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Nicht nur Corona im Fokus: Experten prognostizieren, wie ansteckend die Wiesn wohl wird

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Von: Miriam Haberhauer

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Bierselige Massen eng gedrängt in der dunstigen Enge der Zelte, Hunderttausende im Gedränge an Fahrgeschäften und Buden. Erreger haben leichtes Spiel auf dem Oktoberfest. Und das nicht erst seit Corona.

München – Ein paar Tage nach dem Wiesn-Auftakt begann in München regelmäßig das Gehuste: Wiesn-Grippe. Das war immer so, das gehörte dazu. Dann kam Corona – und jetzt auch noch die Affenpocken. Seit der letzten Wiesn 2019 hat sich die Welt verändert. Millionen Gäste aus aller Welt werden nun erstmals nach zwei abgesagten Oktoberfesten wieder in München erwartet – und mit ihnen auch diverse Erreger.

Oktoberfest 2022: Coronavirus und andere Erreger auf dem Vormarsch

„Wir wissen seit langem, dass die erste Welle der grippalen Erkrankungen im Herbst sehr stark mit der Wiesn zusammenhängt“, sagte kürzlich Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Universität München. Das Phänomen sei seit über 100 Jahren bekannt. „Die erste Herbstgrippe, die holt man sich auf dem Oktoberfest.“

Ärzte registrieren in der Zeit nach dem Oktoberfest nachweislich erhöhte Zahlen von grippalen Infekten – und zwar früher als in anderen Teilen des Landes. Für die Influenza ist das Volksfest hingegen fast zu früh, denn die „echte“ Grippe grassiert meist erst nach dem Jahreswechsel bis in den März hinein.

„Übertragungswahrscheinlichkeit ist hoch“ – Wiesn als Superspreading-Event?

Und Corona? Dass es eine Wiesn-Welle geben wird, daran zweifeln Mediziner nicht. „Natürlich wird es dazu führen, dass eine Erhöhung der Fallzahlen auftreten wird“, sagte Bogner. Auch der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner, hat klargestellt: „Für diejenigen, die auf die Wiesn gehen: Die Übertragungswahrscheinlichkeit dort ist hoch.“

In der Vergangenheit zeigte sich bereits mehrfach, dass nach Volksfesten die Infektionszahlen nach oben schnellten. Zuletzt stiegen die Inzidenzen nach dem Ende des Straubinger Gäubodenfestes explosionsartig an: Straubing wies am Montag – zwei Wochen nach Ende des Volksfests – laut Robert Koch-Institut (RKI) mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 667,9 bundesweit deutlich den höchsten Wert auf, an zweiter Stelle folgte der Landkreis Straubing-Bogen mit 650,6.

Trotzdem sehen Mediziner keinen Grund, das größte Volksfest der Welt abzusagen, das wegen seiner Internationalität noch eine größere Verbreitungswirkung haben könnte. „Wir brauchen wieder mehr Normalität und können uns das auch leisten“, sagt Bogner. Allerdings sei das Oktoberfest nicht „normal“, sondern seit jeher ein Ausnahmezustand. „Schon wegen der Menschenmassen, die dort zusammenkommen, ist es natürlich ein Ort, an dem Infektionskrankheiten grassieren können.“

Coronavirus - Bayern mit Lebkuchenherz
Nicht nur Lebkuchenherzen. Vom Oktoberfest wird so mancher Besucher auch Corona mit nach Hause nehmen. © picture alliance/Peter Kneffel

Schon im 19. Jahrhundert: Wiesn-Absage wegen Pandemie

Nicht umsonst waren zur Eindämmung der Corona-Pandemie Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen verboten. Auch vor fast 170 Jahren wurde die Wiesn wegen einer Pandemie abgesagt. In den Jahren 1854 und 1873 fand sie jeweils wegen des Cholera-Ausbruchs nicht statt. Der Seuche fiel auch die Frau Ludwigs I., Therese, zum Opfer, zu deren Hochzeit 44 Jahre zuvor die Wiesn zum ersten Mal stattfand und nach der die Theresienwiese noch heute benannt ist.

Heuer droht nicht die Cholera, aber neben Corona kursieren auch die Affenpocken. Gesundheitsexperten sind sich dennoch einig: Die Affenpockengefahr ist auf dem Volksfest gering, wenn man sich nicht sehr nahe kommt: Die überwiegende Mehrheit aller Infektionen trat bisher nach sexuellen Kontakten auf. Ein gewisses Risiko birgt die Wiesn durch ihre meist bierbedingte Enthemmung freilich schon.

Knochenbrüche, Schlaganfälle & Co.: Wiesn-Sanitäter sind vorbereitet

Trotz dicht gedrängter Massen wurden jenseits der Wiesn-Grippe Infektionserreger bisher offenbar eher selten ausgetauscht. Magen-Darm-Erkrankungen, Herpes, Krätze, Läuse – all das spielte zumindest keine größere Rolle. Erbrechen ist zwar ein typisches Wiesn-Phänomen, aber meist als Folge übermäßigen Alkoholgenusses.

Das „Hauptgeschäft“ für die Wiesn-Ärzte, aber auch für umliegende Kliniken, sind Verletzungen durch Schlägereien oder Maßkrug-Scherben und Alkoholräusche. Vereinzelt gibt es auch andere Erkrankungen – etwa Schlaganfälle und Herzinfarkte. „Alles das, was in einer mittelgroßen Stadt passiert – und das ist die Wiesn mit ihrer täglich sechsstelligen Besucherzahl – passiert auch hier“, sagt Michael Belcijan, Betriebsleiter der Aicher Ambulanz.

Das Aicher-Team bereitet sich derzeit auf die Wiesn vor – und plant auch Corona-Maßnahmen. Voraussichtlich werde für die Mitarbeiter der Sanitätsstation eine FFP-2-Masken-Pflicht gelten, von Patienten werde wahrscheinlich das Tragen einer medizinischen Maske verlangt. Regelmäßige Händedesinfektion und Lüftung seien generell Standard.

Die Bundesregierung hatte erst Ende August angekündigt, die Corona-Regelungen zum 1. Oktober erneut verschärfen zu wollen. Nach aktuellem Stand soll das Oktoberfest davon aber nicht betroffen sein. Stattdessen sollten sich Besucher im Vorfeld mit den Einlassregeln auf der Wiesn vertraut machen – an manchen Tagen sind sogar Kinderwägen verboten. (mlh/dpa)

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