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Noch keine Wiesn-Welle sichtbar: Oktoberfest-Abwasser wird auf Corona getestet

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Von: Antonio José Riether

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Angesichts des Oktoberfests ist die Gefahr für eine Corona-Welle hoch. Forscher hoffen, mithilfe des Abwassers frühzeitig einen Anstieg der Infektionen zu erkennen.

München - Vor Wiesn-Beginn waren sich die meisten Politiker einig. Eine Massenveranstaltung ist ein Risiko, auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder meinte: „Wahrscheinlich wird die Zahl der Infektionen steigen, das ist die Erfahrung der bisherigen Feste“. Schon während des Oktoberfests wird deshalb gemessen, allerdings nicht durch Tests, die Karl Lauterbach gerne vor den Zelten sehen würde, sondern durch Abwasserproben. Doch noch muss man sich im Hinblick auf Ergebnisse gedulden.

Corona auf dem Oktoberfest: Forscher untersuchen Abwasser – „Sehen, dass da ordentlich was los ist“

Heuer steht die Wiesn unter dem Zeichen der Pandemie, auch wenn man das angesichts der feiernden Massen in den Zelten nicht sofort vermuten mag. So untersuchen Münchner Wissenschaftler in diesem Jahr gezielt das Abwasser des Oktoberfests, um möglicherweise einen frühzeitigen Anstieg der Infektionen feststellen zu können. Das Abwasser wird laufend auf Bestandteile des Virus getestet, täglich werden Proben vor und hinter der Wiesn entnommen.

In diesem Jahr wird das Abwasser auf dem Oktoberfest auf Bestandteile des Coronavirus geprüft.
In diesem Jahr wird das Abwasser auf dem Oktoberfest auf Bestandteile des Coronavirus geprüft. © Sven Simon/imago

Wie Andreas Wieser von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München gegenüber der dpa berichtet, gebe es dort eine ähnliche Virenkonzentration wie im Stadtgebiet. „Wir sehen schon, dass da ordentlich etwas los ist“, meint der Leiter des Coronavirus-Labors weiter. Eine Wiesn-Welle lässt sich allerdings noch nicht feststellen: „Wir können dazu noch keine Aussage treffen“, so Wieser.

Corona-Welle auf dem Oktoberfest? „Überwachen auch das Stadtabwasser zum Vergleich“

Dies hat allerdings einen Grund. „Wir haben eine Inkubationszeit von fünf Tagen. Es ist nicht zu erwarten, dass man da jetzt schon große Sprünge sieht“, erklärt der Forscher. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass das Wiesn-Abwasser verglichen mit städtischem Abwasser offenbar relativ stark verdünnt ist, was das Ergebnis beeinflusst. Viel Spülwasser, die Abgabe von Urin in größeren Mengen sowie starker Regen zum Wiesn-Beginn sind die Gründe dafür.

Durch Abwasserproben entnehmen Forscher Informationen zur Virusausbreitung.
Durch Abwasserproben entnehmen Forscher Informationen zur Virusausbreitung. © Stephanie Pilick/dpa

Auch die Tatsache, dass sich die meisten Besucher des Oktoberfests in der ganzen Stadt verteilen, ist für die Bewertung der Resultate nicht unbedingt förderlich. „Die meisten Gäste sind ja auch in Hotels oder wohnen in München oder Umland, sodass sie auch hier dann als Infektionsfälle Viren ins Wasser einbringen können. Daher überwachen wir auch das Stadtabwasser zum Vergleich“, sagte Wieser.

Abwasserproben während des Oktoberfests: Holetschek erwartet Anstieg der Corona-Zahlen

Den Widrigkeiten zum Trotz scheint die Methode aber zu funktionieren, auch im verdünnten Abwasser des Volksfestes lässt sich das Virus noch nachweisen. Varianten können durch bestimmte Sequenzierungen ebenfalls festgestellt werden, hier wird die genetische Zusammensetzung der Viren genauer betrachtet.

Ein Befürworter der Abwasser-Beobachtungen ist der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der ebenfalls pro Wiesn-Durchführung war. Dem CSU-Politiker zufolge werde die Entwicklung auch im Zusammenhang mit dem Oktoberfest genau beobachtet. Das Monitoring des Abwassers sei ein zusätzlicher Ansatz, um Erkenntnisse über das Virus zu gewinnen. Auch Holetschek erwartet einen Anstieg der Zahlen, entscheidend sei für ihn allerdings „die Lage in den Krankenhäusern“. Dort gebe es zwar Personalausfälle, allerdings seien diese zu kompensieren.

Noch kann das Forschungsteam aus den angeführten Gründen keine großen Ergebnisse präsentieren. Eineinhalb bis zwei Wochen nach Wiesn-Beginn wird es dauern, bis sich die Infektionswellen in der Inzidenz und eben im Abwasser abzeichnen. (ajr)

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