Trachtenverbot in Münchner Kneipe

Kosmos-Wirt: "Ich wurde als Berliner beschimpft"

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"Kosmos bleibt trachtenfrei!" lautet das Motto von Florian Schönhofer, Besitzer der Szene-Kneipe Café Kosmos.

Münchner, die auf der Flucht vor Lederhosenträger, grölenden Horden und Alkoholleichen sind, finden während der Wiesn im Café Kosmos einen Rückzugsort. Dort herrscht zur Oktoberfestzeit ein striktes Trachtenverbot.

Florian Schönhofer, einer der Besitzer der kleinen Bar an der Dachauerstraße 7, ist kein Wiesnfreund. „Ab 23 Uhr, wenn die Bierzelte schließen, kommt der große Zombieandrang. Dann laufen die Betrunkenen wie ferngesteuert durch die Stadt“, sagt er. Die Bar liege auf direktem Weg zu zwei bekannten Absturzkneipen, so der 40-Jährige. „Nach der ersten Wiesnzeit habe ich gedacht, das tu’ ich mir nie wieder an.“ Gäste pinkelten gegen die Fensterscheibe, einen Anruf bei der Polizei und jede Menge Ärger habe es gegeben, erinnert er sich.

Für Schönhofer ist es die Aufgabe eines Wirtes, für einen geschützten Raum zu sorgen, in dem Gäste nicht belästigt werden und einen schönen Abend verbringen könnten. „Aber wenn 50 Halligallilederhosencowboys randalieren, pack’ ich das nicht mehr.“

Einige seiner Kollegen sperren ihre Lokale für die 16 Tage komplett zu – so die Bar Gabányi, der Sauna-Club und die Kneipe Kilombo –, andere Barbesitzer handhaben es wie das Café Kosmos. 2007 führte Schönhofer das Trachtenverbot ein – und schuf damit eine Oase der Ruhe. Ein großes Schild mit einer durchgestrichenen Lederhose hängt neben dem Eingang. Auch Anzeigen in Münchner Stadtmagazinen schaltete er: „Kosmos bleibt trachtenfrei!“, lautet der Spruch. Keine Frau im Dirndl und kein Mann in Lederhose kommen an dem Türsteher vorbei. Das freut nicht jeden. Einiges musste Schönhofer sich wegen des Verbots schon anhören. „Ich wurde bespuckt, als Rassist und Berliner beschimpft.“ Als Berliner beschimpft zu werden nervt den Oberbayern besonders. „Ich bin gerne Bayer, aber wieso werden wir immer auf diese Lederhosenseppigkeit reduziert?“

Millionen Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr in die Landeshauptstadt. Viele der Touristen kleiden sich dann auch gerne nach bayerischer Tradition ein. Eine Maskerade? Schönhofer kann diese Begeisterung für Tracht nicht nachvollziehen: „Das ist, als würde man nach Schottland fahren, sich einen karierten Rock anziehen und versuchen Gälisch zu reden.“

Nach der Wiesnzeit ist Schönhofer aber „völlig wurscht“, wie sich die Leute kleiden. Die aktuelle Hotpants-Mode finde er auch schrecklich, trotzdem lasse er Mädels mit knappen Hosen in seine Bar rein. Das Trachtenverbot hebt der 40-Jährige nach dem 4. Oktober auf – bis zum nächsten September.

Wirt vom trachtenfreien Café Kosmos: "Schäme mich für die Wiesn"

Laura Vordemann

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