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Bringt „soziale Probleme“: Politiker will Oktoberfest-Kopie in Malaysia verbieten

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Von: Miriam Haberhauer

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Immer mehr Länder organisieren ihre eigenen Oktoberfest-Kopien. Doch nicht überall sind die gern gesehen. In Malaysia ist die Wiesn 2.0 aktuell Thema in politischen Diskussionen.

München – Während in Bayerns Landeshauptstadt die 187. Wiesn über die Bühne geht, findet das Traditionsfest weltweit immer mehr Ableger. Menschen, die nicht nach München kommen können, holen sich einfach das Oktoberfest nach Hause. Doch nicht überall sind die Kopien gern gesehen.

Oktoberfest 2022: Wiesn-Ableger auch in Malaysia

Weil Muslime keinen Alkohol trinken dürfen, machen konservative Politiker Stimmung gegen die malaysische Oktoberfest-Variante.
Weil Muslime in Malaysia (links oben) keinen Alkohol trinken dürfen, machen konservative Politiker Stimmung gegen die malaysische Oktoberfest-Variante. © Imago/MGS

Auch im südostasiatischen Malaysia wird die bayerische Tradition zumindest zeitweise gelebt. Wie CNN berichtet, wird das Oktoberfest dort schon seit den 1970ern gefeiert, am größten im Bundesstaat Penang. Zuständig für die Organisation der Wiesn-Kopie ist dort die Malaysian-German-Society (MGS).

In dem Inselstaat sind knapp 65 Prozent der Bevölkerung Muslime, die Friedrich-Neumann-Stiftung berichtete zuletzt, dass der Einfluss des Islams im Land zunimmt. Malaysische Politiker und religiöse Gruppen hatten sich in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber den Oktoberfest-Adaptionen geäußert.

Malaysische Politiker sehen Wiesn-Kopien kritisch

Ihr Vorwurf: Der Alkoholkonsum, welcher Muslimen untersagt ist, führe zu „sozialen Problemen“, so der malaysische Politiker Idris Ahma in einer schriftlichen Erklärung im Parlament. „Alkohol beeinträchtigt die Harmonie, die Ordnung und die Sicherheit in der Gemeinschaft“, hieß es weiter.

Nicht-Muslimen sei es freigestellt, Bier auf derartigen Veranstaltungen zu trinken. Der Politiker erklärte: „Die malaysische Regierung ist der Meinung, dass dieses Festival nicht stattfinden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, da es zu sozialen Problemen führen wird.“

Politische Opposition pro Wiesn-Kopie gestimmt

Die politische Opposition des Landes hingegen stellte sich hinter die Organisatoren des Fests: „Das Oktoberfest wird in Malaysia seit mehr als 50 Jahren gefeiert und hat noch nie zu rassischen oder religiösen Spannungen in der Gemeinschaft geführt“, so ein Oppositionssprecher.

Die Malaysian-German-Society (MGS), welche das Fest ausrichtet, äußerte gegenüber CNN außerdem die Vermutung, der eigentliche Zweck der Wiesn würde oft verkannt: „Es ist der Wunsch der lokalen deutschen Gemeinschaft, das Oktoberfest weiterzufeiern. In den letzten Jahren scheinen jedoch einige religiöse Gruppen das Oktoberfest als eine wilde Bierparty missverstanden zu haben und würden es gerne verboten sehen.“

Flyer des MGS-Oktoberfests
Auf dem Veranstaltungsflyer bewirbt die MGS das „Deutsche Kulturfestival“ © Malaysian-German-Society

Weiter heißt es: „Bei diesem Fest geht es nicht nur um das Trinken von Bier, sondern auch um ein Fest der Freude.“ Auf ihrer Webseite bewirbt die MGS die Oktoberfest-Adaption als „deutsches Kulturfestival“. Sie kündigt Wettbewerbe im Armdrücken und Biertrinken, sowie „echte Deutsche“ in Tracht an.

Es soll Würste, Sauerkraut und Schweinshaxen geben und sogar echtes bayerisches Bier wird den Besuchern versprochen. Für die musikalische Untermalung des Abends sollen die „Frankenräuber“ sorgen: Die bayerische Partyband plant laut Webseite eine ganze „Malaysia-Tournee“. Besucher werden gebeten, sich im Vorfeld der Veranstaltung Tickets kaufen.

Weniger Grund zur Freude hatte der Wiesn-Sanitätsdienst am ersten Wiesn-Donnerstag. Die Einsatzkräfte verzeichneten den bislang ereignisreichsten Wiesn-Tag: Bereits um neun Uhr morgens musste die erste „Alkohol-Leiche“ behandelt werden. (mlh)

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