Wiesn-Festzelte und ihre Wirte im Portrait

Schon seit ihrer Schulzeit: Susis Welt sind die Pferde

+
Ein Leben für die Pferde: Susi Schimmer ist den Vierbeinern nicht nur während der Wiesn ganz nah.

Die Vorfreude steigt: Am 22. September startet das 185. Oktoberfest. In unserer Serie stellen wir die Festzelte und die Wirte vor. Heute: Susi Schimmer von der Ochsenbraterei.

München - Die Schwere-Reiter-Straße in Schwabing ist zweispurig, mittendrin die Tram 12. Dementsprechend geht es zu. Doch am Türschild der Hausnummer 22 heißt es: Kutscherei Holzmann. Kutschen, Pferde? Hier? „Das ist unser Gallisches Dorf“, sagt Susi Schimmer (55) stolz. Sie meint die unscheinbare Siedlung zwischen Barbara- und Infanteriestraße.

Früher eine Militäranlage, heute unter Denkmalschutz. Im Innenhof: Pferdeboxen. Darin warten vier Schimmel auf ihren großen Einsatz: Feli, Wuschel, Bolero und Jana ziehen heuer den geschmückten Haberl-Vierspänner über die Schwanthalerstraße zur Wiesn. Susi Schimmer und ihre Kollegin Ulrike (45) steuern den Wagen.

Schon zu Schulzeiten in Kutscherei ausgeholfen

Schimmer ist die Inhaberin der Kutscherei und seit 45 Jahren mit dem Betrieb verbunden. Erst hat sie nur ausgeholfen: „Nach der Schule bin ich immer hergekommen und habe mich nützlich gemacht“, sagt sie. Ausmisten, Fellpflege. „Mit 18 hab ich das erste Mal selbst die Zügel in der Hand gehabt.“

Die Kutscherei Holzmann ist ein Münchner Urgestein. Es gibt sie seit über 70 Jahren. Die 13 Kutschen der Holzmanns sind allesamt weit über hundert Jahre alt. Die gelernte Sattlerin Schimmer und ihre Kollegen sind die einzigen, die durch den Englischen Garten fahren dürfen. „Unser Standplatz ist am Chinesischen Turm“, sagt Schimmer.

Als die Haberls dort einen Biergarten eröffneten, lernte man sich kennen. „Kurz darauf haben die Haberls die Ochsenbraterei übernommen.“ Das war 1980: „Damals war die Wirtstochter Antje Schneider noch ein kleines Madl“, sagt Schimmer und lacht. Zum Einzug der Festwirte nimmt die Wirtsfamilie seither im Wagen der Kutscherei Holzmann Platz.

Hinternklatscher können zum Problem werden

Für die Pferde gibt es ab und an ein Zuckerl. „Nervennahrung“, sagt Schimmer. „Es kommt immer wieder vor, dass Leute den Pferden plötzlich auf den Hintern klatschen“, sagt sie. „Wenn das Pferd dann austritt, haben wir ein Problem.“ Da braucht‘s eben gute Nerven. Doch an Erfahrung mangelt es den Tieren nicht: „Feli ist mit 18 Jahren fast schon eine alte Oma“, sagt Schimmer und lacht. „Sie läuft seit fünf Jahren im Vierspänner mit.“ Da weiß ein gutes Pferd, was sich gehört und was nicht.

Ob sie je etwas anderes sein wollte als Kutscherin? Schimmer stutzt kurz. „Nein“, sagt sie dann, „was soll ich denn machen? Das alles hier ist mein Leben.“

Die Wirtefamilie im Portrait

Antje Schneider (50) und ihre Mutter Anneliese Haberl sind die Wirtinnen in der Ochsenbraterei. Sie führen das Wiesnzelt seit dem Tod von Vater und Ehemann Hermann Haberl (†71) im Jahr 2011 als Frauen-Duo. An seinem 40. Geburtstag hatte Haberl 1979 den Zuschlag für die Schützenfesthalle als Wirt bekommen. Ein Jahr später übernahm er die Ochsenbraterei und gab das Schützenzelt wieder ab. Tochter Antje ist seit dem Jahr 2000 auch Festwirtin für die Ochsenbraterei. Vergangenes Jahr ließ die Brauerei in Zusammenarbeit mit der Wirtin das Zelt neu bauen.

Doppelte Frauenpower: Antje Schneider (r.) und Anneliese Haberl führen die Ochsenbraterei seit 2011.

Das Zelt in Kürze

  • Bierpreis: 11,20 Euro
  • Die Brauerei: Spaten
  • Halbes Hendl: 11,80 Euro
  • Schmankerl: Ochsenbraten an kräftiger Rotweinsoße mit Kartoffelsalat aus Bio-Kartoffeln 17,30 Euro
  • Günstig essen: Von Montag bis Donnerstag (11-15 Uhr, außer am 3.10.) gibt es verschiedene Gerichte zu 12,50 Euro
  • Für die Kleinen: 2 Schweinsbratwürstl mit Püree oder Spätzle mit Ochsensoße (3,90 Euro), dazu Bluna Orange (0,5 l) für 3,50 Euro
  • Seniorenangebot: Kalbfleischpflanzerl mit Kartoffelsalat aus Bio-Kartoffeln für 6,00 Euro
  • Sitzplätze: 5995 innen und 1646 im Garten
  • Raucher: speziell überdachter Außenbereich mit Wiedereinlass
  • Musik: Die Festkapelle Mathias Achatz spielt ganztägig im Zelt


Severin Heidrich

Unsere anderen Teile der Wiesn-Serie

Fischer Vroni - Rosenheim-Cop-Schauspieler Schaeffer hilft mit

Nicola und Oliver sind immer hoch auf dem Fest-Wagen

Die Bräurosl - Auf dem Wagen blüht Alfons auf

Das Löwenbräu-Zelt - eine schöne Ochsen-Tour

Mit dem Weinzelt-Wagen kommt der Schlager auf die Wiesn

Lernen Sie Sepp kennen, den Kutscher des Hackerzelts

Bei Bedienung Elke vom Schottenhamelzelt gibt‘s die erste Mass zwei Minuten nach Anstich

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Auf dem Heimweg vom Oktoberfest: Gruppen geraten aneinander - Mann tritt Frau gegen Kopf
Auf dem Heimweg vom Oktoberfest: Gruppen geraten aneinander - Mann tritt Frau gegen Kopf
Kleinkind erobert ganzes Zelt auf dem Oktoberfest - Gänsehaut-Moment auf Video
Kleinkind erobert ganzes Zelt auf dem Oktoberfest - Gänsehaut-Moment auf Video

Kommentare