Betrieben von Familie Schottenhamel

Das älteste Zelt der Wiesn feiert 150-jähriges Jubiläum

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Der erste Wiesn-Wirt der Familie ab 1867 war Michael Schottenhamel I. Seit 1919 heißt das Zelt „Festhalle Schottenhamel“, vorher unter anderem „Schützen-Wirth“.
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Die heutigen Wiesn-Wirte Michael F. Schottenhamel (l.) mit Frau Maria und Cousin Christian mit Frau Johanna.
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Das Hotel Schottenhamel (heutiger Elisenhof).
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Seit 1950 zapft der OB im Schottenhamel-Zelt an. Hier Hans-Jochen Vogel (l.), auf dem Fass sitzt Christian Schottenhamel als Bub.
Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
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Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
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Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
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Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.
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Impressionen von der Eröffnung der Sonderausstellung „150 Jahre Schottenhamel“ im Oktoberfestmuseum.

München - Im Jahr 1867 stellte der Schreiner Michael Schottenhamel eine kleine Holzbude auf der Theresienwiese auf. Die Familie ist noch heute da und betreibt das älteste Zelt auf dem Oktoberfest. Eine Ausstellung zeigt unter anderem, wie das berühmte Anzapf-Ritual entstand.

Update vom 13. Juli 2017: Wie komme ich am besten - und vor allem stressfrei - zur Wiesn? Wir haben für Sie zusammengefasst, wo und an welcher Haltestelle Sie beim Oktoberfest 2017 aussteigen können.

Es ist das Jahr 1950, und Münchens damaliger Oberbürgermeister Thomas Wimmer und sein Kumpel Michael Schottenhamel II. hecken gemeinsam etwas aus. Der „Wimmer Damerl“, wie er von den Münchnern genannt wird, soll im Schottenhamel-Zelt das erste Wiesn-Fass anzapfen. Was zunächst eher ein Familienevent ist, ändert sich, als das Bayerische Fernsehen das Ritual ab 1984 überträgt. Heute ist die Schottenhamel-Festhalle das bekannteste Zelt auf der Wiesn.

Seit 1950 zapft der OB im Schottenhamel-Zelt an. Hier Hans-Jochen Vogel (l.), auf dem Fass sitzt Christian Schottenhamel als Bub.

Die Anzapf-Geschichte zeigt, warum die Schottenhamels eine der erfolgreichsten Wirte-Familien der Stadt sind. „Sie waren immer offen für Neues und hatten Geschäftssinn“, sagt Amadeus Danesitz. Der 56-Jährige hat eine Chronik über die Familie anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Schottenhamels auf der Wiesn geschrieben. Eine Sonderausstellung im Bier- und Oktoberfestmuseum zeigt ab Samstag, wie sich das älteste noch bestehende Zelt entwickelt hat.

„Einmal im Jahr schaut die ganze Welt zum Schottenhamel“, sagte OB Dieter Reiter (SPD) gestern bei der Ausstellungseröffnung. Er gratulierte den Schottenhamels zu „Kontinuität und Qualität“.

Der erste Schottenhamel-Wiesn-Wirt duzte den Prinzregenten

Der Legende nach zapfte Wimmer auf Anregung Schottenhamels ganz spontan in dessen Zelt an. Stimmt nicht, kann Danesitz belegen: Das Anzapfen 1950 war vorher in der Zeitung angekündigt worden. Michael II. war der zweite Wiesn-Wirt der Familie. Der Pionier war Vater Michael I. Der Oberpfälzer Schreiner stellte 1867 eine Bretterbude für 50 Personen auf der Theresienwiese auf. Schon der Gründer der Dynastie war bestens mit der Münchner Gesellschaft vernetzt. So durfte Michael I. den Prinzregenten Luitpold von Bayern duzen. 

Und Luitpold trank sein Bier auch gerne mal aus einem großen Humpen. Drei bis vier Liter Bier fassten diese Krüge, die es damals auch auf dem Oktoberfest gab. Seit 1919 trägt das Zelt den Namen „Festhalle Schottenhamel“. Zuvor hieß es „Schützen-Wirth“, „Schützenwirthschaft von Michael Schottenhamel“ oder auch „Franziskaner-Leistbräu-Bierhalle“.

Das Hotel Schottenhamel (heutiger Elisenhof).

Die Schottenhamels waren die Ersten mit elektrischem Licht im Zelt. Die Ersten, die Plastikgeld für die Bedienungen einführten. Die Ersten in München, die in ihrem Schottenhamel Hotel (beim heutigen Elisenhof) fließend warmes und kaltes Wasser auf den Zimmern anboten.

1931 retteten die Schottenhamels fast im Alleingang das Oktoberfest, wie Chronist Danesitz erzählt: Fast alle Brauereien stritten mit der Stadt wegen einer Erhöhung des Platzgelds um 50 Prozent – und wollten die Wiesn boykottieren. Die Schottenhamels bezahlten als Einzelpersonen mit zwei übriggebliebenen Brauereien eine beachtliche Summe. Die Stadt konnte das Fest durchführen. Seit dieser Zeit ist das Zelt der Familie brauereifrei.

Max Schottenhamel im Einsatz gegen die Nazis

Heute führen das Wiesn-Zelt die Cousins Michael (60) und Christian Schottenhamel (54). „Der Pioniergeist setzt sich bis heute fort“, sagt Danesitz. Christian Schottenhamel etwa habe dem Löwenbräukeller neues Leben eingehaucht. Sein neuestes Projekt: der Nockherberg, denn aus dem Löwenbräukeller muss er raus.

Die heutigen Wiesn-Wirte Michael F. Schottenhamel (l.) mit Frau Maria und Cousin Christian mit Frau Johanna.

Viele der Schottenhamels sammelten Erfahrung im Ausland. Christians Vater Max etwa lebte ab 1936 in den USA. 1943 trat er in die Armee ein und arbeitete im militärischen Informationsdienst der Amerikaner gegen die Nazis. Dort war er als Anwalt und Dolmetscher tätig, unter anderem bei den Nürnberger Prozessen. Als sein Bruder Richard 1951 starb, ging Max zurück nach München. Er leitete das Wiesn-Zelt abwechselnd mit seinem Bruder Hans – dem Vater von Michael F. und Peter Schottenhamel (bis 2010 Wiesn-Wirt). Bierlieferant im Zelt war immer Spaten. Nur eine Ausnahme gab es: Nach dem Krieg war die Brauerei so zerstört, dass Hofbräu einige Jahre aushalf.

Die Sonderausstellung

„150 Jahre Festhalle Schottenhamel auf dem Oktoberfest“ ist ab Samstag bis 24. Februar 2018 im Bier- und Oktoberfestmuseum zu sehen (Sterneckerstraße 2, Eintritt 4 Euro): dienstags bis samstags von 13 bis 18 Uhr. Die Chronik von Amadeus Danesitz über die Familiengeschichte ist noch nicht käuflich zu erwerben.

Ramona Weise

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