15 Prozent der Plätze an Einheimische

Neuer Plan: Wiesn-Tische nur für Münchner!

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Auf der Wiesn tummeln sich Oktoberfest-Touristen aus aller Welt. Für die echten Münchner bleibt da vor allem in den Zelten oft kein Platz mehr. Das soll sich ändern.

München - Mit einem neuen Plan will Oktoberfest-Chef Josef Schmid das größte Volksfest der Welt den Münchnern wieder etwas zugänglicher machen. Er will Teile der Wiesn-Tische nur an Einheimische vergeben, die sich mit ihrem Ausweis vorher registriert haben. 

Wiesn-Chef Josef Schmid

Das größte Volksfest der Welt lockt Besucher aus aller Herren Länder, 6,3 Millionen waren es im Vorjahr. Und für die Einheimischen bleibt bei dem ganzen Reservierungswahnsinn kaum noch ein Platz in den Zelten. Damit soll jetzt Schluss sein, ein bisschen zumindest. Wiesn-Chef Josef Schmid (44) will künftig an Samstagen, Sonn- und Feiertagen 15 Prozent der Mittagsplätze nur für Münchner freihalten. Die tz erklärt den Schmid-Plan und was er noch so alles vorhat für das am 19. September beginnende Bier-Spektakel.

Wie ist es aktuell geregelt?  Bislang gilt: Bis 15 Uhr werden 50 Prozent der Zeltplätze über Reservierungen vergeben, die zweite Hälfte muss frei zur Verfügung stehen und erklären die Mega-Schlangen vor den Zelten. Nach 15 Uhr sind  noch 35 Prozent frei und 65 Prozent fest vorab vertickt.

Wie soll es künftig sein? „Abends bleibt alles wie bisher“, sagt Schmid. Doch bis 15 Uhr soll die Regel künftig lauten: 35 Prozent frei, 50 Prozent Reservierung und 15 Prozent für Wiesn-Gänger mit Wohnsitz in der Stadt. „Wir müssen das Oktoberfest wieder mehr für den Otto-Normal-Münchner zugängig machen“, fordert Schmid, der als Bürgermeister (CSU) und Wirtschaftsreferent seiner zweiten Runde als Wiesn-Boss entgegenblickt.

Wie lässt sich diese Regelung umsetzen? Zunächst muss der Plan von den Stadträten goutiert werden. „Wir machen das Ende April in einem interfraktionellen Arbeitskreis zum Thema“, erklärt Schmid. Geht es durch, sieht er für die praktische Umsetzung kein Problem. „Die Münchner gehen dann mit Ausweis in eine Gaststätte des Wiesn-Wirts oder in sein Reservierungsbüro - dann kriegt er seinen Tisch.“ Genauso machte es im Vorjahr Toni Winklhofer mit seinem Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn. Sein Beispiel soll jetzt in allen 14 großen Zelten Schule machen. „Da gab es zwar lange Schlangen an den Reservierungsschaltern, aber am Ende viele zufriedene und glückliche Münchner.“

Wie viele Verzehrgutscheine müssen vorab abgenommen werden?  Laut Schmids Plan: gar keine! „Der Gast muss nur das bezahlen, was er isst und trinkt.“ Und der Wiesn-Boss will der „preislichen Turbo-Entwicklung“ weitere Bremsen  einbauen. Für Reservierungen sollen künftig für Mittelschiff-Plätze maximal zwei Mass und ein Hendl pro Person fällig sein und für Boxenplätze noch zehn Euro Verzehrbon obendrauf. „Das muss reichen.“ Ausgenommen von der Mindestabnahme-Regelung sind die Party- und Promitempel Käfer und Weinzelt. Dort wird der Mindestverzehr jedoch auf 80 Euro pro Gast gedeckelt.

Ab wann gelten die neuen Regeln? Falls sie die Stadtratshürden nehmen, gleich ab der heurigen Wiesn. „Das ist mein Ziel, damit den Münchnern wieder ein Stück von ihrem Fest zurückgegeben wird.“ Denn abends ist für Spontanbesuche ohnehin kein Drandenken mehr: Hier sind alle Plätze schon an Stammkunden vergeben. „Unter Vorbehalt“, wie es heißt, weil die Gastronomen vom Stadtrat im Mai jedes Jahr aufs Neue als Wiesn-Wirte bestätigt werden müssen.

Stefan Dorner

Das sagen die Wirte

Wirtesprecher Toni Roiderer

Mehr Plätze für die Münchner? An sich eine gute Sache. Wirte-Sprecher Toni Roiderer  (Hackerzelt) ist allerdings mehr als skeptisch, was die Umsetzung angeht. „Prinzipiell begrüßen wir jede Idee, die zur Verbesserung der Reservierungsregelungen beiträgt“, sagt der Wiesn-Wirt. „Aber wie will man sicherstellen, dass auf diesen Plätzen wirklich nur die Münchner sitzen? Und selbst wenn man bei der Reservierung den Wohnort mit dem Personalausweis kontrolliert, könnte derjenige immer noch den Platz für seine Spezln aus Niederbayern freihalten.“ Eine Reservierung ohne Mindestverzehr hält er für gar keine gute Idee - gerade an den besucherstarken Wochenenden und Feiertagen. „Am besten Tag und zur besten Zeit ist das unmöglich. Im schlimmsten Fall kommt derjenige nicht, der reserviert hat - aber wir müssen ihm den Platz freihalten!“

Die Wirtefamilie Steinberg (Hofbräuzelt)

Auch Wirte-Kollege Günter Steinberg  (Hofbräuzelt) stört sich ein wenig am fehlenden Mindestverzehr. „Wenigstens eine Mass Bier und ein halbes Hendl pro Person sollten schon drin sein. Das ist wichtig für die Küchenplanung und für uns eine Art Garantie, dass der Gast auch wirklich kommt.“ Prinzipiell findet er den Vorschlag von Josef Schmid aber nicht schlecht. „Es ist ja in unserem Interesse, mehr für die Münchner zu machen - es ist also ein Schritt in die richtige Richtung. Mir wären sogar 20 Prozent freie Plätze für die Münchner noch lieber“, sagt der Chef vom Hofbräuzelt.

CMY

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