Brauereien geben Kostprobe

So schmeckt das Bier auf dem Oktoberfest 2015

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Bierprobe am 14. September 2015.
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Bierprobe am 14. September 2015.
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Bierprobe am 14. September 2015.
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Bierprobe am 14. September 2015.

München - Einige Tage vor der Wiesn hat der Verein Münchener Brauereien zur Oktoberfest-Bierprobe eingeladen. Die Gäste wurden vom Münchner Kindl, Laila Noeth, und den vier Hinterberger Musikanten empfangen.

Ort der Bierprobe war am Montagabend das Bier- und   Oktoberfestmuseum in München. Zum ersten Mal war die neue Chefin der Brauereien Franziskaner, Löwenbräu und Spaten, Katrin Schilz, dabei. Steinfatt begrüßte die Gäste in der Gotischen Stube des Museums, besonders Wiesnstadtrat Georg Schlagbauer, der „seinen dreitägigen Jahresurlaub extra unterbrochen hat“.

Anders als im vergangenen Jahr gab es bereits vor der Bierprobe frische Brezn mit diversen Aufstrichen, damit „alle die Bierprobe gut überstehen“, so Steinfatt. Wirtesprecher Toni Roiderer war krankheitsbedingt verhindert, so hat sich sein Vertreter, Georg Heide, im Namen der Wiesnwirte mit dem XL-Wirtekrug 2015 bei den Brauern für das hervorragende Wiesnbier bedankt.

Von Lorenz Stiftl, Sprecher der „Kleinen Wiesnwirte“, gab es den neuen Quartl-Krug (0,25 Liter). Serviert wurden dann den Brauerei-Bossen, Bernhard Klier (Spaten), Dr. Martin Leibhard (Augustiner), Dr. Michael Möller (Hofbräu), Heiner Müller (Paulaner), Katrin Schilz (Löwenbräu) und Andreas Steinfatt (Hacker-Pschorr) sowie den  Wiesn-Wirten-Vertretern des Münchner Stadtrates und der Presse, die Oktoberfestbiere der sechs Münchner Traditionsbrauereien: Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten und dem Staatlichen Hofbräuhaus. 

Wie sang schon früher der Roider Jackl (Jakob Roider, Bayerischer Volkssänger):  „Gebt‘s mir oan halberten Eimer gutes g'süffiges Bayerisches Bier". Das Bier wurde natürlich nicht aus Eimern, sondern aus Gläsern, passend zu den Bieren, getrunken. Andreas Steinfatt überreichte Bürgermeister Josef Schmid (CSU) eine gelbe und eine rote Karte mit der Bitte, er solle doch auf die Einhaltung der Zeitvorgaben zu achten. Im Vorfeld habe man sich geeinigt, dass das Wiesnbier zwar gelobt werden soll, aber bitte nicht zu lange.

Witzig und geistreich moderiert von Andres Steinfatt haben die Braumeister der sechs Münchner Brauereien danach ihre Biere vorgestellt. Von Rolf Dummert (Hofbräu) haben die Gäste eine neue Betrachtungsweise des Hofbräu-Bieres gelernt. Aus „pharmakologischer Sicht“ verlas er den Beipackzettel für das Hofbräu Bier, „eine schwach alkoholische Lösung von Gerstenmalzauszügen, angereichert mit Huzmulus Lupulus, einer Gattung der Hanfgewächse aus der Familie der Rosales“. Anzuwenden z.B. zur Vermeidung von Unterhopfung und zur Behandlung von Durstgefühlen. Nicht anzuwenden bei Minderjährigen und in der Schwangerschaft. Einzunehmen in den frühen Abendstunden mit einer üblichen Dosis von 2-3 Maß. Zu den Nebenwirkungen zählen unter anderen bei über 5 Mass Kopfschmerzen und ein Verlust der Orientierung.

Noch bevor Dummert den restlichen Beipackzettel verlesen konnte, gab es, von Steinfatt lautstark gefordert, die Rote Karte. Das Hofbräu Wiesnbier hat eine Stammwürze von 13,7% und einen Alkoholgehalt von 6,3%, einen „markanten, malzbetonten Körper und eine gut eingebundene Hopfenbittere“. Kurz und knapp danach Andreas Höflinger (Hacker-Pschorr), da er „die Aufforderung heute etwas kürzer“ ernst genommen hat. Das Hacker-Pschorr ist wieder das dunkelste Bier, mit 6,1% Alkohol sei man allerdings „etwas über das Ziel hinausgeschossen, was dem Bier aber sehr gut tut“.

Höflinger: „Wir nehmen vier Zutaten und haben wieder ein phantastisches Bier gebraut. Wer Hacker kennt und es lieb hat braucht nur drei Worte: Himmel der Bayern“. Das Hacker-Pschorr Wiesnbier hat eine Stammwürze von 13,7%, ist malzaromatisch mit blumig anmutenden Hopfenaromen. Christian Dahnke (Paulaner) wunderte sich „was die Kollegen für eine Zeit haben sich vorzubereiten und Reden zu schreiben“. Er sei wohl der einzige Braumeister, der sich noch ums Bier kümmert. Zu Rolf Dummert: „Wir brauchen bei Paulaner dieses Jahr keinen Beipackzettel.“ Mit einer Stammwürze von 13,6 % einem Alkoholgehalt von 5,9% und ausgewogenen Hopfen- und Malzaromen könnte man bei Paulaner vielleicht auch noch die vierte Maß ohne Nebenwirkungen trinken. Harald Stückle (Spaten) bedankte sich zunächst bei dem Boss der Schausteller, Edmund Radlinger, für einen „tollen Tag auf dem Frühlingsfest, es war ein super Tag, es hat richtig Spaß gemacht“. Dies zeige auch die „tiefe Verbundenheit zwischen den Münchner Brauern, den Wiesnwirten und den Schaustellern“.

Zum „Hype Craft-Bier“ sagte Stückle, dass die Definition des Craft-Biers eine handwerkliche Braukunst sei und somit die Münchner Brauer einer der ältesten Craft-Bier Brauer auf der Welt sind. Eine „Hommage an das Spaten Bier“ bezeichnete Stückle sein Gedicht in vierzehn Versen. Es endet mit „Anmutig gibt es sich und das war nur der Text, am besten schmeckt das Spaten auf dem Oktoberfest.“ Das Spaten-Wiesnbier ist leuchtend gelb, mit einer Balance von Süße & Bittere, hat eine Stammwürze von 13,7% und mit einem Alkoholgehalt von 5,8% das Leichteste.

Moderator Steinfatt bedankte sich zunächst bei den „Apothekern und Poeten“, allerdings hätten sich nicht alle an die Zeitvorgaben gehalten. Mit Michael Müller (Löwenbräu) ging es poetisch weiter. Nach der Löwenbräu-Prosa im letzten Jahr habe er sich dieses Jahr für die Lyrik entschlossen und „den Löwenbräu-Vierzeiler“ gedichtet. Ein Tipp von Müller an die Biertrinker auf der Wiesn: „Hopfen und Malz erleichtern die Balz“. Zum Schluss gab er noch ein lautes Löwengebrüll zum Besten. Das Löwenbräu Wiesnbier hat eine Stammwürze von 13,8 %, einen Alkoholgehalt von 6,0 % und hat eine ausgeprägte feinherbe Hopfenbittere. Großes Gelächter bei den Gästen als Steinfatt Christian Dahnke zitierte: „Als Löwe begonnen, als Bettvorleger geendet“. Steinfatt zu Müller und Stückle: „Falls es mit dem Bier nicht mehr hinhaut, könnt Ihr Euch beim Staatstheater bewerben“.

„Es ist alles gesagt, aber nicht von jedem“ so Werner Mayer (Augustiner) bei der Vorstellung seines Bieres. Zum „pharmakologischen Ansatz“ zitierte er einen Satz eines Kollegen: „Jeder Tag ohne Augustiner ist ein Gesundheitsrisiko“. Zu Andreas Höflinger: „Du hast gesagt wir sind die Dunkelsten, da fällt mir nur eines ein, wir sind die Hellsten“. Lauter Gelächter bei dem Einwurf von Steinfatt: „Ihr hab aber das dunkelste Zelt“. Mayer: „Trinkt es, probiert es, dann spürt‘s es. Weich süffig harmonisch rutscht es die Kehle runter und erzeugt den Drang nach mehr“. Augustiner ist das stärkste Bier auf der Wiesn mit 6,4% Alkohol, die Stammwürze beträgt 13,7%. Milde Malzaromen werden ergänzt durch blumige Hopfentöne. Da die Bierverkostung bei allen Teilnehmern einen großen Appetit ausgelöst hatte, wurden im Anschluss die bayerischen Schmankerln mit Begeisterung verspeist. Musikalisch untermalt von den  4 Hinterberger Musikanten, "a gmiatliche und echte Musi". Dass Bier ein verbindendes Gesellschaftsgetränk ist, bestätigten die langen und intensiven Diskussionen bis in die späten Abendstunden.

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Was heißt eigentlich Oktoberfestbier?

Der Begriff "Oktoberfestbier" ist als Marke geschützt (Register-Nummer 1040818). Diese Marke darf ausschließlich von den 6 Münchner Traditionsbrauereien  genutzt werden. Bier der Marke "Oktoberfest-Bier“ wird speziell zum Münchner Oktoberfest gebraut und muss die dafür klar festgelegten Voraussetzungen erfüllen. Zum Beispiel muss das Bier mindestens 13,5 % Stammwürze haben und ausschließlich auf Münchner Boden gebraut sein.

Nur Bier, das aus einer dieser Brauereien stammt, darf auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden. Jeder gastronomische Betrieb, der "Oktoberfest-Bier“ von einer der Münchener Mitgliedsbrauereien ausschenken und mit "Oktoberfest-Bier“ bewerben möchte, muss den Namen der entsprechenden Mitgliedsbrauerei eindeutig und unverwechselbar mit angeben. Selbstverständlich wird dieses Bier aus reinen Naturprodukten hergestellt und entspricht dem Münchner Reinheitsgebot von 1487.

Nach dem  Reinheitsgebot sind Wasser, Malz, Hopfen und Hefe die einzigen Rohstoffe, die für die Bierherstellung in Bayern verwendet werden dürfen. Das Reinheitsgebot schrieb zunächst ausdrücklich Gerste vor, da der wertvollere Weizen oder Roggen den Bäckern vorbehalten war. Später wurde das Reinheitsgebot erweitert und die Brauer durften Weizen und Roggen wieder verwenden. ih

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