Wiesn 2019: Alle Infos zu den Wirten

Spiel des Lebens: Die soziale Ader des Hofbräuzelt-Chefs

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Günter Steinberg (re.) spielt im Nachbarschaftstreff Haderner Herz mit Lisa Bauer, Serhat Tekbas (li.) und Henry.

Ein Wiesnzelt zu managen, ist eine Mammutaufgabe, die den Lebensrhythmus der Wirtefamilien bestimmt. Doch auch für Wirte gibt es ein Leben neben dem berühmtesten Volksfest. Diesmal: Günter Steinberg vom Hofbräuzelt.

Vorm Kickertisch sind alle Menschen gleich. Günter Steinberg (80), Wirt des Hofbräuzelts, setzt zum Torschuss an, an seinen überschäumenden Wiesnkalender denkt er nicht. Der Ball verschwindet im Tor des Kickertisches, Mitspieler Serhat Tekbas (23) jubelt, und für einen kurzen Moment vergisst er seine Trauer. Vor einer Woche ist ein ehemaliger Klassenkamerad an einer Überdosis gestorben – nicht der erste Bekannte, den er so verliert. Tekbas Leben lief nicht in Bahnen, es wirbelte ihn herum, wie das Männchen an der Kickerstange. Dass nicht jeder es im Leben so gut getroffen hat wie er, weiß auch Günter Steinberg. Mit der Stiftung seiner Familie „’s Münchner Herz“ will der sonnengebräunte 80-Jährige anderen helfen.

Wiesn 2019: Wie der Hofbräuzelt-Wirt die Armut vor der Haustür bekämpft

Steinbergs Stiftung ist in sozial schwachen Stadtteilen in München tätig. „Jedes Jahr haben meine Frau und ich bei ,ein Herz für Kinder‘ mitgemacht“, erzählt Steinberg. „Irgendwann haben wir uns gefragt, was eigentlich mit den Spenden passiert“. Aus dieser Frage entwickelte sich die nächste: Warum in ferne Länder gehen, wenn die Armut vor der Haustüre anfängt – auch in München?

Etwa zur gleichen Zeit schwänzt ein Junge den Unterricht, treibt sich herum. Tekbas ist 13 Jahre alt, seine Eltern sind verzweifelt. Sie hören vom Nachbarschaftstreff „Na klar!“ in Kleinhadern, der Kindern Nachhilfeunterricht gibt. „Meine Eltern haben mich gezwungen, da hinzugehen“, erzählt Tekbas. Anfangs sträubt er sich. Doch mit jeder Nachhilfestunde fasst er mehr Vertrauen und merkt: Die Menschen hier nehmen seine Probleme ernst und helfen ihm. Statt durch die Straßen zu ziehen, spielt der 13-Jährige immer häufiger mit anderen Kindern vom Jugendtreff Fußball.

Das „Na klar!“ ist eines von drei Projekten, die das „Münchner Herz“ mit Spenden unterstützt. Neben dem Jugendtreff in Kleinhadern gibt es noch das Perlacher Herz und das Haderner Herz, das aktuell in Laim residiert, bis die neuen Räume in Hadern fertig sind. In den Einrichtungen gibt es aber nicht nur klassische Nachhilfe, sondern auch Angebote vom Kochkurs über Musik bis zur Fahrradreparatur. 

„Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Talente, wir wollen sie fördern“, sagt Steinberg. Der Glaube und die christliche Nächstenliebe sind dabei die wichtigste Triebfeder – Steinberg ist da ganz offen. „Wir sind eine christliche Familie“, sagt er. In seinen Einrichtungen spielt die Religionszugehörigkeit aber keine Rolle. Tekbas hat dank der Unterstützung seinen Hauptschulabschluss geschafft und eine Ausbildung bei Edeka erfolgreich abgeschlossen. Er arbeitet jetzt als Kaufmann im Einzelhandel. Steinberg macht diese Karriere stolz: „Es ist das Schönste, wenn man Menschen helfen konnte“, sagt er. Zwei Männer, die sich dank der Stiftung nicht nur am Kickertisch einen Schritt näher gekommen sind. 

Oktoberfest 2019: Das Hofbräuzelt in Kürze

Das Hofbräu-Festzelt auf der Wiesn.

• Bierpreis:11,70 Euro

• Brauerei:Hofbräu München

• Halbes Hendl:11,70 Euro

• Schmankerl: Spareribs (17,90 Euro) • Günstig essen: wechselnder Mittagstisch von Montag bis Freitag (außer Feiertag) von 10.30 bis 14.30 Uhr für 8,90 Euro, zum Beispiel Rinderroulade Hausfrauenart mit Essiggurkerl und Speck gefüllt, mit Rotweinsoße und Kartoffelpüree oder Putenschnitzel mit Cornflakespanade mit fruchtiger Kokos-Curry-Sauce und Reis.

• Spezial:Täglich zwei Kinderessen, zum Beispiel ein paar Wiener Würstl mit Kartoffelsalat (4,50 Euro) oder ein Viertel Hendl mit Semmel (4,50 Euro) und eine Limo (3,50 Euro). An den Familien-Dienstagen werden 600 Plätze von 11 bis 15 Uhr besonders für Eltern mit Kindern freigehalten. Es gibt ein Programm für die Kleinen und vergünstigte Preise.

• Sitzplätze:7500 innen, 3000 im Biergarten

• Raucher: Für die Raucher gibt es Stempel, Einlass am Reservierungseingang sowie an zwei weiteren Türen.

• Musik:Die Kapelle Alois Altmann und seine Isarspatzen spielt von 11 bis 22.30 Uhr in unterschiedlichen Besetzungen.

Die Wirtefamilie

Die Steinbergs leiten das Hofbräu-Festzelt seit 1980. Silja Schrank-Steinberg (47, 2.v.l.) und Bruder Friedrich „Ricky“ Steinberg (49, r.) führen die Hauptgeschäfte im Zelt. Ihr Vater Günter Steinberg (80) hat ursprünglich Kaufmann gelernt. 1970 wechselte er den Job, nachdem er Margot Jahn (69), Tochter des Wienerwald-Begründers Friedrich Jahn, geheiratet hatte. Im selben Jahr übernahm die Familie das Wienerwaldzelt auf der Wiesn, zehn Jahre später führten sie das Hofbräuzelt.

Die bisherigen Teile unserer Wiesn-Serie: Toni Winklhofer vom Festzelt Tradition bleibt auf dem Teppich. Stephanie Spendler vom Löwenbräuzelt lässt das Auto auch morgens lieber stehen. Mathias Reinbold vom Schützenfestzelt schaltet beim Golf ab. Renate und Georg Heide vom Bröslbräu haben sich im eigenen Garten eine kleine Oase erschaffen. Wirt Beppi Bachmaier vom Herzkasperlzelt ist sportlich unterwegs. Er radelt oft und verbringt viel Zeit am Wörthersee.

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