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Oktoberfest nur mit Einschränkungen möglich? Drei radikale Vorschläge liegen vor

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Flaucherfranzl auf der Wiesn
Der Flaucherfranzl sinniert über Corona-Maßnahmen auf der Wiesn. © Imago/Wolfgang Maria Weber/Litzka

Kann das Oktoberfest trotz steigender Corona-Zahlen stattfinden? tz.de-Kolumnist Flaucherfranzl legt seinen Notfallplan vor.

München - „Bis Herr Lauterbach was anderes sagt, werde ich dazu nichts mehr anderes sagen“: Münchens Oberbürgermeister reagierte auf Nachfragen zur Wiesn 2022 zuletzt zunehmend genervt. Das Oktoberfest werde auf jeden Fall stattfinden, wiederholte Dieter Reiter (SPD) mantraartig. Ohne jegliche Corona-Einschränkung.

Ob das wirklich stimmt, bezweifelt nicht nur Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Auch der Flaucherfranzl hat sich seine Gedanken gemacht und den Wiesn-Wirten bei einer Geheimsitzung im Münchner Stadtrat radikale Vorschläge präsentiert: Drei Corona-Maßnahmen, die eine sichere Austragung der Wiesn ermöglichen könnten. Mit einzelnen Parteivertretern hatte er sich vorab abgestimmt.

Wiesn nur mit Einschränkungen möglich? Reichlich Gegenwind für radikale Vorschläge

Mit so viel Gegenwind hatte der Flaucherfranzl nicht gerechnet. Die Häupter der anwesenden Festwirte ragten rasch reichlich rot aus den Trachtenjankern. Sicherheitskräfte mussten den Flaucherfranzl nach einer hitzigen Viertelstunde aus dem Sitzungssaal eskortieren.

Was die Zuhörer derart auf die Palme brachte? Exklusiv lüftet der tz.de-Kolumnist seine drei Knallhart-Vorschläge für eine sichere Wiesn.

Drei Maßnahmen für ein sicheres Oktoberfest

Maskenpflicht im Zelt: Am Einlass verkaufen Securitykräfte sogenannte „FF-P1-Masken“, um den Aerosolausstoß in den Festzelten zu minimieren. Der Zutritt zur Afterparty in einem Münchner Nobelclub ist im Preis inkludiert. Eine nicht namentlich bekannte Tochter eines CSU-Staatsministers zeichnet für die Produktion der „FF-P1-Masken“ verantwortlich. Eine soll 12,80 Euro kosten. Das entspricht dem Mass-Preis in der Augustiner Festhalle. Durch einen integrierten Bügelverschluss hat der Wiesn-Gast die Möglichkeit, seine Mass ungeniert hineinzulitern.

Der Mund-Nasen-Schutz darf lediglich abgenommen werden, um den umstrittenen Volksfest-Schlager „Layla“ zu grölen. Gegenwind kommt aus den Reihen der Grünen. Ein Stadtratsmitglied erklärte: „Aktuell kann ich mir noch nicht vorstellen, meine vegane Weißwurst durch den Bügelverschluss meiner ‚FF-P1-Maske‘ zu pressen.“

Nur Besucher aus München zugelassen? Bürschchenverein Grünwald tobt

Wiesn nur für Münchner: Um den Besucherstrom auf der Theresienwiese zu regulieren, wird jedem Stadtviertel ein fester Besuchstag zugewiesen. „Bürgern aus finanzstärkeren Vierteln wäre es ohnehin ein Anliegen, auf die Durchmischung mit den kulturell weniger bewanderten Münchnern zu verzichten“, raunte ein hochrangiger FDP-Politiker.

Zum „Bogenhausen-Bash“ wollen die Wiesn-Wirte Einstecktücher und Tütchen mit einer puderzuckerähnlichen Substanz an den Tischen auslegen. Neuperlacher sollen mit einem Kickbox-Turnier auf dem Weißbierkarussell gelockt werden. Für Bewohner des Glockenbachviertels ist ein Lastenrad-Rennen auf die Bavaria geplant. Beim „Sendlinger-Sauf-Sonntag“ sollen Besucher zwei Mass Wiesn-Bier zum Preis von einer erhalten. Unverständnis für die Stadtviertel-Lösung klang bei den Festzelt-Betreibern durch: „Wo sollen wir Sicherheitskräfte hernehmen, um all die Milbertshofener zu bändigen?“

Pikiert reagierte der Bürschchenverein Grünwald auf den Vorstoß. Grünwald liegt im Landkreis München. Bewohnern des Nobel-Vororts bliebe der Wiesn-Besuch 2022 gänzlich verwehrt, sollte die Regel angewendet werden.

„Wer das „Reinheitsgebot“ für eine Anleitung zur persönlichen Hygiene hält, sollte sich nicht in die U-Bahn zwängen“

Zugang nur mit tagesaktuellem Test: Um aufs Festgelände zu gelangen, haben Besucher Grundkenntnisse der Bayerischen Geschichte nachzuweisen. Tagesaktuell müssen Markus Söders wirrste Corona-Floskeln dechiffriert werden. Wer das „Reinheitsgebot“ für eine Anleitung zur persönlichen Hygiene hält, sollte sich gar nicht erst in die U-Bahn zwängen. Prüflinge in Tennissocken werden umgehend mit einem fünfjährigen Wiesn-Betretungsverbot belegt.

Ergänzend zur Ausfrage ist eine Live-Challenge geplant: „Bereiten Sie an Ort und Stelle einen Presssack zu.“ Bitter: Ein Testtermin muss vorab über das Online-Buchungssystem des Kreisverwaltungsreferats (KVR) reserviert werden.

In unregelmäßigen Abständen beleuchtet tz.de-Kolumnist Flaucherfranzl gesellschaftliche Entwicklungen in der Landeshauptstadt München. Alle Beiträge finden Sie auf unserer Flaucherfranzl-Übersichtsseite.

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