"Im ersten Jahr waren wir ganz schön aufgeregt"

Seit 27 Jahren Wiesn-Wirte im Hackerzelt: Familie Roiderer

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Christl (l.) und Janina Roiderer.

München - Das Hacker-Festzelt ist seit fast 30 Jahren in der Hand der Familie Roiderer. Wir werfen einen Blick auf die starken Frauen in dem Zelt.

Die letzten Jahre, da haben sie sich immer kurz Zeit genommen. Und sind mit ihren Männern über die Wiesn gelaufen, erzählen Christl (71) und Janina Roiderer (36). Einfach nur eine Runde, wie ganz normale Oktoberfest-Besucher. Wunderbar sei das gewesen, sagt Christl Roiderer. „Nur gefahren sind wir nichts, aus dem Alter sind wir raus.“

Zeit für sich: Die gibt es während der Wiesn für die starken Frauen des Hackerzeltes sonst wenig. Christl Roiderer ist seit dem Anfang auf dem Oktoberfest dabei. 1989 bekam die Familie den Zuschlag fürs Hacker-Festzelt. Ganz schön aufgeregt seien ihr Mann Toni und sie bei der Premiere gewesen, erinnert sich Christl.

Organisationstalent Christl Roiderer

Schöne Momente habe es seitdem viele auf der Wiesn gegeben. Etwa als Schauspieler Ottfried Fischer (62) in den Neunzigerjahren mehrmals beim Wirte-Einzug in der Kutsche der Roiderers mitfuhr. „Wenn er eingestiegen ist, sind mein Mann und ich zum Ausgleich immer auf die andere Seite gewechselt.“ Auf der Wiesn ist die 71-Jährige im Büro etwa fürs Kontrollieren der Abrechnungen zuständig. Und sie springt ein, wenn Not am Mann – oder besser gesagt – an der Frau ist.

Gut organisieren kann sie sich: Christl Roiderer hat Kontoristin gelernt, in einem Büro gearbeitet. Nach einem langen Wiesntag ist sie es auch, die mit Sohn Thomas für einen letzten Check am längsten im Zelt bleibt. „Vor Mitternacht sind wir nicht draußen.“

Auch die Schwiegertochter ist mit an Bord

Daheim wartet Thomas' Frau Janina mit Söhnchen Toni (zwei Jahre) schon auf ihren Mann. Aus dem Harz kommt sie ursprünglich, auch ihre Eltern haben zwei Gaststätten. Kennengelernt hat sie Thomas, als sie bei den Roiderers im Gasthof zum Wildpark arbeitete. Eigentlich wollte sie dort nur ein halbes Jahr reinschnuppern – daraus wurden 13 Jahre.

So lange sind die beiden mittlerweile zusammen. Vor drei Jahren hat das Paar geheiratet. „Ich habe ihn eben zehn Jahre geprüft“, sagt sie und lacht. Das erste Mal beim Wiesn-Einzug dabei zu sein, sei schon verrückt gewesen. An der Schankkontrolle und beim Bierzeichenrücklauf half Janina Roiderer das erste Jahr mit. Ihr Mann zapft im Hacker-Festzelt immer an. Früher wechselte er sich mit seinem 2011 verstorbenen Bruder Markus jedes Jahr ab.

Die Familie erwartet noch mehr Nachwuchs

Janina Roiderers bisheriges Wiesn-Highlight: ein spontaner Auftritt von Tote-Hosen-Frontmann Campino im Hackerzelt 2012. „Ein Wahnsinns-Moment.“ Außer guter Musik hilft ihr zum Ausspannen vor allem eines: Ein Spaziergang mit den Hunden Leo (8), ein Broholmer, und Mischling Liesl (5). Fast immer im Schlepptau ist Söhnchen Toni.

„Ein Herzensbub“, wie die stolze Oma Christl sagt. Ihr Hobby: Radeln. 20 Kilometer dürfen es ein paar Mal die Woche schon sein. Bald allerdings wird sie dafür weniger Zeit haben. Schwiegertochter Janina hält heuer während der Wiesn vor allem im Gasthof zum Wildpark die Stellung. Denn: Gleich nach dem Oktoberfest werden sie und Thomas zum zweiten Mal Eltern. Mädel oder Bub: Das bleibt aber ihr Geheimnis.

Oktoberfest: Der große Zelt-Vergleich

Die einen wollen es wild und laut, die anderen lieber traditionell und gemütlich. Welches Festzelt für Ihren Oktoberfest-Besuch das passende ist, erfahren Sie in unserem großen Vergleich. © dpa
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Das Armbrustschützenzelt stand schon im Jahr 1895 auf dem Oktoberfest, die Boxen und Balkone sind nach heimischen Tieren benannt: Von A wie Adler bis W wie Wildsau. Hier wird die Schützen- Tradition hochgehalten. In einem Zeltanbau gibt es eine 30 Meter lange Schießbahn, auf der seit 1935 während der Wiesn die Deutschen Armbrust-Meisterschaften stattfinden. © dpa
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Im Zelt der ältesten Münchner Brauerei feiern vor allem Münchner sich selbst und die bayerische Gemütlichkeit. Nur hier wird das Bier noch aus traditionellen Holzfässern gezapft, den Hirschen. Doch auch im Augustiner tanzt man auf den Bierbänken, die rund 6000 Besuchern Platz bieten. © dpa
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Das Pschorr-Traditionszelt Bräurosl ist nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers Pschorr benannt. Auch dort geht es weitgehend urig und gemütlich zu - mit Ausnahme des ersten Wiesn- Sonntags. Dann feiern hier tausende Homosexuelle den „GaySunday“. © dpa
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Bei der Fischer Vroni feiern gerne ältere Gäste, aber auch Touristen. In diesem vergleichsweise kleinen Zelt gibt es eine bayerische Spezialität, die sich kein Wiesn-Besucher entgehen lassen sollte: leckeren Steckerlfisch, Fisch am Stock. © dpa
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Ziemlich jugendlich ist das Publikum im Hacker-Festzelt „Himmel der Bayern“. Mit seiner weiß-blauen Decke und kleinen Wölkchen gilt es als eines der schönsten Zelte auf der Wiesn. © dpa
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Es ist eins der größten und sicherlich das lauteste Zelt: Im Hofbräu-Festzelt treffen sich vor allem Touristen aus aller Welt, die das Bier schon im Hofbräuhaus kennen und lieben gelernt haben. Hier wird getrunken, getanzt und gesungen. Aus dem Zelt dröhnt schon am frühen Morgen, bevor die Musik anfängt, Grölen über den Festplatz. © dpa
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Nirgendwo geht es exklusiver zu als in Käfer's Wiesnschänke. Fußballstars vom FC Bayern, Verona Pooth und Ralph Siegel - die Promi-Dichte ist hoch. Im Käfer-Zelt gibt es neben Bier auch Wein und Champagner. © dpa
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Ein großer Löwe über dem Eingang brüllt „Löööööwenbrääääu“ und zieht damit Einheimische und „Zuagroaste“ gleichermaßen an. Mit mehr als 8000 Plätzen gehört die Festhalle zu den größeren Zelten. Hier heißt es: Gaudi für jeden, egal woher, egal wie alt. © dpa
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Wo jahrzehntelang Promis im Hippodrom feierten, steht nun der Marstall. Vieles ähnelt im Marstall allerdings dem Vorgänger: Champagnerbar, Tischdecken und erlesene Speisekarte - vom Tartar vom Wagyu-Ochsen über Hendl und Backerl vom Milchkalb bis zum veganen Holzfäller-Tofu-Pflanzerl. Ob sich davon auch wieder Promis von Beckenbauer bis Heino anziehen lassen, muss sich erst noch zeigen. © dpa
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In der Ochsenbraterei geht es zünftig zu. Seinen Namen hat das Zelt von dem großen Ochsen am Spieß, der nicht nur Dekoration über dem Eingang, sondern auch die wichtigste Attraktion im Innern dieses Festzelts ist. Seit fast 130 Jahren werden hier jedes Jahr ganze Ochsen am Stück gebraten. Auf einer großen Tafel lesen die Gäste den Namen des Ochsen, der sich gerade am Spieß dreht. © dpa
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Zur Jubiläums-Wiesn 2010 leistete sich die Paulaner-Brauerei einen kompletten Neubau. Als erstes Festzelt bekommt das Winzerer Fähndl eine zentrale Bierversorgung: Eine Ringleitung im Boden garantiert, dass der Bierfluss nicht ins Stocken gerät. © dpa
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Im Schottenhamel wird das größte Volksfest der Welt traditionell eröffnet. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) stach dort alle Jahre wieder vor den Augen der bayerischen Politprominenz das erste Fass an, in diesem Jahr ist zum ersten Mal sein OB-Nachfolger Dieter Reiter (SPD) dran. In den Tagen nach dem Anstich strömen überwiegend junge, feierfreudige Menschen aus München und Umgebung in das Zelt. © dpa
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Auch im Schützenzelt werden urbayerische Gemütlichkeit und Feierfreude in Ehren gehalten. Zum Löwenbräu-Bier wird die Spezialität des Hauses serviert: in Malzbier gebratenes Spanferkel. © dpa
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Im Weinzelt liegt der Fokus - wie der Name schon sagt - nicht auf dem Bier. Dort gibt es kein Helles in Maßkrügen, sondern nur Weißbier, Wein und Champagner. Gesungen und gefeiert wird hier trotzdem. „Fesche Madln haben ihren Spaß an den vielen Bars und fesche Burschen an den Madln“, wirbt die Homepage. © dpa
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Zünftige Blasmusik und Alt-Münchner Schmankerl: Hier kommen traditionsbewusste Gäste auf ihre Kosten, denen Landhaus-Mode und Mini-Dirndl ein Gräuel sind. Trachtler, Schuhplattler und Goaßlschnalzer sorgen für „griabige“ (gemütlich-kernige) Stimmung. © dpa
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Zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes 2010 wurde das Herzkasperl-Festzelt in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat ins Leben gerufen. Hier gibt es eine Mischung aus Bayerischer Lebensart, Musik, Kabarett, Theater und Literatur. © Westermann

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