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Die Rückkehr der Rösser auf die Wiesn: Haflinger proben Trachtenumzug

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Von: Dominik Göttler

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Pferdezüchter Johann Kappelsberger mit seinen Haflingerstuten Filippa und Ovation.
Pferdezüchter Johann Kappelsberger mit seinen Haflingerstuten Filippa und Ovation. © Dominik Göttler

Die Pferde kehren auf die Theresienwiese zurück: Nach zwei Jahren Corona-Pause probt Johann Kappelsberger mit seinen Haflingern für den Trachtenumzug.

Dietramszell – Johann Kappelsberger steigt auf den Kutschbock, rückt noch mal seinen Hut zurecht und sagt: „So Madame, aufpassen!“ Ein kurzes Zeichen mit den Zügeln genügt, und seine beiden Staatsprämienstuten „Ovation“ und „Filippa“ setzen sich in Bewegung. Los geht die Kutschfahrt – mit zwei PS durch ein Waldstück bei Helfertsried im Süden von Dietramszell.

Kappelsberger, 65 Jahre alt, ist leidenschaftlicher Pferdezüchter. Mehr als 20 Haflinger stehen in seinem Stall. Am Wochenende werden zwei von ihnen, die erfahrene Ovation und die junge Filippa, beim traditionellen Trachten- und Schützenzug des Oktoberfestes im Einsatz sein. Und die Bier- und die Hopfenkönigin des bayerischen Brauerbunds in einer Kutsche, Typ Achenbach Jagdwagen, durch die Münchner Innenstadt ziehen – mit Johann Kappelsberger auf dem Kutschbock.

Aber vor der Kür mit mehr als 9000 Trachtlern, Schützen und Musikanten am Sonntag kommt das Training. „Die Leute wissen nicht mehr, wie sie sich neben den Rössern verhalten sollen“, sagt Kappelsberger. Deswegen muss er seine Stuten auf alles vorbereiten, was ihnen am Sonntag einen Schrecken einjagen könnte. Also raus auf die Staatsstraße, wo schon mal ein Lkw an der Kutsche vorbeirauscht oder ein Mountainbiker aus dem Feldweg schießt. Gleich dreimal vorbei an einem blauen Fass im Wald, bei dessen Anblick Filippa kurz gescheut hat, bis sie schließlich unbeeindruckt daran vorbeizieht.

Einmal sind sie ihm auch schon durchgegangen

Auf einem Forstweg zückt Kappelsberger sein Handy. YouTube, Stichwort Spielmannszug. Aus dem Smartphone dröhnt etwas blechern die Marschmusik. Ovation und Filippa juckt das nicht weiter, sie setzen unbeirrt einen Huf vor den anderen. „Ein gutes Zeichen“, sagt Kutscher Kappelsberger und nickt.

Klar, auf alles kann man sich nicht vorbereiten. Die Fahnenschwinger am Odeonsplatz zum Beispiel sind für die Gäste ein Spektakel, aber für die Pferde auch immer etwas heikel. Oder die leidigen Trambahngleise, die für die Pferde rutschig und für die Kutsche zur Falle werden können. Deswegen ist für Johann Kappelsberger der schönste Moment bei einer Großveranstaltung wie dem Wiesn-Umzug oder der Tölzer Leonhardifahrt immer der, wenn seine Pferde wieder sicher und gesund angekommen sind (alles zu den Wiesn-Reservierungen).

Einmal sind sie ihm auch schon durchgegangen. Nicht bei einem Umzug, sondern beim Training. „Da hab ich eine Ehrenrunde in der Wiese gedreht.“ Und danach waren die Hände blau vom Zügelhalten. So ist das halt. „Wer behauptet, so was sei ihm noch nie passiert, der ist noch nie Kutsche gefahren.“

„Mich fasziniert die Schönheit und die Intelligenz dieser Tiere“

Die Liebe zu den Pferden begleitet Johann Kappelsberger eigentlich seit er denken kann. „Mich fasziniert die Schönheit und die Intelligenz dieser Tiere“, sagt er – und lässt seine beiden Stuten mit einem kurzen Kommando das Tempo anziehen. Als Dreijähriger saß er zum ersten Mal beim Tölzer Leonhardi auf der Kutsche. Mit 16 bekam er sein erstes Pferd. Vor mehr als 35 Jahren war er zum ersten Mal auf dem Zentralen Landwirtschaftsfest auf der Wiesn dabei. Und 2011 erhielten er und seine Mitstreiter bei der Pferdewallfahrt nach Rom von Papst Benedikt den Angelussegen auf dem Petersplatz. „Ein Gänsehautmoment“, sagt Kappelsberger und lächelt. Ein Foto davon hängt bis heute in seinem Stall.

Als vor zwei Jahren mitten in der Pandemie-Hochphase zu Leonhardi das öffentliche Leben still stand und auch die Pferdeprozession abgeblasen wurde, holte er seine Haflinger trotzdem aus dem Stall. Und fuhr allein mit der Kutsche zur nahe gelegenen Kapelle Maria Elend. Ohne Zuschauer, ohne Getöse. Doch die stille Zeit ist vorbei. Und Johann Kappelsberger findet das gut. Dass seine Rösser nach zwei Jahren Corona-Pause jetzt endlich wieder bei Großveranstaltungen mitmachen dürfen, macht ihn glücklich. „Nur wenn wir dieses Brauchtum aufrechterhalten, bleibt auch die Wertschätzung für die Pferde“, sagt er, nachdem er Ovation und Filippa zurück auf dem Hof auf die Koppel entlassen hat. DOMINIK GÖTTLER

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