. Unser Sicherheitskonzept beginnt nicht erst am Einlass, sondern beinhaltet viele weitere Maßnahmen bis hin zum internationalen Informationsaustausch. Zu einer Veränderung seiner persönlichen Lebensgewohnheiten besteht kein Anlass. Man spielt nur denen in die Karten, die die Situation für ihre politischen Ziele ausnutzen wollen.“

CSU-Stadtrat Richard Quaas machte derweil auf Facebook seinem Ärger über die Absage der „Damenwiesn“ Luft. Unternehmerin Regine Sixt hatte 1400 Plätze im Marstall-Zelt storniert. Begründung: Sicherheitsbedenken (wir berichteten). Quaas schrieb dazu auf Facebook: „Schäbig, die sogenannte ’feine’ Gesellschaft verdrückt sich in die Büsche.“ Der CSU-Politiker kritisierte, durch solche Entscheidungen die Angst noch „anzuheizen“. Er verwies auf den angelsächsischen Raum. Dort erkenne „gerade diese Gesellschaftsschicht“ ihre Vorbildrolle an. Quaas: „Da gibt’s kein Kneifen, diese Menschen stehen und verbreiten Zuversicht!“

Wiesn nostalgisch: Die schönsten Bilder von früher

Promi-Alarm anno 1997: Alexander Klaus-Stecher, Rudolf Moshammer, Ramona Leiß, Wolfgang Fiereck beim Radio Arabella-Stammtisch. © Markus Schlaf
Mittlerweile auch Wiesn-Geschichte: Das Hippodrom. © Markus Schlaf
Der Hammel vom Schottenhamel ist bei diesen Herren sicher in guten Händen. © Markus Schlaf
Brezn sind sein Geschäft: Ein Verkäufer auf der Wiesn 1997. © Markus Schlaf
Der Oberbürgermeister dirigiert: Christian Ude beim Standkonzert der Wiesnkapellen 1997. © Markus Schlaf
Mei liab: Da hat aber jemand Spaß beim Karussell fahren.   © Markus Schlaf
Christian Ude schickt eine Mail von der Wiesn nach Sydney: Im Jahr 2000 revolutionär. © Markus Schlaf
Wiesn-Einzug 1998: Aber zu welchem Zelt gehörten diese rosa Dirndl? © Markus Schlaf
Kommet ihr Massen: Gedränge vorm Augustiner. © Markus Schlaf
Schmankerl bis zum Abwinken: Eine Bedienung im Armbrustschützenzelt. © Markus Schlaf
Her mit der Maß! © Markus Schlaf
1998 war noch mehr Föhnfrisur: Das Münchner Kindl winkt beim Wiesn-Einzug. © Markus Schlaf
Ozapft is im Jahr 1998: Der damalige Oberbürgermeister Christian Ude nebst Gattin Edith von Welser-Ude mit dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und Frau Karin. © Markus Schlaf
Willkommen auf der Wiesn: Willi Heide († 2011), langjähriger Bräurosl-Wirt und Wiesn-Wirtesprecher hoch oben auf dem 5er-Looping. © Markus Schlaf
Jedem Jahr sein skurriles Wiesn-Souvenir: Damals waren es T-Shirts mit Dirndl und Lederhosen-Aufdruck. © Markus Schlaf
Unvergessen auch der Bierfass-Hut. Der hat sich ja eigentlich bis heute gehalten. © Markus Schlaf
Alle Wiesn-Kapellen spielen beim Standkonzert - und der OB dirigiert. © Markus Schlaf
Stimmung! © Markus Schlaf
Die Touristen und ihre Ideen, diesmal: Bier aus dem Helm. Wer's mog. © Markus Schlaf
Und das? Ist das der Bierkrug vom Löwenbräu-Löwen? Eher der vom Paulaner-Turm. © Markus Schlaf
Die Hofbräu-Krone: Impression vom Wiesn-Aufbau. © Markus Schlaf
Damals noch fester Bestandteil des Oktoberfests: Poschners Hühnerbraterei beim Wiesn-Aufbau. 2015 hat das Unternehmen keine Zulassung mehr zur Wiesn bekommen.   © Markus Schlaf
Nur in einem Zelt werden die Bänke so angeordnet: natürlich im Schottenhamel. © Markus Schlaf
Impression vom Wiesn-Aufbau. © Markus Schlaf
Bier her! Die Bedienungen hatten schon immer schwer zu schleppen. © Markus Schlaf
Willi Heide, Reinhard Wieczorek und Gabi Weishäupl.   © Markus Schlaf
Voll war's auch schon vor 20 Jahren: Blick auf die Wiesn von oben in den 90er Jahren. © Markus Schlaf
Immer schön: Impression vom Wiesn-Einzug. © Markus Schlaf
Impression aus der Bräurosl. © Markus Schlaf
Damals neu: Der Freefall-Tower im Jahr 1998. © Markus Schlaf
Immer schön: Kettenkarussell-Impressionen. Bei Nacht... © Markus Schlaf
... oder bei Tag. © Markus Schlaf
Beim Rundgang zu den Wiesn-Neuheiten: Willi Heide und Gabi Weishäupl testen schon mal die heißen Bikes. © Markus Schlaf
Schottenhamel-Bedienungen beim Wiesn-Einzug. © Markus Schlaf

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