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Glänzende Geschirre für die Wiesn-Pferde: „Wir fangen im Juli mit dem Putzen an“

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Von: Phillip Plesch

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Christian Lindner ist Bayerns jüngster Sattler. In Forst bei Wessobrunn haben er und seine Familie seit über 100 Jahren ihre Werkstatt
Christian Lindner ist Bayerns jüngster Sattler. In Forst bei Wessobrunn haben er und seine Familie seit über 100 Jahren ihre Werkstatt © Achim Schmidt

Er spielt beim Einzug der Wiesn-Wirte eine wichtige Rolle – und arbeitet doch im Hintergrund. Christian Lindner fertigt die Geschirre für die Pferde-Gespanne. Wir haben ihn in seiner Heimat besucht.

München - Wiesn für Wiesn ist es ein beeindruckendes Bild: Beim Einzug ziehen stattliche Pferde im Gespann Kutschen mit Wiesn-Wirten und Politikern hinter sich her. Durch die Stadt geht es auf die Theresienwiese. Ein Mann im Mittelpunkt ist Christian Lindner. Nein, nicht der Finanzminister. Sondern Christian Lindner, Sattlermeister aus Forst (Kreis Weilheim-Schongau). Er kümmert sich für fünf der sechs großen Münchner Brauereien um die Geschirre für die Pferdegespanne. Im Rampenlicht steht er nicht. Denn seine Arbeit hat er schon vor dem Wiesn-Start erledigt.

In unserem News-Ticker könnt ihr den ersten Tag der Wiesn live mitverfolge, samt Fassanstich von OB Dieter Reiter.

„Wir leben für die ganze Sache“

„Wir fangen im Juli mit dem Putzen an, dann heißt es über zwei Monate Vollgas“, berichtet Lindner. Die Geschirre von Paulaner und Hacker-Pschorr lagern auf dem heimischen Hof. Die Geschirre von Löwenbräu, Augustiner und Hofbräu werden bei Bedarf vorbeigebracht. „Vor der Wiesn werden sie komplett auseinandergeschnallt, auf dem Hof mit Wasser und Seife gewaschen, dann getrocknet und komplett mit Fett und Creme eingerieben, damit das Leder wieder Leben bekommt“, berichtet der Sattlermeister. Zudem werden Metallteile poliert und teils repariert oder neu gemacht. Für das größte Volksfest der Welt soll alles tipptopp aussehen. „Wir leben für die ganze Sache“, sagt Lindner. Dafür wird auch mal eine Nachtschicht eingelegt (alles zu den Wiesn-Reservierungen).

Wenn Christian Lindner – mit 24 Jahren einer der jüngsten Sattlermeister Bayerns – von wir spricht, meint er seine Familie. Denn bei den Forster Lindners hat die Sattlerei Tradition. Christian Lindners Urgroßvater errichtete 1911 den Hof, auf dem die Lindners noch heute leben. Immer wieder wurden Bauten drangesetzt, aber das Grundgerüst gibt es nach wie vor. Seit über 100 Jahren geben die Lindners den Beruf mitsamt heimischer Werkstatt an die nächste Generation weiter. „Ich habe auch woanders Praktika gemacht, aber eigentlich war es schon immer klar, dass ich Sattler werde“, sagt der 24-Jährige. Besonders gefällt ihm das große Spektrum: Geschirre, Sättel, Reparaturen, Bulldog-Verdecke, Planen für Lkw, Polsterarbeiten. Und Leder sei ein tolles Naturmaterial.

Seit den 1960ern kommen die Wiesn-Geschirre aus Forst

Zu der Ehre, sich um die Wiesn-Geschirre kümmern zu dürfen, kamen die Lindners Anfang der 1960er Jahre. Christians Opa machte für einen Landwirt aus dem Dorf ein Geschirr. Da er dachte, es könnte eines der letzten sein – denn der Traktor war auf dem Vormarsch –, machte er es besonders schön. In Peißenberg bei der Leonhardifahrt gefiel es einem Vertreter der Löwenbräu-Brauerei so gut, dass er auch ein paar Teile von Lindners fertigen ließ. 1964 gab es ein Wiesn-Geschirr für Löwenbräu aus rotem Leder. Das Aufsehen war groß, der Rest ist Geschichte. Die anderen Brauereien folgten. Bis nach Japan und Montreal haben es die Geschirre aus Forst schon geschafft. Viele Brauereien deutschlandweit fragen hier auf dem Hof am Guggenberg an. Erst dieses Jahr fertigte die Familie das Vierergespann fürs Münchner Kindl Bräu. „Das finde ich schon cool“, sagt Lindner stolz.

In der heimischen Werkstatt fühlt er sich wohl. Im Vorraum stehen fertige Sättel und Geschirre, eine Schrankwand ist mit verschiedenfarbigen Ledern gefüllt. Im Hauptraum gibt es unterschiedliche Arbeitsstationen. Alles geht Hand in Hand. Die Wände sind mit Werkzeugen, Erinnerungsfotos und den Meisterbriefen der Familie geschmückt. Aus dem Radio läuft Hintergrundmusik. Alles, was hier gefertigt wird, ist quasi ein Unikat. „Ich setze mir das als Kriterium, dass nichts gleich aussieht“, erklärt Lindner. „Die Leute zahlen viel Geld dafür und sollen dann auch etwas Besonderes haben – dafür nehme ich mir auch die Zeit.“

Dass sich die Arbeit lohnt, merkt Lindner, wenn die Geschirre im Einsatz sind. Menschen aus der ganzen Welt bleiben stehen, machen Fotos mit den Pferden und freuen sich. Die Atmosphäre macht es für Lindner aus. Sie ist, so wie sein Job, etwas Besonderes. VON PHILLIP PLESCH

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