16 Tage Wiesn in München

Oktoberfest 2018: Hacker-Zelt-Chef Toni Roiderer erklärt, wer auf der Wiesn das Sagen hat

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Toni Roiderer erklärt, was einen guten Wirt ausmacht.

Ab diesem Samstag wird München wieder zum größten Volksfest der Welt einladen. Hacker-Zelt-Chef Toni Roiderer erklärt, wer dabei wirklich das Sagen hat. 

München - Rund 30 Jahre ist er Wiesnwirt, 16 Jahre Wirtesprecher: Hacker-Festwirt Toni Roiderer ist eine Münchner Institution. Im vergangenen Jahr hat sich das Macht-Gefüge auf dem größten Volksfest der Welt allerdings ein bisserl verändert. Schließlich hat der 74-Jährige das Amt des Wirtesprechers niedergelegt und an seinen Kollegen, Festwirt Peter Inselkammer vom Armbrustschützenzelt, übergeben. Höchste Zeit für ein paar Erinnerungen und die Frage: Wer gibt neben der Blaskapelle eigentlich den Ton an – auf dem Festgelände und im Zelt.

Herr Roiderer, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?

Roiderer: Stilvoll! Ich hab sogar ein Zelt aufgebaut, damit ich gebührend feiern kann. Ach wo, ich mach bloß Spaß. Der 22. September ist ein Tag wie jeder andere. Ich geh zum Arbeiten auf die Wiesn. Und das seit 29 Jahren.

Teilen Sie Ihren schönsten Wiesn-Moment mit uns?

Roiderer: Ach, da gab es einige. Aber am meisten freue ich mich, wenn ein Gast zu mir kommt und Danke sagt. Denn dann weiß ich, dass ich meine Aufgabe gut gemacht hab.

Was zeichnet einen guten Gastgeber aus?

Roiderer: Ein Wirt, der den ganzen Tag im Büro sitzt, ist mit Sicherheit erfolgreich. Aber der Bessere ist der, der an der Front ist. Wenn man Erfolg haben will, muss man sich mit seinem Geschäft identifizieren.

Wie funktioniert das?

Roiderer: Ein guter Wirt muss seinen Gast sehen, er muss ihn kennen und spüren. Vom Herrn Professor bis hin zum Hilfsarbeiter. Ganz egal, welchen Titel jemand mitbringt. Im Zelt gibt’s keine Hierarchien.

Apropos: Wer hat auf der Wiesn das Sagen?

Roiderer: Die Stadt mit ihrer Politik und Verwaltung und natürlich der Wiesnchef, unser Bürgermeister Josef Schmid.

Aber die Wirte haben doch auch viel Macht…

Roiderer: Nein, wir sind lediglich Beschicker. Trotzdem gilt: drei Instanzen, drei Sichtweisen.

Was, wenn man sich nicht einig ist?

Roiderer: Natürlich vertritt jede Seite ihre eigenen Interessen. Der Bürgermeister die der Stadt und der Wirtesprecher die der Wirte. Da kann es schon mal zu Differenzen kommen.

So wie beim Thema Bierpreisbremse…

Roiderer: Zum Beispiel. Zum Glück sind wir alle erwachsen und nicht nachtragend. Und am Ende verfolgen wir alle das gleiche Ziel: Wir wollen das Beste für die Wiesn.

Was halten Sie von dem Vorschlag der Kleinen Wiesnwirte, als Wiesn-Chef wieder einen Repräsentanten wie einst Gabi Weishäupl einzuführen – und keinen Politiker mehr mit diesem Amt zu betrauen?

Roiderer: Ehrlich gesagt: nicht viel! Wir brauchen keinen Repräsentanten für die Wiesn, wir brauchen einen Referenten, der sich Zeit nimmt und mit Herzblut bei der Sache ist. So, wie das bisher der Fall war. Damit ist alles geregelt.

Für 16 Tage entwickelt sich in München wieder der Wiesn-Wahnsinn. 

Auf dem Gelände – aber wer hat im Zelt die (Leder)Hosen an?

Roiderer: Bei uns sind die Aufgaben klar verteilt. Die Abrechnung macht meine Frau. Der Thomas, unser Sohn, ist fürs Arbeiten zuständig und ich darf gschafteln. Insgeheim ist es aber so: Der Chef ist die Chefin.

Ihre Frau?

Roiderer: Ja, meine Christl und ich sind heute am 22. September, meinem Geburtstag, genau 48 Jahre verheiratet.

Eine lange Zeit! Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept?

Roiderer: In einer Ehe ist es im Prinzip wie im Geschäft: Stark ist man bloß, wenn man zusammenhält. Ein Kollege, der seit 50 Jahren verheiratet ist, hat mal gesagt: Ab und zu ist es nicht schlecht, wenn man schlecht hört. Und mögen muss man sich halt.

Dafür sind Sie in Ihrer Zeit als Wirtesprecher das ein oder andere Mal angeeckt…

Roiderer: Das stimmt. Aber es heißt ja auch Wirtesprecher und nicht Wirteschweiger. Ich bin der Meinung, dass zu viel Demokratie nicht gut ist. Beziehungsweise nicht zielführend. Wir beschäftigen während der Wiesn mehr als 600 Leute. Da muss man die Richtung schon vorgeben, damit alles reibungslos läuft. Und das hat bis jetzt auch immer wunderbar funktioniert.

Im vergangenen Jahr haben Sie das Amt des Wirtesprechers an Ihren Kollegen, Festwirt Peter Inselkammer, übergeben. Wie fühlt es sich an, das Ruder plötzlich nicht mehr in der Hand zu halten?

Roiderer: 

Ganz entspannt. Ich bin mit meinem Nachfolger sehr zufrieden. Der Peter macht seine Sache wirklich gut!

Würden Sie nicht hier und da gern eingreifen und die Dinge selber regeln?

Roiderer: Nein, überhaupt nicht! Freilich merkt man, dass die Jungen zum Teil anders argumentieren. Aber das ist gut so! Ich glaube, nach 16 Jahren war es an der Zeit für einen Generationen-Wechsel.

Sie haben Ihr Unternehmen drei Jahrzehnte lang gelenkt und geleitet. Macht Ihnen die Arbeit heute noch Spaß?

Roiderer: Ja schon. Wenn ich den ganzen Tag bloß spazieren gehen würde – mit den Händen hinterm Buckel verschränkt, dann wäre ich nicht zufrieden. Klar gibt es zwischendurch mal Tage, an denen man durchhängt, aber das ist ganz normal.

Wie richten Sie sich wieder auf?

Roiderer: Indem ich in der Früh eine Runde Radl fahr. Wenn es regnet, geh ich daheim auf den Crosstrainer. Bewegung macht den Kopf schön frei – und das Beste: Sie hält fit. Außerdem geben mir meine Familie und mein Glaube Kraft.

Ihr Glaube?

Roiderer: Ja, ich habe einen ausgeprägten Bezug zur katholischen Kirche – von klein auf. Bis heute ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht gebetet habe. Ich finde: Man sollte nicht erst damit anfangen, wenn es einem schlecht geht. Man kann doch auch so einfach mal Danke sagen und zufrieden sein mit dem, was man hat.

Lesen Sie alle Infos rund zum Oktoberfest 2018 im Live-Ticker.

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