Oktoberfest-Sanitäter: „Wir sind auf alles vorbereitet“

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Helfer in der Not: Jürgen Terstappen (li.) und Frithjof Wagner arbeiten für das Bayerische Rote Kreuz auf der Wiesn.

Am Mittwoch wurde die Sanitätsstation für das Oktoberfest 2017 vorgestellt. „Wir sind auf alles vorbereitet“, betonen die Ärzte.

„Überwachungsbereich für alkoholisierte Patienten“ nennen die Mitarbeiter vom Roten Kreuz das Zimmer mit den 15 Liegen – den Ausnüchterungsraum auf der Wiesn-Sanitätsstation. Am Samstag könnte er nach dem Anstich wieder recht voll werden. Betrunkene machen jedoch nur rund 10 Prozent der 6500 Patienten aus, die hier jedes Jahr versorgt werden. Die häufigste Behandlung: der Insektenstich. Dr. Frithjof Wagner arbeitet heuer wieder auf der Station. „Am Schönsten wäre es, wenn überhaupt keiner zu uns kommt“, sagt er und lacht. Was er wohl hofft: dass es bei Alkoholvergiftungen, Insektenstichen und kleinen Wunden bleibt. Wagner betont: „Wir sind auf alles vorbereitet.“

Auf alles vorbereitet, das soll wohl heißen: im schlimmsten Fall auf viele Verletzte. Nach dem Amoklauf in München habe man das Einsatzkonzept auf den Prüfstand gestellt, erzählt Jürgen Terstappen, Einsatzleiter der Station. „Es war alles im grünen Bereich. Wir erfüllen die Anforderungen.“ Jedoch habe es eine Empfehlung des Bayerischen Innenministeriums gegeben, der man gefolgt sei. Terstappen sagt: „Wir haben am Material nachgebessert.“ Das heißt: Die Station hat stärkere Verbände und blutstillende Tamponaden angefordert – und bekommen. „Bei den Tamponaden hieß es früher, die seien zu teuer“, sagt Wagner.

Der Name der Verbände: „Israeli Bandage“, Notfall-Wundverbände, die auch in Kriegsgebieten verwendet werden.

Auf der Bestell-Liste standen zudem 500 Tourniquets, sogenannte Aderpressen. Mit diesem Abbindesystem wird der Blutfluss in den Venen und Arterien gestaut oder vollständig unterbrochen, um Blutungen zu stillen.

Das Wichtigste sei im Ernstfall jedoch die Schnittstelle zu den umliegenden Krankenhäusern, erklärt Dr. Frithjof Wagner. „Nicht jedes Krankenhaus kann alles bewältigen. Aber wir haben uns abgestimmt und die Münchner Kliniken sind gut aufgestellt.“

Auf der Wiesn selbst dauert es im Schnitt 3,5 Minuten, bis die Sanitäter mit ihren gelben Tragen den Einsatzort erreichen. In der Spitze sind 120 Mitarbeiter auf der Wiesn-Sanitätsstation im Einsatz, 13 Teams eilen zu den Patienten auf der Festwiese und in den Zelten. Das Personal besteht hauptsächlich aus Ehrenamtlichen, die sich für das Oktoberfest oft sogar frei nehmen. Die Sanitätsstation habe das Niveau einer Notaufnahme im Krankenhaus, sagt Wagner.

Wiesnchef und 2. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) betont, dass sich an der Organisation der Sanitätsstation grundsätzlich nichts geändert habe. Schmid spricht von einer „allgemein erhöhten abstrakten Gefährdungslage“, der man Rechnung getragen habe. Dann sagt er: „Meine größte Angst ist das Wetter, dass es am Wochenende regnet.“

Janina Ventker

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