Erdinger Lehramtsstudent Fabian Frodl

Wiesn-Security im Porträt: „Man erlebt hier so einiges“

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Einsatzleiter für 100 Sicherheitskräfte: Fabian Frodl (l.)

Das Oktoberfest verlangt Fabian Frodl alles ab. Der 27-Jährige ist Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes im Hofbräuzelt – Jahr für Jahr eine turbulente Auszeit von seinem Lehramtsstudium.

München/ErdingGelassen steht Fabian Frodl mit seinen Kollegen am Haupteingang des Hofbräuzelts. Plötzlich kommt ein Funkspruch: „Wir brauchen Hilfe am Eingang Ost – Schnittverletzung.“ Sofort stürmen Frodl und drei weitere Kollegen durch das Bierzelt. Der 27-jährige Erdinger ist seit sieben Jahren auf der Münchner Wiesn als Security und betrieblicher Ersthelfer unterwegs. „Man erlebt hier so einiges“, erzählt er schmunzelnd. Von Massenschlägereien bis hin zu einer jungen Dame, die einem Mann die Unterlippe abgebissen hat, sei alles an Absurditäten auf dem Oktoberfest möglich – sogar ein Gebiss habe er schon in einer Lache vor dem Zelt gefunden.

Um solche Dinge zu vermeiden, koordiniert der Lehramtsstudent als einer von fünf Einsatzleitern unter der Woche 90 bis 100 Einsatzkräfte und am Wochenende bis zu 130 Mann im Hofbräuzelt. Das Personalmanagement, die Streifenkoordination und das Sicherheitskonzept sind die Aufgaben der Einsatzleiter. „Als das Orkantief vor einigen Tagen über Deutschland lag, hatten wir schon alles für eine mögliche Evakuierung vorbereitet“, so Frodl.

Auch an der Ludwig-Maximilians-Universität hat er das Sicherheitskonzept für Veranstaltungen entworfen. Für die Sicherheit auf dem Oktoberfest sei viel getan geworden, meint Frodl. Kameras, Polizisten in Zivil und sensiblere Taschenkontrollen sollen die Gäste vor jeglichen Ärgernissen schützen. Eigentlich wollte der junge Mann nach dem Abitur zur Polizei gehen, entschied sich dann aber für das Lehramtsstudium.

Die Arbeit als Wiesn-Security – zusammen mit seinem Freund Enrico Rosenow (26) – übt er nebenbei aus. Als geprüfte Sicherheitskraft hat er schon etliche Weiterbildungen besucht: die Sachkundeprüfung 34a im Bewachungsgewerbe sowie etliche Deeskalations- und Antiamoktrainings. Zusätzlich zum Oktoberfest sorgt er in Diskotheken, bei Veranstaltungen oder auf dem Erdinger Herbstfest für Sicherheit. „Es ist jedes Jahr ein tolles Erlebnis“, erzählt Frodl. Das Team sei eingeschworen und auch mit den Bedienungen habe sich ein fast familiäres Verhältnis entwickelt.

Kaum ist die Schnittverletzung versorgt, kommt ein erneuter Funkspruch. Eine Bedienung ist mit einem Gast in Streit geraten. Der Erdinger eilt nach draußen in den Biergarten, um zu deeskalieren. „Ich höre mir immer beide Seiten an und versuche dann zu entscheiden“, so Frodl. Der aufdringliche Wiesngast zeigt sich reumütig und darf mit einer deutlichen Verwarnung weiterfeiern.

Nicht alle Gäste sind so friedlich. Heuer habe es schon eine Schlägerei gegeben, an der mehr als 30 Personen beteiligt waren. „Da hat sogar der Wiesnwirt mitgeholfen“, berichtet Frodl. Wer sich nicht benehmen kann, müsse das Zelt auch mal auf unangenehme Art verlassen.

Ausgerüstet ist der 27-Jährige mit Protektoren an Bauch und Rücken, außerdem hat er als Einsatzleiter Handschellen dabei. Mit diesen kann er randalierende Gäste bis zur Ankunft der Polizei fixieren. Zudem legt der Erdinger Wert auf die Kleiderordnung. „Offene Hemden oder Lederhosen gehen gar nicht“, sagt Frodl über sich und seine Kollegen.

Die Arbeit im Hofbräuzelt will er nicht missen. Um die 16 Tage auf dem größten Volksfest der Welt zu überstehen, sind seine Geheimtipps: viel gesundes Essen, vor allem Obst und Gemüse, und Sport im Vorhinein. „Jeder hat seine eigenen Methoden, um die Kraftreserven wieder aufzufüllen“, sagt Frodl und berichtet von einem Kollegen, der bisweilen acht Semmeln und ein Dutzend Eier frühstückt.

Bei einem wichtigen Utensil seien sich aber alle einig: Desinfektionsmittel. Neben Handschuhen sei dies die einzige Möglichkeit, um sich vor den Unappetitlichkeiten mancher Gäste zu schützen. Bei knapp 10 000 Gästen im Hofbräuzelt höre die Arbeit erst auf dem Heimweg auf, so Frodl. Meist fahre er hundemüde, aber glücklich mit der S-Bahn nach Hause. „Trotz der harten Arbeit freue ich mich auf jeden Tag“, konstatiert der 27-jährige lächelnd. (Alexander Lotz)

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