Kolumnistin fordert: "Lasst Oktoberfest ausfallen"

So reagiert der Wiesn-Chef auf den Boykott-Aufruf

+
Münchens zweiter Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid.

München - Eine Kolumnistin ruft zum Oktoberfest-Boykott auf. Ihr Argument: München wolle sechs Millionen Besucher empfangen, nur keine Flüchtlinge. Wie reagiert der Wiesn-Chef? 

Tag 2 der Wiesn: Wir sind mit mehreren Wiesn-Reportern der tz und des Münchner Merkur vor Ort. Im Wiesn-Live-Ticker vom Sonntag erfahren Sie die wichtigsten Infos live von der Wiesn.

Am Samstag startet das Oktoberfest 2015 endlich. Wir sind mit mehreren Wiesn-Reportern der tz und des Münchner Merkur vor Ort. Im Wiesn-Live-Ticker vom Samstag erfahren Sie die wichtigsten Infos live von der Wiesn.

Münchens zweiter Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid führt am Donnerstagmorgen Journalisten über die Theresienwiese. Er zeigt ihnen die neuen Fahrgeschäfte, klatscht den waghalsigen Steilwand-Artisten im Original Motodrom zu und lässt sich das Schokofrüchte-Handwerk zeigen. Doch vorher hat er eine wichtige Nachricht an alle Medienvertreter. Er stellt klar, dass seine Stadt bei all der Oktoberfest-Gaudi die Flüchtlinge nicht vergisst: "Wir blenden natürlich nicht aus, was um uns herum passiert. Und wir blenden natürlich nicht die existentielle Not derer aus, die zu uns kommen."

Die Stadt München habe ein Spendenkonto für die Flüchtlinge in München eingerichtet, kündigt Schmid am Donnerstag an. Die Daten werden auf oktoberfest.eu veröffentlicht.

Zwei Tage zuvor hat eine Handelsblatt-Kolumnistin, die für die Zeitung aus dem Silicon Valley berichtet, eine Kolumne mit der Überschrift "Boykottiert das Oktoberfest!" veröffentlicht. Ihr Argument für diesen Aufruf ist die Situation der Flüchtlinge. "Nun müssen sie [die Flüchtlinge, Anmerkung der Redaktion] erfahren, dass die berühmte bayerische Gastfreundschaft während des Oktoberfests ihre Grenzen hat", schreibt sie. Sie gelte für sechs Millionen Besucher, nicht aber für Flüchtlinge.    

"Was zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit Ihnen, Herr Seehofer?"

Sie kritisiert Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der nicht wolle, "dass München während des Oktoberfests in ebensolchem Maße ein Anlaufpunkt für Flüchtlinge bleibt wie bisher. Er werde dazu 'Vorkehrungen' treffen." Die Kolumnistin  fragt: "Stören Flüchtlinge die Bratwurst-Stimmung? Ist kein Platz auf der Theresienwiese für Menschen, die gerade eine lebensbedrohende Reise hinter sich haben? Was zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit Ihnen, Herr Seehofer?"

Kolumnistin: Wer auf die Wiesn geht, unterstützt eine Lüge

Sie schließt ihre Kolumne mit den Worten: "Wenn irgendjemand nach München reist, um Bayerische Gemütlichkeit und Gastfreundschaft zu feiern, unterstützt er eine Lüge. Deshalb, liebe Leser, tun Sie das nicht. Boykottieren Sie das Oktoberfest!"

Was sagt Münchens Wiesn-Chef zu dieser Forderung? Er reagiert zunächst irritiert auf die Frage. Den Text habe er noch nicht gelesen. Er überfliegt ihn auf dem Smartphone und wiederholt das, was er zu Beginn des Wiesn-Rundgangs gesagt hat: "dass wir natürlich an die Menschen denken, denen es nicht gut geht." Deshalb auch der Spendenaufruf. "Die Flüchtlinge kommen zu uns, weil sie um ihr Leben fürchten. Und weil sie unser Leben schätzen. Das normale Leben geht weiter und es wäre falsch, das normale Leben anzuhalten."

sah

Alle News, Fotos und Videos zum Oktoberfest finden Sie auch auf Facebook: facebook.com/wiesn

München-News per WhatsApp gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten aus München direkt über WhatApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Wegen Sicherheit: Die Wiesn wird teurer
Wegen Sicherheit: Die Wiesn wird teurer
OB Reiter hat ihn eingeladen: Kommt Obama auf die Wiesn?
OB Reiter hat ihn eingeladen: Kommt Obama auf die Wiesn?
Jetzt wird‘s teuer! Wiesn-Gäste sollen für Sicherheit zahlen
Jetzt wird‘s teuer! Wiesn-Gäste sollen für Sicherheit zahlen
Able darf nun doch in den Klub der Wiesnwirte
Able darf nun doch in den Klub der Wiesnwirte

Kommentare