Wiesn-Zoff in der Koalition

Trotz Oktoberfest-Absage: Aiwanger träumt weiter von der „Mini-Wiesn“ - Söder reagiert mit deutlichen Worten

Aus für die Wiesn in München: Das Oktoberfest 2020 findet wegen der Corona-Pandemie nicht statt - es ist ein Riesen-Rückschlag für alle Schausteller. Ein Satire-Magazin hat nun einen eigenwilligen Vorschlag.

  • Seit Beginn der Corona-Krise in München* liefen die Spekulationen um eine mögliche Oktoberfest-Absage.
  • Bereits am Montag, 20. April verdichteten sich die Hinweise auf das Aus.
  • Ministerpräsident Markus Söder und Münchens OB Dieter Reiter haben am Dienstag (21. April) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz über die Absage informiert.
  • Jetzt hat sich Markus Söder auf einer Parteivorstandssitzung zu dem Vorschlag geäußert.

Oktoberfest-Größe mit Coronavirus infiziert

Update vom 10. Mai: Heinzi Fuhrmann, vielen ein Begriff als Trompeter in der bekannten Oktoberfest-Band „Münchner Zwietracht“, hat sich mit dem Coronavirus* infiziert. Sein Instrument rettete ihm möglicherweise sein Leben.

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Update vom 27. April, 13.25 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich im Rahmen einer CSU-Parteivorstandssitzung in München zur „Mini-Wiesn“ geäußert. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen: „Eine Mini-Wiesn halte ich für nicht denkbar. Das würde auch dem Ruf der Wiesn schaden,“ so Söder. 

Trotz Oktoberfest-Absage: Aiwanger träumt weiter von der Wiesn und will gleich alle Biergärten wieder öffnen

Update vom 26. April: Auch Tage nach der Entscheidung, das Oktoberfest 2020 abzusagen, mag sich der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) noch nicht so recht von der Wiesn trennen. Ohne Bierzelte, mit Einbahnstraßen-System und Mundschutz für Bedienungen, so malt sich Aiwanger die symbolische Ersatz-Wiesn-2020 beim „Sonntags-Stammtich“ im Bayerischen Rundfunk (BR) aus. Dabei ist die Zustimmung zur Entscheidung des ungewohnten Duos aus Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dem Münchner Bürgermeister Dieter Reiter (SPD) in der Bevölkerung groß. 

„Das ist halt dann ein Biergartenbetrieb mit ausreichendem Abstand, wo man sich im Einbahnstraßensystem nicht begegnet“, erklärt Aiwanger, dass es sich ja schlicht um eine „Definitionsfrage“ handele, wie die Wiesn auszusehen habe. Gäste müssten dann eben in anderthalb Metern Abstand sitzen, „warum denn nicht?“, fragt Aiwanger. 

Unter ähnlichen Bedingungen sieht der Wirtschaftsminister bereits die bayersichen Biergärten wieder öffnen - „in den nächsten Wochen“ und überall in Bayern. 

„Hoffentlich regnet es nicht", warf Kabarettistin Luise Kinseher sarkastisch ein. Für sie gehöre ein Gefühl des Miteinanders auf die Wiesn. Für Abstandsregeln sieht sie da offenbar keinen Platz. 

Aiwanger hatte mit seinen Vorstellungen für die Wiesn 2020 bereits in der vergangenen Woche Diskussionen mit dem Koalitionspartner CSU provoziert. 

Ab Montag, 27. April, gilt die Maskenpflicht auch in München – in Supermärkten, Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr müssen Mund und Nase verdeckt sein.

Oktoberfest-Absage: Aiwanger sinniert über Ersatz-Wiesn - und bringt CSU-Mann zum Toben

Update vom 23. April: „Ich bin unbedingt dafür, sich jetzt den Kopf zu zerbrechen“, grübelte Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Interview mit der Bild-Zeitung, „wie wir eine kleine Ersatz-Gedenk-Wiesn angehen können.“ Ansonsten befürchte er „tiefe Kratzer auf der bayerischen Volksseele“.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und München-OB Dieter Reiter (SPD) hatten die Idee einer Ersatz-Wiesn bereits klar abgelehnt. Aus der CSU kommen nun noch deutlichere Worte in Richtung Aiwanger.

Oktoberfest-Absage: CSU-Mann schimpft über Aiwanger - Konzentration auf die „Kernaufgaben“

Anstatt über den Bestand von Festen zu philosophieren, solle er sich lieber wirklich um die Belange der bayerischen Wirtschaft kümmern, schimpft CSU-Generalsekretär Markus Blume über den stellvertretenden Ministerpräsidenten. 

Weiter fordert er die Konzentration aller „auf die Kernaufgaben in ihrem Ressort“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur. Als Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sollte Aiwanger also andere Prioritäten haben, als einen Ersatz für das abgeblasene Oktoberfest auszuhecken, mahnt Blume mit Vermerk auf hunderttausende bedrohte Arbeitsplätze. 

Oktoberfest-Absage: Satire-Seite liefert neue Idee, wie man die Wiesn retten könnte - Fans sind begeistert

Update, 22.05 Uhr: Nix is‘ mit der Wiesn dieses Jahr! Das Oktoberfest in München ist wegen der Corona-Krise abgesagt. Für viele Schausteller, Kellner und Imbissbuden-Besitzer bedeutet dies teils existenzgefährdende Einbußen.

Das Satire-Magazin Postillon hat nun einen ganz eigenwilligen Vorschlag in die Diskussion eingebracht, wie man die Wiesn 2020 doch noch retten könnte: Durch einen Lieferservice durch die Bedienungen vom Festgelände an der Theresienwiese zu den Münchnern nach Hause.

Die Maß Bier to go? Ein scherzhaft gemeinter Vorschlag eines Satire-Magazins zur Wiesn-Absage.

Es wäre keine Satire, würden nicht die überteuerten Preise auf dem größten Volksfest der Welt zum Thema gemacht werden. So könnten sich die Feiernden zum gewohnten Preis von elf bis zwölf Euro plus vier Euro Liefergebühr eine Maß Bier zu sich nach Hause bestellen - wohl eine Anspielung auf die hohen Trinkgelder.

Oktoberfest-Absage: Fans sind begeistert von „Wiesn-Lieferservice“

Ferner wären Weißwürste zum Preis von 7,50 Euro das Stück lieferbar, oder eine Schweinshaxn mit Knödel für schlappe 21,60 Euro. Alles nur Spaß - das tröstet vielleicht ein wenig über die Wehmut hinweg.

Viele Fans der Satire-Seite reagierten bei Facebook zumindest begeistert. „Das Essen wird dann mit der Rikscha geliefert und würde bei meiner Distanz von 1,5km zur Wiesn einfach mal schnell 50 Euro mehr kosten, was tut man nicht alles für ein wenig Oktoberfest Feeling *ggg*“, schrieb ein User.

Ein anderer Facebook-Nutzer meinte: „Gottseidank. Vielleicht könnte man noch den Rasen vom Kotzhügel in Kleinstparzellchen (ca. 15x15cm) abstechen und bei einer Bestellmenge ab fünf Maß p.P. der Lieferung beilegen.“

Und ein weiterer User schrieb: „Um das geliefert zu bekommen, muss man aber vorher einen virtuellen Tisch im virtuellen Bierzelt ergattern. Und da hängt es dann gewaltig.“

Nach Wiesn-Aus: Schausteller plädieren für temporäre Freizeitparks

Update, 11.16 Uhr: Nach der Absage des Oktoberfestes und anderer Volksfeste fordern die Schausteller einen Rettungsschirm für die Branche. 

Die finanzielle Situation der Schausteller sei dramatisch, sagte der Präsident des Deutschen Schaustellerbunds, Albert Ritter, dem Bayerischen Rundfunk am Mittwoch. „Wenn von staatlicher Seite ein Berufsausübungsverbot ausgesprochen wird, dann muss auch von staatlicher Seite geholfen werden.“ Ritter forderte außerdem zu prüfen, ob kleinere Volksfeste im späteren Jahresverlauf nicht doch möglich seien.

Auch der Süddeutsche Schaustellerverband sprach sich gegen ein generelles Aus für Volksfeste aus. 

Stattdessen könnte man sozusagen temporäre Freizeitparks errichten, die familienfreundlich seien, sagte der Verbandsvorsitzende Lorenz Kalb den „Nürnberger Nachrichten“ (Mittwoch). „Natürlich ohne Eintritt. Mit deutlich verbreiterten Besucherstraßen und gesteuertem Zugang zu den einzelnen Betrieben.“

Update 22. April, 8.48 Uhr: Beileibe nicht alle Menschen in München sind traurig, dass das Oktoberfest abgesagt wurde. Einige scheinen sogar ein wenig Schadenfreude zu verspüren. Das lässt auch ein Kommentar auf der Social-Media-Plattform Jodel erahnen.

„An alle, die ihr Zimmer während der Wiesn untervermieten und mit den Tausenden Euro (schwarz) gerechnet haben: Ich habe kein Mitleid mit euch“, feixt dort ein/e Münchner/in in einem Posting, das heftig diskutiert wird. 

Nach Oktoberfest-Absage: Münchner knöpft sich Wiesn-Profiteure vor - und löst heftige Debatte aus

Viele User wollen den Vorwurf so nicht stehen lassen. „Wenn ich in der Nähe wohne, auf Wiesn keinen Bock habe und die zwei Wochen zu den Eltern gehe und das (die Wohnung, Anm. d. Red.) vermiete, ist doch keinerlei Problem da“, ist in einem Kommentar zu lesen. Ein anderer Jodel-Nutzer verweist auf die bereichernden Bekanntschaften, die er als „Oktoberfest-Vermieter“ gemacht habe. 

Weiter unten im Thread findet sich aber auch Verständnis für die heftige Anklage: „Es geht nicht um das Vermieten an sich, sondern um die unverschämten Preise, die dabei aufgerufen werden“.

Oktoberfest-Aus wegen Corona: Wiesn-Wirte äußern sich - „Bis zuletzt gehofft“

Update, 21.55 Uhr: Selbst für die inzwischen nicht mehr so aktiven Wiesn-Urgesteine ist die Absage des Oktoberfests * ein absolutes Novum. „Wir haben es bis zum Schluss nicht glauben können“, sagt der ehemalige Wirt des Löwenbräuzelts, Ludwig Wiggerl Hagn, im Interview mit der tz. Dabei sei es angesichts der Corona-Lage weltweit kaum überraschend gekommen: „Hinter einer Schutzmaske ein Prosit der Gemütlichkeit anzustimmen, ist wohl eher ein Schmarrn“, sagt Hagn. Genauso wie Abstandsregeln auf der Bierbank.

Seit mehr als 60 Jahren werkelt Wiggerl Hagn auf der Wiesn, bekam dann 1979 sein erstes ganz eigenes Zelt. Nie gab es ein Jahr Pause. „Eine Wiesn muss jedes Jahr stattfinden“, sagt er auch heute noch. Nur heuer geht es halt nicht. „Ich bin nicht sauer auf den Bürgermeister, nicht einmal sauer auf Ischgl oder sonstwen.“ Nur über die Auswirkungen der Absage mache sich Wiggerl Hagn schon Sorgen: 1957 habe man wegen des Sinai-Kriegs den Münchner Fasching abgesagt. „Der hat sich seitdem nie erholt.“

Update, 20.30 Uhr: Offene Fragen bleiben nach der Absage der Wiesn auch für die Menschen, die ihren Besuch schon geplant haben - und schon Tische reserviert hatten. Die Wirte der großen Festzelte haben bereits angefangen, ihre Stammgäste über das Wiesn-Aus zu informieren, berichtet die tz. Wirtesprecher Peter Inselkammer macht ein wenig Hoffnung: „Vielleicht können wir ja denjenigen, die heuer schon reserviert hatten, im kommenden Jahr einen festen Platz anbieten.“

Währenddessen haben die Wirte selbst die Nachricht, dass die Wiesn aufgrund der Corona-Krise abgesagt wird, selbst noch nicht verdaut. „Ich liebe die Wiesn über alles – ihre Absage trifft mich ganz persönlich hart“, sagt Weinzelt-Wirt Stephan Kuffler gegenüber der tz

Inselkammer, Wirt des Armbrustschützenzelts, habe „bis zuletzt gehofft und gebangt“. So richtig realisiert hat Inselkammer die Nachricht noch nicht: „Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir ein Jahr ohne ein O‘zapft is! immer noch nicht vorstellen kann.“

Im exklusiven Interview mit der tz erklärt OB Reiter außerdem, wie es weitergeht - und ob die Wiesn 2021 nun sogar verlängert wird*.

Oktoberfest-Absage wegen Coronavirus: Gute Nachrichten von Münchner Brauereien

17.26 Uhr: Eine gute Nachricht gibt es für Wiesn-Fans: Das Oktoberfestbier werde trotz der Absage gebraut, teilte der Verein Münchener Brauereien nun mit. 

Hofbräu München beginnt mit dem Bierbrauen bereits nun im April. Etwa 15 Prozent des Oktoberfestbieres des Staatlichen Hofbräuhauses wurden laut Sprecher Stefan Hempl im vergangenen Jahr auf dem Oktoberfest getrunken - das waren 743.400 Maß. Insgesamt wurden aber rund fünf Millionen Liter gebraut, knapp die Hälfte davon für den Export. Der Rest ging in den Handel oder in die Gastronomie

Dieses Jahr wird es wohl etwas weniger Bier sein - schließlich sind Kneipen geschlossen und Volksfeste werden abgesagt. „Es wird wohl nicht in der Menge abgefragt werden wie sonst“, erklärt Hempl.

Wiesn-Chef entwirft nach Hiobsbotschaft finsteres Szenario: „Für viele droht wohl ...“

15.47 Uhr: Die Wiesn ist abgesagt, die Corona-Krise dringt immer mehr in den Alltag ein. Florian Thomä, Schausteller auf der Wiesn hat eine düstere Prognose - bis weit nach dem Oktoberfest.

14.37 Uhr: Die Absage des Oktoberfests darf nach Auffassung der Schausteller nicht die Blaupause für andere Volksfeste werden. „Das Aus des Münchner Oktoberfestes 2020 darf nicht automatisch das Aus aller deutschen Volksfeste bedeuten“, verlangte der Deutsche Schaustellerbund am Dienstag.

„Die Feste sind für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens“, hieß es. Die Wiesn-Absage dürfe „kein Indikator sein, andere Volksfeste ab Ende August in Deutschland zwingend und voreilig abzusagen“.

Das Oktoberfest sei weltweit das Aushängeschild und Flaggschiff der deutschen Volksfeste. Kein anderes Fest sei in den Medien so präsent, keines ziehe so viele Besucher in seinen Bann, sei Magnet für Millionen Touristen aus ganz Europa, Süd-Ost-Asien und den USA und begrüße bis zu 400.000 Besucher an einem einzigen Tag. Die Wiesn seien ein wunderbares Fest - aber nicht repräsentativ für die 9750 anderen deutschen Volksfeste.

Nach Absage des Oktoberfests: Wiesn-Chef entwirft düsteres Szenario: „Für viele droht wohl ...“

14.11 Uhr: Zahlen, die die Stadt München in ihrer Rathaus-Umschau präsentiert hat, belegen eindrucksvoll welche wirtschaftlichen Folgen die Wiesn-Absage haben könnte: Mehr als 500 Betriebe sind jährlich auf dem Oktoberfest: Vom Festzelt über Hendl- und Wurstbratereien über Karussellbetriebe und Schaubuden bis hin zu Brezn-, Mandel- oder Souvenirständen. 

Während der „Wiesn-Saison“ entstehen auf dem Oktoberfest etwa 13.000 Arbeitsplätze. 8.000 Beschäftigte werden in festem Arbeitsverhältnis angestellt, weitere 5.000 Personen finden als wechselnde Beschäftigte auf der Wiesn Arbeit.

13.06 Uhr: Die Oktoberfest-Absage komme nicht unerwartet, sagt Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU). „Sie trifft mich dennoch auch persönlich.“ Aber: „Oberste Prämisse muss sein, dass vom größten Volksfest der Welt keine gesundheitliche Gefahr für die Gäste ausgehen darf.“

Vom Festwirt über den Karussellbetreiber bis zu Sicherheitskräften, Bedienungen und Breznverkäufern: Für sie alle ist die Absage ein schwerer Schlag. Vor allem aber treffe sie die Schausteller, sagt Baumgärtner. „Diese Branche wird im Jahr 2020 keinerlei nennenswerte Umsätze generieren. Für viele droht wohl das wirtschaftliche Aus.“

Das Oktoberfest 2020 wurde aufgrund der  Corona-Pandemie abgesagt.

„Schon wegen der langwierigen Vorläufe bei der Planung und der Vergabe kann die Wiesn weder zeitlich verlegt werden noch in einem anderen Format stattfinden“, sagte der Festleiter. „Die Veranstaltung eines Notfestes würde die Marke Oktoberfest nachhaltig beschädigen. Das Gesamtkunstwerk Oktoberfest gibt es entweder ganz - oder gar nicht.“

12.56 Uhr: Das Oktoberfest 2020 wurde abgesagt. Nun sorgt ein Beitrag auf Twitter für große Verwirrung. Soll die Wiesn 2020 etwa in Nordrhein-Westfalen stattfinden?

Oktoberfest-Absage „darf nicht zum Totalschaden des Gastgewerbes führen“

12.14 Uhr: Für das ohnehin schwer gebeutelte bayerische Gastgewerbe ist die Absage des Oktoberfests eine neue Hiobsbotschaft. Verbandsgeschäftsführer Thomas Geppert sagte am Dienstag, die Entscheidung „darf nicht zum Totalschaden des Gastgewerbes führen, die Branche braucht den reduzierten Umsatzsteuersatz mehr denn je sowie einen Rettungsfonds.“

Die Absage sei „nicht nur für die Stadt, sondern weit darüber hinaus ein riesiger Verlust“. Aufgrund der wirtschaftlichen Verflochtenheit würden „weite Teile der Wirtschaft diesen Verlust deutlich spüren“.

11.12 Uhr: Das Oktoberfest 2020 in München ist abgesagt. OB Reiter und Ministerpräsident Söder verkündeten die Entscheidung. Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. Nicht alle potenziellen Gäste sind traurig, wie eine Auflistung zeigt

Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern? „Auch wenn Virus im nächsten Jahr kein Thema mehr ist ...“

10.40 Uhr: Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU) hat nach der Absage der Wiesn 2020 wegen der Corona-Pandemie eine Verlängerung des Oktoberfests im Folgejahr ins Spiel gebracht. „Sollte das #Oktoberfest abgesagt werden müssen, dann könnte man doch das Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern. Nur ein Vorschlag ...“, schrieb er bereits vergangene Woche auf Twitter.

Eine Verlängerung wäre eine Hilfe auch für die Schausteller und Wirte, denen die Einnahmen aus diesem Jahr fehlen, sagte Freller am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem könnte dies den Betrieb in den Zelten etwas entzerren. „Auch wenn das Virus im nächsten Jahr hoffentlich kein Thema mehr ist, schade das nicht.“ Zudem hätten Gäste aus dem Ausland so länger die Chance, einen Besuch nachzuholen.

10.34 Uhr: „Was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, ist ein halb leeres Bierzelt“, ergänzt Wirte-Sprecher Inselkammer. Rund um den Erdball kennen die Menschen die Bilder mit feiernden Menschen in bis auf den letzten Platz gefüllten Zelten. Festzeltbesucher mit Mundschutz wären ebenfalls schwer vorstellbar gewesen - nicht zuletzt wäre er unpraktisch bei einer wesentlichen Tätigkeit auf der Wiesn: „Ich stelle mir das Trinken damit etwas schwierig vor.“

10.09 Uhr: Die Wiesnwirte reagierten mit großem Bedauern, aber auch großem Verständnis auf die Oktoberfest-Absage. „Die Gesundheit unserer Gäste liegt uns besonders am Herzen und hat oberste Priorität“, sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer. Die Absage berühre auch die Wirte emotional.

Neben dem Oktoberfest stehen laut Ministerpräsident auch weitere Volksfeste im Freistaat im Spätsommer und Herbst vor der Absage. Wenn die Wiesn nicht stattfinden könne, dann gelte dies auch für „ähnlich Feste“, die im selben Zeitraum in Bayern stattfinden sollten.

Oktoberfest 2020 abgesagt: Reiter und Söder verraten, welche bitteren Folgen das haben könnte

„Da glauben wir auch, es wäre für unverantwortlich, das dort zu machen. Man kann nicht auf der Wiesn ein Bierzelt nicht machen, aber woanders.“

„Es geht nicht nur um das Oktoberfest, wir haben noch einige andere Feste, die auch kurz um die Zeit sind, sei es Gillamoos oder andere, über die wir hier ähnlich entscheiden müssen“, betonte Söder. Das Gillamoos-Volksfest in Abensberg sollte eigentlich Anfang September stattfinden. Aber auch das Herbstfest in Rosenheim war bislang für Ende August bis Mitte September geplant. Deren formale Absage scheint nach Söders Äußerungen nur noch eine Formsache. Andere, etwa das Gäubodenvolksfest in Straubing, sind schon abgesagt.

Auch Reiter betonte, es könne Volksfeste, vor allem natürlich das Oktoberfest, aber „auch andere in dieser Zeit einfach nicht geben“.

Oktoberfest 2020 abgesagt: Ist das der richtige Beschluss? Stimmen Sie jetzt ab!

9.55 Uhr: Eine Überraschung war es nicht mehr, was heute Vormittag verkündet worden ist. Aber können Sie die Entscheidung, das Oktoberfest 2020 abzusagen, auch nachvollziehen? Stimmen Sie jetzt ab!

9.12 Uhr: „Ein Bierzelt lebt eben nicht davon, dass die Leute Abstand halten“, führt Söder die soeben verkündete Entscheidung weiter aus. Das Zentrale Landwirtschaftsfest auf der Theresienwiese findet ebenfalls nicht statt. Für ihn und die Stadt München sei das Szenario ein „emotional und ökonomisch schwerer Moment“, sagt OB Reiter. Die Wiesn 2019 hatte nach Angaben der Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro.

Statement im Video: Söder und Reiter erklären, warum das Oktoberfest abgesagt werden muss

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9.05 Uhr: Auch Reiter lobt im Anschluss die gute Zusammenarbeit: „Es ist ganz, ganz wichtig, sich abzustimmen“. Der Münchner Oberbürgermeister erklärt, dass mehrere Herzen in seiner Brust schlagen würden. Reiter nennt die Absage eine „enorm bittere Pille“ und verweist auf die erheblichen wirtschaftlichen Folgen: „Alle werden das Oktoberfest im Geldbeutel vermissen“. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es habe aber wenig Sinn, der Bevölkerung noch länger Hoffnung zu machen. „Wir hoffen, dass wir es nächstes Jahr nachholen können“, erklärt Reiter. 

Oktoberfest-Absage wegen Corona: Reiter spricht von „enorm bitterer Pille“ - Söder merklich betroffen

9.02 Uhr: Jetzt geht es los. Reiter und Söder sind da. Söder beginnt mit einem Dankeschön an seinen Kollegen von der SPD: „Wir haben diese schwere Zeit für Bayern bislang hervorragend gemeistert. Das lag auch an Dieter Reiter“. Beide seien sie große Fans der Wiesn. „Normalerweise hätten wir ein großes Interesse, dass dieses Fest stattfindet. Aber wir leben in besonderen Zeiten“, sagt der Ministerpräsident und verweist auch auf die Vorfälle in Ischgl, die zu einer Verbreitung des Coronavirus beigetragen hätten.

Man sei übereingekommen, dass das Risiko einfach zu groß sei. „Abstand halten, geht einfach nicht“, sagt Söder. Halbalternativen seien nicht realistisch, „die Wiesn oder gar nichts“, verkündet der Ministerpräsident die Absage. Es sei unglaublich schade, bilanziert Söder merklich betroffen.

9.00 Uhr: „Bierzelte bieten sich als Virenschleudern naturgemäß an“, erklärt ein Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks (BR), kurz bevor das Polit-Duo vor die Presse tritt. Dass das Oktoberfest in diesem Jahr stattfinden kann, möchte auch er nicht glauben. In seiner Einschätzung rückt er die Belange der enorm gebeutelten Schausteller in den Fokus.

„Aktueller Stand“ oder Absage? Reiter und Söder äußern sich zum Oktoberfest 2020

8.55 Uhr: In wenigen Minuten betreten Dieter Reiter und Markus Söder das Podium in der Staatskanzlei, um die mit Spannung erwartete Entscheidung zu verkünden. Offiziell sprechen die beiden Politiker dann nur über den „aktuellen Stand“ bezüglich der Planungen.

8.32 Uhr: Während des Zweiten Weltkriegs fiel die Wiesn aus, um dann von 1946 bis 1948 nur als kleines „Herbstfest“ gefeiert zu werden. Seit diesem Zeitpunkt musste das Oktoberfest nie wieder abgesagt werden — ändert sich das heute?

Oktoberfest-Aus? Wirtin sorgt vor wichtigem Statement für Ärger - Münchner Politiker bringen Alternativen ins Spiel

8.20 Uhr: Wusste sie da schon mehr? Wiesnwirtin Verena Able (Marstall) schien sich bereits vor einigen Tagen mit der Absage des Oktoberfestes abgefunden zu haben. „Sehr wahrscheinlich bis 2021. Aber hey, ein Jahr vergeht schnell“, kommentierte sie ein Bild ihres Festzeltes auf Instagram. Passend dazu der Hashtag: #staystrongohnewiesn. Dem Vernehmen nach sollen andere Wirte wenig begeistert von Ables Vorstoß gewesen sein.

Update vom 21. April, 8 Uhr: In einer Stunde dürften die Münchner endlich Gewissheit haben, wie es um das diesjährige Oktoberfest bestellt ist. Die Tendenz ist klar: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) werden bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in der Staatskanzlei die Absage der Wiesn 2020 verkünden.

Oktoberfest-Absage wegen Corona: Manche Politiker hoffen auf Wende

Update, 22.55 Uhr: Obwohl sich die Hinweise, dass die Wiesn abgesagt wird, immer weiter verdichten (siehe unten), machen Stimmen aus dem Münchner Rathaus doch noch etwas Hoffnung. Wie die tz berichtet, wünschen sich mehrere Politiker ein kleines Fest statt der Wiesn*. Die Rede ist unter anderem von einem Fest in abgespeckter Form „in kleinem Rahmen“. Ein Vorschlag geht in die Richtung, ein kleines Fest, ohne Bierzelte, mit ein paar wenigen Fahrgeschäften, auszurichten. 

Oktoberfest 2020: Wiesn-Absage wegen Coronavirus? Stimmen aus dem Rathaus fordern etwas anderes

FW-Stadtrat Hans-Peter Mehling hält eine etwas größere Version der „Oiden Wiesn“ für denkbar. „Selbstverständlich wären vor allem Abstands- und Hygienebestimmungen dabei ausreichend sicherzustellen.“ 

Sich ein Hintertürchen offen lassen möchte Jörg Hoffmann (FDP). Womöglich verringere sich die Zahl der Infizierten noch drastisch – oder es werde ein Impfstoff gefunden. „Aber Stand jetzt sehe ich die Chance als sehr gering an. Und das stimmt mich traurig.“

CSU-Bürgermeister Manuel Pretzl sagt: „Ohne der Entscheidung von Stadt und Freistaat vorgreifen zu wollen: Ohne Impfstoff oder wirksame Medikamente halte ich es für schwierig bis unmöglich, eine derartige Großveranstaltung durchzuführen.“ SPD-Chef Christian Müller sieht es ähnlich: „Das Risiko einer großen Infektionswelle in der Folge erscheint im Moment zu hoch.“ Gleichzeitig sei es richtig, sich bei der Entscheidung Zeit zu lassen. „Eine Absage hat für viele Menschen wirtschaftlich ernste Konsequenzen.“ Die beschäftigen auch Grünen-Chefin Katrin Habenschaden. „Sollte die Wiesn abgesagt werden, muss man sich mit den wirtschaftlichen Folgen auseinandersetzen. Man könnte diskutieren, die Wiesn im kommenden Jahr zu verlängern, um die Absage heuer ein wenig zu kompensieren.“

Corona-Krise: Oktoberfest-Aus beschlossene Sache? OB Reiter und Söder geben Erklärung zur Wiesn ab

Erstmeldung 20. April 2020 - München - Spekulationen gab es bereits zuhauf: Wird die Wiesn aufgrund der Corona-Krise in diesem Jahr nicht stattfinden können? Zugegebenermaßen, aufgrund der aktuellen durch das Coronavirus* ausgelösten Situation standen die Zeichen schon seit einiger Zeit nicht gut. 

Offiziell entschieden war bislang dennoch noch nichts - doch das könnte sich nun am Dienstag (21. April) ändern. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) haben angekündigt, auf einer offiziellen Pressekonferenz gemeinsam über ihre Beratungen zur Absage des Oktoberfests zu informieren. Angekündigt ist der Termin für 9 Uhr. 

Oktoberfest 2020 wegen Corona-Krise in München abgesagt? Söder und Reiter informieren über Wiesn-Aus

Schon am Montagabend war die Tendenz jedoch klar: Wie die Bild berichtete, habe man aus internen Kreisen erfahren, dass das Aus für die Wiesn bereits feststehe. Das offizielle Statement von Söder und Reiter folgt allerdings erst noch. 

Bereits mehrere Tage vorab drang nach außen, dass Söder und Reiter bei dem Thema auf einer Linie seien. Es habe ein intensiver Austausch stattgefunden. Bereits am vergangenen Sonntag hatte Münchens OB Reiter die Hoffnung auf eine Wiesn während der Corona-Krise in München gedämpft. „Es ist derzeit einfach schwer vorstellbar, weil wir ja nicht nur von deutschen oder Münchner Verhältnissen reden, sondern von weltweiten Verhältnissen. Und wer das Oktoberfest kennt, weiß, dass es das größte Volksfest der Welt ist. Und da kann jeder erstmal sagen, für wie wahrscheinlich er das hält“, äußerte er sich gegenüber dem BR

Coronavirus in München: Söder spricht bei Regierungserklärung über Oktoberfest

Söder sprach außerdem bei seiner Regierungserklärung am Montag (20. April) kurz über das Oktoberfest. Er und Reiter seien „skeptisch“, ob „ein Fest in der Größe, mit der Internationalität und unter den Bedingungen überhaupt Sinn macht“, so der Ministerpräsident. 

Volksfeste wie das Gäubodenvolksfest in Straubing im August ereilten bereits die Absage. Großveranstaltungen sind zunächst bis Ende August verboten. Das vom 19. September bis 4. Oktober geplante Oktoberfest fällt zwar nicht in diesen Zeitraum. Wie sich die Corona-Lage* bis dahin entwickelt, ist allerdings nicht abzusehen.

Video: Söder hat große Zweifel: Diesjähriges Oktoberfest stark gefährdet

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Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand