Teil elf der großen Serie

So holt Winzerer-Fähndl-Wirt Pongratz Schwung für die Wiesn

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Golf-Training im noch leeren Festzelt: Peter Pongratz.

Peter Pongratz, Wirt vom  Winzerer Fähndl, spielt Golf und Tennis, außerdem fährt er Ski. Wenn er so richtig entspannen will, widmet er sich aber seinen geliebten Briefmarken.

München - Seine Hobbys hat sich Peter Pongratz nicht selbst ausgesucht. Sie kamen zu ihm. „Da gehst halt mal mit deinen Freunden mit – und dann bist dabei“, sagt der Wirt des Winzerer Fähndls. Etwa beim Golfen: Seit 20 Jahren schon schwingt Pongratz, der heuer seinen 70. Geburtstag feierte, den Schläger. Bekannte sagten, er müsse jetzt wirklich auch mal spielen. Also stieg der Wirt ein. Auf einer Kur im niederbayerischen Bad Füssing machte er seine Platzreife.

Pongratz ist der geborene Gastgeber. Lieblingsgeste: Weit ausgebreitete Arme. Meist braun gebrannt wie ein Skilehrer. Immer bussi-bereit. Und das, obwohl er, anders als viele seiner Wirte-Kollegen, aus keiner Gastro-Dynastie stammt: Seine Mutter war Sekretärin, sein Vater Beamter.

Seit dem Jahr 2004 ist Pongratz Wiesn-Wirt, führt unter dem Jahr die schicke Grünwalder Einkehr, die auch prominente Gäste gerne besuchen. Viele Münchner kennen ihn als Chef des durch den Salvator-Anstich bekannten Nockherbergs. Ende April nahm Pongratz nach 27 Jahren Abschied von der Traditionsgaststätte. Er wollte mehr Zeit für seine Familie haben. Und für seine Hobbys. Neben dem Golfen fährt der Fähndl-Chef auch gerne Ski, seit Jugendtagen spielt er Tennis. Für alle Hobbys gilt: „Ich bin überall nicht der Obermeister – die Bewegung ist für mich das Schöne.“ Das nimmt Pongratz, ganz Profi-Bespaßer, locker. Obwohl manchmal, da freut es ihn schon diebisch, wenn er beim Tennis immer wieder kurz, lang, kurz, lang spielt. Denn, wie jeder mit ein bisserl Schadenfreude Gesegnete weiß: „Da geht dem Gegner richtig schön die Luft aus.“

„Sonst wirst du als Gastronom so dick“

Seine Hobbys teilt Pongratz mit seiner Frau Arabella (50) und den gemeinsamen Kindern Alexander (18) und Ramona (20). Im Urlaub spielen sie zum Beispiel Tennis. Das mit dem Sport sieht Pongratz pragmatisch. Der müsse sein. „Sonst wirst du als Gastronom so dick. Ich muss mit den Kunden schließlich immer mitessen.“

Ins Schwärmen gerät der Fähndl-Chef, wenn er über eine vierte Leidenschaft spricht. Seine „lieben Briefmarken“. Seit mehr als 60 Jahren sammelt Pongratz, sein Großvater hat ihn zu dem Hobby gebracht. Im Alter von acht Jahren bekam der kleine Peter eine Grundausstattung geschenkt. Später spezialisierte er sich auf bayerische Briefmarken zwischen 1849 und 1918. Um die 5000 Stück habe er mittlerweile sicher, sagt Pongratz. Vor allem Marken auf Briefen sammelt er. „Das Historische interessiert mich: Wer hat den Brief abgeschickt und wohin ging er?“

In Sammlerkreisen ist es kein Geheimnis, dass Pongratz ein Briefmarkenfreund ist. Und deswegen bringen ihm ab und zu auch Leute einfach Marken vorbei, erzählt er. Ein Fund würde ihn besonders freuen: ein Ersttagsbrief. Also ein Brief, der am ersten Gültigkeitstag der verwendeten Briefmarke abgestempelt wurde. Darauf: ein „schwarzer Einser“. Das ist die älteste Briefmarke des Königreichs Bayern und die erste im heutigen Deutschland herausgegebene Briefmarke.

Die Chance scheint gering: Bis dato wurde nur ein Brief mit der Marke diesen Datums gefunden. Vielleicht aber schlummert auf irgendeinem Dachboden noch ein Schatz. Bereit zum Heben durch einen gewissen Pongratz, Peter.

Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,95 Euro

Die Brauerei: Paulaner

Halbes Hendl: 11,70 Euro

Schmankerl: Portion Spanferkel im Ofen knusprig gebraten, serviert mit Wiesnbiersoße und Kartoffelknödel für 26,50 Euro oder Käse-Krautspätzle mit geschmolzenen braunen Zwiebeln für 12,90 Euro

Günstig essen: Mittagsschmankerl Montag bis Donnerstag (11 bis 15 Uhr), zum Beispiel Krustenwammerl mit Bierkraut und Kartoffelknödel für 13,90 Euro. Dienstag ist Familientag: Gebackenes Kinderschnitzel mit Kartoffelsalat 9,95 Euro.

Sitzplätze: 6388 Plätze, 2010 Plätze außen

Raucher: Rauchen ist auf den Balkonen erlaubt.

Musik: täglich ab 12 Uhr „Die Nockherberger“, bis 24. September täglich 19-21 Uhr Partyband „Blind Date“, danach täglich 19 - 21 Uhr Partyband „Nachtstark“

Heuer neu: Das Winzerer Fähndl hat eine neue Belüftungsanlage. Durch mehr Fenster oberhalb der Galerie soll die Temperatur im Zelt noch angenehmer werden. Für 2018 steht dann eine Renovierung des Traditions-Zelts an.

Die Wirte-Familie

Heuer feierten sie beide einen runden Geburtstag: Wirt Peter Pongratz (70) und seine Frau Arabella (50). Wenn gerade mal nicht Wiesn ist, leitet das Paar die Grünwalder Einkehr. 

Bis Ende April stand außerdem der Paulaner am Nockherberg – bekannt durch den Salvator-Anstich – unter ihrer Führung (siehe Foto unten). Er wolle mehr Zeit für seine Familie und seine Hobbys haben, begründete Pongratz den Abschied von der Traditionsgaststätte. Im Frühjahr 2018 übernehmen Christian Schottenhamel und Florian Lechner als neue Wirte den Starkbier-Tempel am Nockherberg. Pongratz ist auch so noch gut ausgelastet: Seit dem Jahr 2004 ist er Oktoberfest-Wirt im Winzerer Fähndl.

So stemmen wir die Wiesn

Teil 1 der Serie: So bereitet sich die Wirtin vom Löwenbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 2 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Weinzelt auf die Wiesn vor

Teil 3 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Festzelt Tradition auf die Wiesn vor

Teil 4 der Serie: So bereitet sich die Wirtin der Ochsenbraterei auf die Wiesn vor

Teil 5 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Armbrustschützenzelt auf die Wiesn vor

Teil 6 der Serie: Darum sind Hobbys der „Schönheitskönigin“-Wirte hilfreich für Vorbereitung

Teil 7 der Serie: Brüderliche Sportskanonen - Mathias und Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt

Teil 8 der Serie: 

Der Gipfelstürmer Thomas Vollmer von der Augustiner-Festhalle

Teil 9 der Serie: So bereiten sich die Wirte vom Hofbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 10 der Serie: Gemütlich unterwegs: Dieses Hobby hat Fischer-Vroni-Wirt Stadtmüller

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