Teil neun der großen Wiesn-Serie

So bereiten sich die Wirte vom Hofbräuzelt auf die Wiesn vor

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Die Geschwister Silja Schrank-Steinberg und Friedrich Steinberg zeigen ihren versteckten Schatz und die passende Handy-App.

Das Hofbräuzelt auf der Wiesn wird von einem Geschwisterpaar geführt. Die Familie steht bei den Steinbergs über allem. So haben sie auch ein gemeinsames Hobby.

München - Ihr größtes Hobby führte Silja Schrank-Steinberg (45) und Bruder Ricky (47), beide Wiesnwirte im Hofbräuzelt, schon um die ganze Welt. Beim Geocaching, einer Art Schnitzeljagd mit Koordinaten, können die Geschwister gemeinsam mit ihren Familien die anstrengenden Seiten des Wiesnzirkus ausblenden. Die Eltern und Wirte-Urgesteine Günter (78) und Margot Steinberg (68) mögen es da lieber etwas ruhiger. Am wichtigsten ist für die Steinbergs sowieso die Familie. Denn ohne die geht sowohl beruflich als auch privat rein gar nichts.

„Auch und gerade im Alter muss man körperlich und geistig fit bleiben“, meint Familienoberhaupt Günter Steinberg und nimmt seine Enkel Niclas (15) und Lilly (12) in den Arm. Ja, bei den Steinbergs rührt sich was. Das merkt man, wenn man mit ihnen über die Wiesn, aber auch über ihr Leben fernab der 18 Tage im Ausnahmezustand spricht. „Das Wichtigste ist“, meint Gattin Margot, „dass wir alle gesund sind und dass wir unsere positive Lebenseinstellung behalten.“

Alle viere: Die Wirte-Urgesteine Günter (l.) und Margot Steinberg (2. v. r.) posieren mit ihren Kindern Silja Schrank-Steinberg und Friedrich Steinberg.

Seit 2010 gibt es die Stiftung „s Münchner Herz“

Was nach Schönheitsköniginnen-Rede klingt, hat bei den Steinbergs einen tieferen Sinn. Denn das Ehepaar engagiert sich seit 2010 mit ihrer Stiftung „s Münchner Herz“ für Menschen, die in ihrem Leben weniger Glück haben und denen Familienidylle fremd ist. Nächstenliebe sei der wichtigste Baustein für das eigene Glück, sind sich die Wirtsleute einig. Für die Steinbergs ist die Stiftung aber auch eine willkommene Abwechslung zum oftmals harten Alltag in der Gastronomie. „Die Stiftung hält uns auf Trab“, sagt Günter Steinberg.

Die ganz private Erholung finden die Eheleute aber in ihrem Schwimmbad. „Das ist unsere kleine Oase“, erklärt Margot. „Wir ziehen jeden Tag unsere Bahnen, wenn es das Wetter zulässt.“ Auch nach einem anstrengenden Wiesntag geht’s für die beiden noch ins Wasser. „Wir müssen ja nicht mehr so lange bleiben“, sagt Günter und zeigt auf seine Kinder. „Die Silja und der Ricky haben ja alles bestens im Griff.“

Geocaching in der Freizeit

Und wenn die Wirte-Geschwister mal abschalten müssen, werden sie erst richtig aktiv. Geocaching heißt das Abenteuer, in das sich Silja und Ricky in ihren Urlauben mit den Familien regelmäßig stürzen. Das Einzige, was man dazu braucht, ist ein Handy mit GPS-Funktion und die passende Anwendung dazu. Auf einer Karte werden versteckte Schätze in der Umgebung angezeigt. Sie zu finden, ist reizvoll, aber nicht immer ganz einfach. Oft müssen Rätsel geknackt oder natürliche Hindernisse überwunden werden. „Suchen kann man auf der ganzen Welt“, sagt Silja. Die digitale Schnitzeljagd hat die Steinbergs schon um den Globus geführt. Der westlichste Schatz war dabei in Arizona (USA) versteckt.

Für alle Interessierten: Auch im Biergarten der Steinbergs im Hofbräukeller am Wiener Platz ist ein solcher Schatz verborgen…

Alles fürs Geocaching: Die Box mit der Ausrüstung für die digitale Schnitzeljagd enthält Taschenlampe, Spiegel und Magneten.

Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,90 Euro

Brauerei: Hofbräu

Halbes Hendl: 10,90 Euro

Schmankerl: Spareribs (16,50 Euro)

Günstig essen: wechselnder Mittagstisch von Montag bis Freitag (außer Feiertag) von 10.30 bis 14.30 Uhr für 8,50 Euro, zum Beispiel Rinderroulade Hausfrauenart mit Essiggurkerl und Speck gefüllt, mit Rotweinsoße und Kartoffelpüree.

Sitzplätze: 7500 Plätze im Zelt, 3000 im Biergarten

Raucher: Für die Raucher gibt’s Stempel, Einlass über den Reservierungseingang beziehungsweise zwei weitere Türen.

Musik: Die Kapelle Alois Altmann und seine Isarspatzen, die von 11 bis 22.30 Uhr in unterschiedlichen Besetzungen aufspielen.

Neu: auch täglich zwei Kinderessen, z.B. ein Paar Wiener Würstl mit Kartoffelsalat (4,50 Euro) oder ein Viertel Hendl mit Semmel (4,50) und eine Limo (3,50 Euro).

Die Wirtsfamilie

Die Familie Steinberg leitet das Hofbräuzelt seit 1980. Silja Schrank-Steinberg (45) und Bruder Friedrich „Ricky“ Steinberg (47) führen die Hauptgeschäfte im Zelt. Ihr Vater Günter Steinberg (78) hat ursprünglich Kaufmann gelernt. Im Mai 1970 wechselte er den Job, nachdem er Margot Jahn (68), Tochter des Wienerwald-Begründers Friedrich Jahn geheiratet hatte. Noch im selben Jahr übernahm die Familie das 400 Plätze große Wienerwaldzelt auf dem Oktoberfest.

Zehn Jahre später führten sie das Hofbräuzelt und stiegen damit in die Riege der großen Wiesnwirte auf. Zählt man die Plätze im Biergarten dazu, bewirten die Steinbergs auf der Wiesn gleichzeitig über 10.000 Menschen. Übrigens: Auch im ­Hofbräuzelt können Sie mit etwas Glück spontan für die Wochenenden einen Tisch ergattern. Ricky Steinberg: „Einfach am Tag vorher anrufen!“

Gestatten, Familie Steinberg: Seit 1980 ist das Hofbräuzelt in ihrem Besitz.

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So stemmen wir die Wiesn

Teil 1 der Serie: So bereitet sich die Wirtin vom Löwenbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 2 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Weinzelt auf die Wiesn vor

Teil 3 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Traditionszelt auf die Wiesn vor

Teil 4 der Serie: So bereitet sich die Wirtin der Ochsenbraterei auf die Wiesn vor

Teil 5 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Armbrustschützenzelt auf die Wiesn vor

Teil 6 der Serie: Darum sind Hobbys der „Schönheitskönigin“-Wirte hilfreich für Vorbereitung

Teil 7 der Serie: Brüderliche Sportskanonen - Mathias und Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt

Teil 8 der Serie: 

Der Gipfelstürmer Thomas Vollmer von der Augustiner-Festhalle

Johannes Heininger

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