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Frühstart auf dem Oktoberfest: OB Reiter zapfte schon kurz vor 12 Uhr an

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Von: Klaus Vick, Phillip Plesch

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Im Vollsprint ins Zelt: Nach stundenlangem Anstehen stürmen die ersten Wiesn-Gäste am Samstagmorgen über die Theresienwiese.
Im Vollsprint ins Zelt: Nach stundenlangem Anstehen stürmen die ersten Wiesn-Gäste am Samstagmorgen über die Theresienwiese. © Oliver Bodmer

Lange mussten die Wiesn-Fans darauf warten: Nach der Zwangspause wegen Corona durfte Münchens OB Dieter Reiter jetzt endlich wieder anzapfen - und war damit dann sogar ein bisschen früher dran, als geplant.

So richtig konnte es OB Dieter Reiter (SPD) wohl selbst nicht mehr erwarten. Es waren noch einige Sekunden bis 12 Uhr – da zapfte er das erste Fass Bier im Schottenhamel an. Ein klassischer Frühstart, würde man im Sport sagen. Der aber im Falle Reiters keine Disqualifikation für den Rest des Oktoberfests nach sich zog.

Wiesn-Start: OB Reiter brauchte drei Schläge, dann war das 187. Oktoberfest offiziell eröffnet

Drei Schläge hatte der OB benötigt, dann war am Samstag das 187. Oktoberfest offiziell eröffnet. In der Vergangenheit hatte es Reiter oft mit zwei Schlägen geschafft. Doch, um in der Sportlersprache zu bleiben: Nach den Absagen 2020 und 2021 sei der Trainingsrückstand zu groß gewesen, erklärte der OB mit einem Augenzwinkern. Aber egal: „Hauptsache, das Fest beginnt“, fügte Reiter an. So sahen das alle, nicht nur die Gäste aus der Politik. Wie üblich warteten am ersten Tag schon viele Menschen seit den frühen Morgenstunden, um in die Zelte auf der Theresienwiese kommen zu können. Das Festgelände war am Nachmittag schließlich gut gefüllt, ohne aber überfüllt zu sein.

700 000 Besucher strömten am ersten Wochenende auf die Wiesn.
700 000 Besucher strömten am ersten Wochenende auf die Wiesn. © Oliver Bodmer

Eine der ersten Massen, die die Anzapfbox verließen, ging unterdessen an das Gesangspaar Marianne und Michael – denen gleich ein Malheur passierte. Der Krug fiel von der Bank. Für Nachschub war aber schnell gesorgt, und Marianne nahm den Zwischenfall gelassen: „Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, wieder hier auf der Wiesn zu sein.“

OB Dieter Reiter benötigte drei Schläge beim Anzapfen im Schottenhamel-Zelt.
OB Dieter Reiter benötigte drei Schläge beim Anzapfen im Schottenhamel-Zelt. © Oliver Bodmer

Wiesn in München: „Das Oktoberfest muss sein“

Damit war die Tonlage vorgegeben. Denn auch auf der Empore in der Ratsbox war die Fest-Freude bei den Gästen aus Politik und Gesellschaft einhellig. Vergessen die Diskussionen, ob man die Wiesn nicht erneut wegen Corona oder wegen des Ukraine-Kriegs absagen sollte. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der als einer der ersten Ehrengäste in der Ratsbox auftauchte, sagte: „Das Oktoberfest muss sein, die Menschen brauchen auch in Krisenzeiten einen Grund zur Freude.“ Er glaube nicht, dass sich die Wiesn zu einem Corona-Desaster entwickeln werde. „Wir hatten bereits viele andere Volksfeste. Die hohen Inzidenzzahlen sind dort nicht in den Krankenhäusern angekommen.“

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sah in der Wiesn „ein Gefühl von Heimkommen und Wiedersehen“. Söder saß mit seiner Ehefrau Karin und dem Ehepaar Petra und Dieter Reiter einträchtig an einem Tisch. Die Wiesn sei „politische Friedenszeit“, sagte der Ministerpräsident, der mit Reiter schon den ein oder anderen Strauß ausgefochten hat. Söder trug im Gegensatz zu Reiter keine waschechte Lederhose, sondern einen Trachtenanzug, was der Franke so kommentierte: „Jeder soll anziehen dürfen, was er will – und auch singen dürfen, was er will.“ Eine Anspielung auf die Diskussion um den umstrittenen Song über die Bordell-Mutter „Layla“. Und der Song wurde wenig später im Zelt gespielt, was wohl einer Einlage des Comedians Sebastian Pufpaff für seine Sendung TV Total geschuldet war. Markus Söder hatte zuvor auch den vormaligen österreichischen Kanzler Sebastian Kurz begrüßt, der ebenfalls im Schottenhamel feierte.

In ungewohnter Eintracht: Karin und Markus Söder sowie Dieter und Petra Reiter (von links).
In ungewohnter Eintracht: Karin und Markus Söder sowie Dieter und Petra Reiter (von links). © Oliver Bodmer

Die SPD wollte eigentlich ihren Bundesvorsitzenden Lars Klingbeil begrüßen, dessen Flug nach München aber gestrichen wurde. Am Tisch der Grünen nahm dafür Bundeschefin Ricarda Lang Platz – ihr Debüt-Besuch auf der Wiesn. K. Vick/P. Plesch

Platz-Jagd im Himmel der Bayern: Gruppe wartete ab 4 Uhr morgens vorm Festgelände

Besser hätte es nicht laufen können. Punkt 9 Uhr kämpfte sich die Sonne durch die Wolkendecke und hüllte die Theresienwiese in einen glitzernden Schimmer. „Der liebe Gott muss a Bayer sein“, kommentierte ein Standlverkäufer. Ein paar Minuten später öffnete das Festgelände und im Vollsprint sicherten sich die Besucher einen Platz im Zelt.

Gut drauf: Nick Gloßner (rote Weste) und seine Freunde sicherten sich einen Platz im Hacker-Festzelt.
Gut drauf: Nick Gloßner (rote Weste) und seine Freunde sicherten sich einen Platz im Hacker-Festzelt. © Oliver Bodmer

Ganz vorn dabei: Nick Gloßner (21) und seine Freunde. Ab 4 Uhr hatte die Gruppe vor dem Eingang ausgeharrt, um als Erste im Zelt zu sein. „Wir wollen im Hacker-Zelt direkt vor der Bühne sitzen“, erzählte der Student. Der Plan ging auf, das Warten hat sich gelohnt, wie das Foto rechts beweist.„Alle waren gut drauf, die Wartezeit ist schnell vergangen“, so Gloßner. Er hat übrigens ein bisserl Sorge, dass die Wiesn wegen des Infektionsgeschehens vielleicht abgebrochen wird. Daher war der Frühstart so wichtig. pp

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