Ab Juli soll‘s losgehen

Sieht so die Wiesn in der Stadt aus? Altes Video wird plötzlich zum Instagram-Hit - „Not macht erfinderisch“

In einem Video zeigt, der Herrenausstatter Hirmer, wie das Oktoberfest in Münchens Zentrum aussehen könnte.
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In einem Video zeigt, der Herrenausstatter Hirmer, wie das Oktoberfest in Münchens Zentrum aussehen könnte.

Zusage für ein kreatives Konzept: Nach der Oktoberfest-Absage will München Schaustellern unter die Arme greifen. 

  • Kein Oktoberfest 2020 - das bedeutet keine Einnahmen für viele Betreiber und Schausteller.
  • Ein außergewöhnliches Konzept soll den Wiesn-Ausfall ab Juli kompensieren.
  • Der Stadtrat hat nun offiziell seine Zustimmung signalisiert. Ein Video (Update vom 15. Mai) gibt einen ersten „Vorgeschmack“.
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Update vom 15. Mai: Kettenflieger am Stachus, Münchner Rutschn hinter der Frauenkirche, daneben das Riesenrad – weil die Theresienwiese heuer leer bleibt, träumt mancher vom Oktoberfest in der Innenstadt. Wie das aussehen könnte, zeigt der Herrenausstatter Hirmer in einem Internet-Video. „Wir haben die Wiesn in die Stadt geholt“, sagt Hirmer-Verkaufsleiter David Thomas, 33, stolz. „Ich kenne München nur mit Oktoberfest.“ Die Absage habe ihn hart getroffen. Doch auch das Video zeigt: „Not macht erfinderisch.“ 

Ganz neu ist die Idee nicht – das Video stammt von 2017. Zusammen mit einer Agentur realisierte Hirmer die verrückte Idee. „Damals hätten wir uns aber niemals träumen lassen, dass mal die Wiesn abgesagt wird“, sagt Thomas. Nun passen die Bilder aber besser denn je. Die Stadt hat tatsächlich erst in dieser Woche beschlossen, dass Schausteller ihre Fahrgeschäfte bald in ganz München aufstellen dürfen. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft arbeitet derzeit an einem konkreten Konzept. Vielleicht orientieren sich die städtischen Planer ja an der Wiesn-Vision des Modegeschäfts.

Auf dem Oktoberfest kann dieses Jahr nicht geflirtet werden. In München ist nun ein Plakat aufgetaucht, das darauf Bezug nimmt.

Mega-Aktion soll Wiesn-Feeling nach München bringen - Video gibt ersten Vorgeschmack: „Not macht erfinderisch“

„Die Innenstadt würde profitieren“, sagt Thomas. Der lokale Handel würde nach der Krise dringend benötigte Impulse erhalten. Obendrein könnte sich Thomas Trachtenumzüge zum Beispiel auf der Kaufingerstraße vorstellen. Wichtig: „Das geht nur unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen.“ 

Gar nicht zu sehen sind im Video übrigens Bierzelte. Mit Absicht: „Jetzt machen ja sowieso die Biergärten wieder auf“, sagt Thomas. Ein Bierzelt bräuchte es in Hirmers Wiesn-Vision gar nicht. „Unsere Idee ist eher ein Konzept für Kinder und Familien.“ Man darf also gespannt sein, was heuer geboten sein wird.

Severin Heidrich

Nach Wiesn-Absage: Ersatzplan für München offiziell abgesegnet - „echtes Neuland, das wir damit betreten“

Update vom 13. Mai: Der Münchner Stadtrat hat es soeben beschlossen: Fahrgeschäfte und Buden sollen ab Mitte Juli auf dezentralen Plätzen der Isar-Metropole verteilt werden. Um welche Geschäfte und Plätze es sich dabei handeln soll, wird noch eruiert. 

Titel des Konzepts ist „Sommer in der Stadt“. „Es ist echtes Neuland, das wir damit betreten“, hatte Wiesnchef Clemens Baumgärtner bereits vorab gesagt.

Den Münchnern solle ermöglicht werden, angesichts eingeschränkter Reisemöglichkeiten in der Krise in München zu urlauben - und ihre Stadt dabei neu zu entdecken, heißt es in Baumgärtners Vorlage.

Gedacht sei an eine „hohe zweistellige Zahl von öffentlichen und privaten Plätzen“, an denen jeweils ein Geschäft stehen könnte. Brauchtumsveranstaltungen, Kinderangebote und Stadtteilinitiativen könnten das Programm abrunden.

Der Infektionsschutz stehe dabei stets ganz oben. Das Konzept sehe deshalb auch die zeitliche und räumliche Entzerrung vor, zugleich würden so Stadtteile belebt. Die Bezirksausschüsse sollen eng eingebunden sein. Das Wirtschaftsreferat soll nun ein entsprechendes Konzept erarbeiten und dem Stadtrat erneut vorlegen. Losgehen soll es zum Start der Sommerferien Ende Juli, wenn möglich auch schon früher.

dpa/lks

Kein Oktoberfest in München: Wiesn-Ersatzplan findet großen Anklang - „Sehr charmante Idee ...“

Update vom 12. Mai: Das Konzept von Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) zur Unterstützung der Oktoberfest-Schausteller kommt an. Grüne, SPD und CSU signalisieren Zustimmung. Der Stadtrates entscheidet am Mittwoch (13.).

Wiesn-Chef Baumgärtner will nicht nur den Schaustellern ein Einkommen ermöglichen, das Konzept soll den Sommer über verschiedene Plätze beleben und den Münchnern nach der Wiesn-Absage zumindest ein bisschen Volksfest-Gefühl vermitteln.

CSU-Chef Manuel Pretzl sagte am Dienstag: „Ich halte das für eine sehr charmante Idee, die sehr gut zu München passt.“ Es sei zudem eine Gelegenheit für die durch die Absage der Volksfeste in Not geratenen Schausteller und Marktleute, Umsätze zu generieren. „Damit das Gewerbe nicht stirbt“, sagt Pretzl. „Die Volksfestkultur ist ein wichtiger Bestandteil Münchens.“

Die Schausteller leiden unter der Wiesn-Absage – jetzt sollen sie die Stadt beleben und so etwas Umsatz retten.

Eine Mini-Wiesn in der ganzen Stadt sieht auch die SPD positiv. Stadtrat Klaus Peter Rupp sagte, das Konzept sei eine Möglichkeit, Münchnern etwas zu bieten, das wenigstens ein bisschen an ein Volksfest erinnert. Rupp will zunächst die Sitzungsvorlage abwarten, grundsätzlich werde seine Fraktion aber mitgehen. „Ich hoffe, dass wir gute Kooperationen hinbekommen, das etwa große Biergärten kooperieren.“ Auch die Kulturschaffenden dürften nicht zu kurz kommen. „Man müsste die Kulturbürgerhäuser mit einbeziehen.“

Ähnlich argumentiert auch die Grünen-Stadträtin Anja Berger. „Es kommt noch darauf an, was in der Vorlage steht. Es wäre wichtig, dass sich auch Künstler auf kleinen Bühnen präsentieren können.“ Das Konzept sei aber insgesamt gut, findet Berger. „Wichtig ist, dass wir keine neuen Hotspots erschaffen und dass die Infektionsauflagen eingehalten werden.“

Oktoberfest-Absage: Verrückte Idee soll Schaustellern in München helfen - und die Stadt verändern

Ursprungsmeldung:

München - Besondere Zeiten bedingen oftmals besondere Maßnahmen. Und die Corona-Not macht erfinderisch. Nachdem die Wiesn wegen der anhaltenden Pandemie vorsorglich abgesagt werden musste, will die Stadt nun mit einem außergewöhnlichen Konzept den Wiesn-Schaustellern unter die Arme greifen. Den Schaustellern brechen nämlich alle Einnahmen weg, da das Verbot von Großveranstaltungen absehbar nicht aufgehoben wird. Das Frühlingsfest ist bekanntlich ebenfalls ausgefallen.

Wiesn-Ersatz 2020: Münchner Idee soll nicht nur Schaustellern helfen

Nun hat das Referat für Arbeit und Wirtschaft ein Konzept ausgearbeitet, das Schaustellern dennoch Einnahmen sicherstellen soll. Es sieht vor, die Fahr- und Spielgeschäfte bereits ab Juli über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen. Damit will die Verwaltung nicht nur den Schaustellern helfen, wenig frequentierte Plätze könnten im Sommer ganz neu belebt werden. Münchner, die wegen der Corona-Pandemie* lieber auf den Urlaub verzichten oder schlicht nicht fahren können, hätten zusätzliche Anreize, den Sommer in der Landeshauptstadt zu verbringen. Ferner sind in dem Konzept offenbar auch Kooperationen mit örtlichen Bezirksausschüssen, Vereinen und Kulturveranstaltern geplant. Obendrein würde durch ein derartiges Vorgehen auch erreicht, dass sich in München nicht alles an den bislang bekannten Hotspots abspielt, etwa am Marienplatz oder dem Olympiapark. Das böte auch Anreize für die ortsansässige Gastronomie.

Das Konzept soll so umgesetzt werden, dass es den bis dahin bestehenden Verboten*, etwa dem von Großveranstaltungen, nicht zuwiderläuft. Ferner sind auch bei den dezentralen Angeboten die Abstands- und Hygieneregeln zu beachten.

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Wiesn-Fahrgeschäfte in München verteilt: Einzelne Stadtviertel beleben

Die Schausteller leiden mit am meisten unter der Absage des Oktoberfestes. Wie berichtet, war auch bereits die Idee aufgekommen, als Kompensation die Wiesn im kommenden Jahr zu verlängern. Dem hatte OB Dieter Reiter (SPD) im Interview mit unserer Zeitung allerdings nur wenig Aussicht auf Erfolg eingeräumt. „Ich weiß, dass beispielsweise die Bedienungen, die Sanitäter, Polizei und Sicherheitskräfte am Ende der 16 Tage Wiesnzeit schon ziemlich geschlaucht sind. Eine Verlängerung wäre also für die Beschäftigten, aber auch für die Anwohner nur schwer zu verkraften.“ CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl hatte zwischenzeitlich beantragt, den Schaustellern etwa im Bereich der Fußgängerzone in der Altstadt sowie an anderen geeigneten Stellen in der Stadt Standplätze zur Verfügung zu stellen – allerdings zum Verkauf von Snacks oder dergleichen.

Der Präsident des Deutschen Schaustellerbunds, Albert Ritter, hatte überdies vor einer Pleitewelle gewarnt: „Wenn von staatlicher Seite ein Berufsausübungsverbot* ausgesprochen wird, dann muss auch von staatlicher Seite geholfen werden.“ Ritter forderte außerdem zu prüfen, ob kleinere Volksfeste im späteren Jahresverlauf nicht eventuell doch möglich seien.

Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärnter (CSU) wollte sich auf Anfrage zu den Details des Konzepts nicht äußern, ob beispielsweise auch Riesenrad und Geisterbahnen aufgestellt werden. „Wir werden das Konzept mit den Fraktionen und dann in der Vollversammlung besprechen. Ziel ist es, den Schaustellern zu helfen und die einzelnen Stadtviertel im Sommer zu beleben.“ Der Feriensenat soll sich am Mittwoch mit dem Konzept beschäftigen.

Sascha Karowski

Eine beliebte Brauerei eröffnet in Milbertshofen in München einen neuen Betrieb*. Folgt als nächster Schritt der Ausschank auf der Wiesn?

Dieser Sommer wird für viele ein ganz anderer werden als gewohnt. Besonders vielen wird das Oktoberfest fehlen - doch ein spektakulärer Plan dürfte hellhörig machen.

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