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Bestechungsversuche: Wiesn-Security plaudert aus dem Nähkästchen - „Gibt auch unschöne Erlebnisse“

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Schützen-Festzelt
Sie sind schon lange mit dabei: Eva Kößler (li.) und Freddy Gebhart gehören zum Team des Schützen-Festzelts. Kößler leitet das Reservierungsbüro, Gebhart arbeitet als Sicherheitsmitarbeiter. © Jens Hartmann

In unserer Oktoberfest-Serie erfahren Sie die Comeback-Geschichten der Mitarbeiter auf der Wiesn. Heute geht´s ins Schützen-Festzelt.

München - Mit verschränkten Armen und strengem Blick steht er vor dem Eingang. Freddy Gebhart (59) regelt seit bald 25 Jahren als Security-Mitarbeiter den Einlass am Schützen-Festzelt. Genauer gesagt am Reservierungseingang S1 - gleich zu Füßen der Bavaria. Durch seine Tür, die zur Hausbox und auf die Galerie führt, betreten viele Wiesn-Stammgäste das traditionsreiche Zelt. Meist blickt Freddy dann weniger grimmig drein, sondern hat ein Lächeln im Gesicht.

„Für mich machen der Kontakt mit den Menschen und die einzigartige Stimmung im Schützen den Reiz an diesem Job aus“, erzählt er. Die meisten Gäste sehe er nur einmal im Jahr, trotzdem sei die Freude übers Wiedersehen immer riesengroß. Nach zwei Jahren Pause heuer ganz besonders. Die freie Zeit in den vergangenen Jahren hat Freddy genutzt, um in den Urlaub zu fahren. In München hätte er es zu der Zeit nicht ausgehalten …

Oktoberfest-Security über Bestechungsversuche: „Bis zu 500 Euro kann das schon gehen“

Als Teil des Security-Teams ist Freddy vor allem für den geregelten Zugang ins Zelt zuständig - dabei ist häufig Fingerspitzengefühl gefragt: „Natürlich gibt’s auch unschöne Erlebnisse. Wenn wir wegen Überfüllung niemanden mehr reinlassen können, werden wir an der Tür teils grob beschimpft.“ Auch Bestechungsversuche musste er schon über sich ergehen lassen. „Bis zu 500 Euro kann das schon hoch gehen…“ Freddy setzt auf Kommunikation: „Ich versuche, alle Gäste so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden will.“

Der überwiegende Teil der Gäste sei sehr höflich. „Unser Publikum ist einfach eine super Mischung! Und jeden Abend, wenn die Band das letzte Lied, Reinhard Fendrichs Bergwerk spielt und dazu die Sternwerfer funkeln, weiß ich, dass wieder alles gut gegangen ist. Das ist für mich ein feierlicher Moment.“

Mit dem Wiesn-Virus infiziert: „Diese zwei Wochen sind die schönste Zeit im Jahr“

Das Schützen-Festzelt steht auch für einen weiteren, einzigartigen Moment in Gebharts Leben: 2012 hat ihm seine Frau einen Heiratsantrag gemacht - direkt an seiner Tür!

Mit dem Wiesn-Virus ist auch Eva Kößler (47) infiziert - und zwar seit ihrem ersten Einsatz vor 22 Jahren. Seit 2015 leitet sie das Reservierungsbüro des Schützen-Festzelts. Die Atmosphäre des weltweit größten Volksfests lässt sie bis heute nicht los. Umso schwerer traf sie die erste Absage im April 2020. „Von einem auf den anderen Moment war meine Arbeit der vergangenen Monate umsonst. Ich habe das Büro zugesperrt und bin nach Hause.“

Doch schnell kam eine neue Aufgabe: 2020 und 2021 organisierte Kößler die Wirtshaus-Wiesn im Stammhaus Franziskaner. Das echte Fest kann für sie aber nichts ersetzen. Mit ihren zwei Mitarbeiterinnen im Reservierungs-Team arbeitet Kößler das ganze Jahr nur auf ein Ziel hin: Allen Besuchern ihres Schützen-Festzelts eine richtig gute Zeit zu bereiten: „Diese zwei Wochen sind für mich die schönste Zeit im Jahr.“ Emotional wird’s für Kößler beim Anstich mit Familie Reinbold. Zu diesem Anlass trägt sie jedes Jahr ein neues Dirndl. Dann geht’s los! (Ulrike Kremer)

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