Der gemütliche Festteil auf der Wiesn

Feiern wie früher auf der Oidn Wiesn

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Volle Kraft voraus heißt es bei der dicken Berta, einer Art historischen Version des Wiesn-Klassikers Hau den Lukas.

München - Bereits zum fünften Mal bietet die Oide Wiesn einen Rückblick auf vergangene Zeiten – und eine Zuflucht für jene, die dem Trubel des großen Festgeländes entfliehen wollen.

Samstagabend am Italienerwochenende auf dem Oktoberfest, die Theresienwiese ist wie erwartbar übervoll. Im Gedränge hört man Englisch, Russisch, Chinesisch. Das ganze Oktoberfest ist von internationalen Bierdurstigen besetzt. Das ganze Oktoberfest? Nein! Denn es gibt ja – etwas abseits vom Trubel – die Oide Wiesn. Hier sind die Einheimischen noch in der Überzahl, Touristen sieht man nur vereinzelt. Dafür tummeln sich hier Familien, Kinder und ältere Wiesngänger.

Familienfreundlich ist die Oide Wiesn. Das nutzen auch Jens und seine Enkelin Viviane.

Die Atmosphäre der Oidn Wiesn ist deutlich entspannter als die des großen Festgeländes. Lange Warteschlangen vor den Fahrgeschäften gibt es so gut wie nicht, und auch alkoholbedingte Totalausfälle beobachtet man hier deutlich seltener. Stattdessen vergnügen sich die Leute auf historischen Karussells, beim Armbrustschießen oder auf der Tanzfläche des Festzeltes Tradition. Und wem der Sinn nach etwas mehr Spannung steht, der kann im Motodrom mutige Motorradartisten bei ihren Kunststücken an der Steilwand beobachten.

Volle Bierzelte gab es am Samstagabend auch auf der Traditionswiesn, hier im Museumszelt.

Die entspannte Atmosphäre der Oidn Wiesn gefällt auch dem Ehepaar Wünschel, das sich am Samstagabend wie viele andere zum Zuschauen vor der Dicken Berta – einer Art Oide Wiesn Variante von Hau den Lukas – eingefunden hat. Eigentlich teilen die beiden Rentner ihr Leben gerade zwischen Frankreich und den Philippinen auf, kehren aber einmal im Jahr für die Wiesn nach München zurück. Ein Besuch auf der Oidn Wiesn ist für sie ein Muss: „Hier gibt es weniger betrunkenes Gegröle und die Stimmung ist allgemein entspannter“, findet Hans Wünschel. „Die Oide Wiesn ist authentischer“ ergänzt seine Frau Annette.

Eingeführt wurde die Oide Wiesn zum Oktoberfest-Jubiläum 2010. Eigentlich war sie nur als einmaliger Rückblick in vergangene Zeiten gedacht, kam bei den Wiesnbesuchern aber so gut an, dass das historische Oktoberfest im Süden des Festgeländes seinen festen Platz neben dem modernen großen Bruder bekam. Seitdem statten jährlich mehr als eine halbe Million Menschen der Oidn Wiesn einen Besuch ab.

Doch nicht jedem sagt die Entspanntheit des Traditionsfestes zu. Studentin Jana Rodenmaier vermisst die Feierstimmung auf dem historischen Festgelände. „Wenn man irgendwann mal Kinder hat und mit denen auf die Wiesn will, ist es, glaub ich, ganz schön. Für uns ist es fast ein bisschen zu ruhig“, sagt sie, und ihre Freundin Elena Schuhbeck stimmt zu: Hier geht man eher zum Essen und zum entspannten Bummeln hin“, findet sie. Die beiden wollen sich deshalb heute auf jeden Fall noch ins Getümmel der „modernen“ Wiesn stürzen.

Das Bier aus dem Steinkrug, für das die Oide Wiesn bei den Münchnern mittlerweile berühmt ist, hätten sie hier ohnehin nicht mehr probieren können. Denn in einem steht die Oide Wiesn dem modernen Oktoberfest in nichts nach: Am Samstagabend des Italienerwochenendes ist auch hier im Bierzelt beim besten Willen kein Platz mehr zu bekommen.

Im nächsten Jahr werden die Anhänger des historischen Oktoberfestes übrigens leider auf ihre Oide Wiesn verzichten müssen. Dann muss das „Mini-Oktoberfest“ dem Zentral-Landwirtschaftsfest weichen, das alle vier Jahre auf dem Gelände stattfindet. 2017 aber sind Steinkrüge, Dicke Berta und Museumszelt dann wieder zurück auf der Theresienwiese.

Von Annika Schall

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