Großer tz-Check

Macht das Oktoberfest krank? Mediziner klärt über den Mythos Wiesn-Grippe auf

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Großer Auflauf auf dem Münchner Oktoberfest.

An Mythen über die sogenannte Wiesn-Grippe besteht kein Mangel. Mit einem Mediziner haben wir die bekanntesten auf den Prüfstand gestellt.

München - Am Sonntag grassierte er wieder, der Wiesn-Virus: Tausende schlenderten bei Traumwetter über die Wirtsbudenstraße, tanzten in den Zelten – insgesamt kamen bisher satte 3,3 Millionen Gäste zum Fest. Aber hier ist nicht nur die Gaudi ansteckend – sondern auch viele Besucher. Denn es gibt sie, die Wiesn­grippe. Und sie greift um sich. Das sagt jedenfalls eine Studie des Robert-Koch-Instituts. 

Dort fanden die Wissenschaftler heraus, dass in den Arztpraxen im Raum München das Gehuste und Fieber jedes Jahr in der 41. und 42. Kalenderwoche extrem zunimmt. Und das während der Rest Deutschlands noch gesund ist. Klar, auf der Wiesn steckt einer den anderen an. Auch interessant: München ist sozusagen der Viren-Wirt. Von hier zieht die Welle langsam in den Rest der Republik. 

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns stellt übrigens speziell am mittleren Wiesn-Wochenende und direkt nach dem Fest in ihren Münchner Bereitschaftspraxen mehr Patienten mit Erkältungen fest. 

Es gibt viele Mythen über die Wiesn-Grippe. Also: Wie kann ich mich schützen? Die tz klärt zusammen mit dem Münchner Allgemeinmediziner Dr. Oliver Abbushi alle wichtigen Fragen.

Sieben Oktoberfest-Mythen

Die größte Ansteckungsgefahr ist der fremde Krug:

Dr. Oliver Abbushi

Das stimmt teilweise. „Die Hauptansteckungsgefahr geht über die Hände“, sagt Dr. Oliver Abbushi. Wenn sich jemand zum Beispiel in die offene Handfläche niest und danach seinem Spezl eine Mass reicht – dann können sich die Keime genauso gut übertragen, als würden sie aus dem gleichen Krug trinken. Abbushis Tipp: „Lieber immer beim eigenen Masskrug bleiben und am besten mit einer Schleife kennzeichnen.“

Alkohol tötet Keime ab:

Falsch. „Alkohol trocknet den Körper aus und beeinträchtigt die Produktion von Abwehrzellen“, sagt Abbushi. Übrigens, die Legende besagt ja: Alkohol wärmt den Körper von innen – da muss Sie der Mediziner aber enttäuschen. „Alkohol erweitert zwar die Blutgefäße und fördert die Durchblutung in der Haut“, sagt Abbushi. „Die Wärme wird aber an die Luft abgegeben – und die Körpertemperatur verringert sich.

Halsschmerzen gibt’s vom Grölen: 

Hier sollten Sie ebenfalls von einem „Falsch“ ausgehen. „Halsschmerzen sollte man nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Abbushi, „denn sie können auch ein erstes Anzeichen für einen Infekt sein.“ Gehen Sie in einem solchen Fall also lieber auf Nummer sicher – und machen lieber einen Tag Pause von der Wiesn. Nach so einem Sofa-Tag schunkelt es sich auf der Bierbank auch gleich wieder besser.

Oktoberfest 2019: Mediziner rät zu achtsamer Partnerwahl

Zelt ist eine Keimschleuder:

Richtig. „Die Keimbelastung im Festzelt ist vermutlich die höchste, die man sich überhaupt vorstellen kann“, sagt Abbushi. „Die Besucher tanzen, schwitzen, kommen sich näher – und es gibt kaum Lüftungsmöglichkeiten.“ Wichtig ist, dass Sie sich daheim gut erholen – zum Beispiel mit einer heißen Zitrone, vitaminreichem Essen und viel Schlaf – dann erholt sich auch Ihr Immunsystem.

Knutschen macht krank:

Richtig. Mikrobiologen fanden heraus, dass ein intensiver Zungenkuss 80 Millionen Bakterien übertragen kann. „Und hier wäre die Wiesn-Grippe noch das kleinste Übel“, sagt Abbushi. „Beim Küssen können sich schlimme Krankheiten wie das Pfeiffersche Drüsenfieber übertragen.“ Also vor dem Knutschen Augen auf bei der Partnerwahl! Dann kommen Sie auch gesund über die Wiesn.

Wie gefährlich sind „Touri-Bakterien“ wirklich?

Gefährliche Touri-Bakterien:

Richtig. „Das Keim-Spektrum ist in jeder Region anders“, sagt Abbushi. „Also ist unser Immunsystem eventuell anfälliger für Viren aus Fernost oder Australien.“ Aber keine Sorge: Die Wiesn macht ja aus, dass Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Abbushi rät also: „Stellen Sie vor Ihrem Wiesnbesuch sicher, dass Sie sich fit fühlen. Einem intakten Immunsystem machen auch fremde Viren nichts aus.“

Video: Promis gegen Tipps gegen Wiesn-Grippe auf der Madlwiesn

Wetterwechsel schwächt:

Richtig. Sie kennen es: mal Sonne, mal Regen, mal kalt, mal warm – das Wetter überrascht uns zur Wiesn jeden Tag aufs Neue. „Mit jedem Kältesturz und Hitzeanstieg steigt die Anforderung an das Immunsystem“, so Abbushi. „Kalkulieren Sie jedes Wetter ein, wenn Sie vor dem Kleiderschrank stehen.“ Wenn Sie sich passend anziehen, dann kann Ihnen auch der Wetterwechsel nichts anhaben! 

Kuriose Vorfälle rund um das Oktoberfest 2019: Dass der Heimweg vom Oktoberfest in der Regel anstrengender ist, als der Weg hin auf die Theresienwiese beweist das Video eines Wiesn-Besuchers eindrucksvoll.  So hatte er sich seinen Wiesn-Besuch nicht vorgestellt: Jens Lehmann wurde am Freitagabend aus dem Käferzelt geworfen.

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