1. tz
  2. München
  3. Wiesn

Wiesn-„Hallodri“ taucht ohne Lederhose bei der Polizei auf

Erstellt:

Kommentare

Viel zu tun: die Polizei München auf der Wiesn 2022.
Viel zu tun: die Polizei München auf der Wiesn 2022. © IMAGO / Smith

Die Tracht gehört zum Oktoberfest wie das Bier. Ein Besucher schaffte es jedoch, seine Lederhose zu verlieren und wurde ohne Beinkleid auf der Polizeiwache vorstellig. Die Freude der Wiesn-Wache hielt sich in Grenzen.

München - Etwa sieben Millionen Liter Bier trinken Besucher pro Oktoberfest. Alkohol steht nicht unbedingt in dem Ruf, Menschen zu besonnenen Handlungen anzuregen. Die Polizei München muss sich auf der Wiesn daher nicht nur Straftaten widmen, sondern auch so mancher kuriosen Begebenheit. Diesmal erhielten die Beamten Besuch von einem Mann ohne Hose.

Polizei München berichtet von heldenhaftem Rikschafahrer und dem Mann ohne Lederhose

Dirndl und Lederhosen gehören sowohl für Einheimische als auch für „Zuagroaste“ zum Oktoberfest-Besuch wie Bier, Lebkuchenherzen, „Standl“ und Fahrgeschäfte. Wer heutzutage auf die Wiesn geht, muss sich anstrengen, einen Besucher ohne Tracht zu entdecken. Der Polizei München gelang ein solch seltener Fund, allerdings eher unfreiwillig. Die Beamten machten am Mittwoch Bekanntschaft mit einem Oktoberfest-Fan ohne Lederhose. Der hatte als Alternative nicht etwa eine Jeans gewählt, sondern: nichts. Unter dem Hashtag #untenohne schilderten die Beamten das Zusammentreffen auf Twitter.

„Die einen verlieren unter Alkoholeinfluss ihre Hemmungen, der andere direkt seine Lederhose“, twitterten die Polizisten und berichteten zugleich von einem Helden inmitten des Wiesn-Chaos. „Ein Rikschafahrer bot der armen Seele seine Decke als Beinkleid und geleitete ihn zu uns. Wir konnten Hose und Hallodri zusammenführen“, erzählten die Beamten weiter.

„War Hose oder Hallodri zuerst bei euch?“, will ein Kommentator unter dem Beitrag wissen. „Leider Hallodri“, lautete der trockene Kommentar der „Wiesn-Wache“ dazu. „Dem hods ned nua dSchuah sondern glei d ganze Hosn auszogn“, fasste eine andere Userin zusammen - „Dem hat es nicht nur die Schuhe, sondern gleich die ganze Hose ausgezogen.“ Wo genau er seine Hose verlor, wusste der Wiesn-Gast allerdings nicht mehr. Die Polizei konnte den Fall am Ende aufklären. Der Mann habe wohl mal gemusst und seine Hose dabei gleich ganz ausgezogen, berichtete ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Beamten gingen auf die Suche - und fanden die Lederhose fein säuberlich zusammengelegt auf einem Poller.

Polizei München erklärt bayerisches Vokabular für die Völkerverständigung

Um ihren Twitter-Beitrag auch über die Grenzen des Freistaats hinweg verständlich zu machen, halfen die Polizisten ein wenig nach und lieferten gleich noch die Definition des Begriffes „Hallodri“ mit. Dies bezeichne einen „unbeschwerten, meist leichtsinnigen, manchmal unberechenbaren Mann“, der seine moralischen Werte nicht allzu genau nehme. „Wird von uns dingfest gemacht“, lassen die Polizisten keine Zweifel offen und bitten: „Wenns oan sehgst, sogts Bescheid!“ Für die Polizisten lässt sich nur hoffen, dass die restlichen Wiesn-Besucher ihre Kleidungsstücke anbehielten - egal, ob Dirndl, Lederhosen oder Jeans.

Den Trend zur Tracht hielt sich nicht durchgängig seit der ersten Wiesn im Jahr 1810 bis heute. In den 1970er-Jahren waren eher Jeans und T-Shirt die meistgesehene Bekleidung auf dem größten Volksfest der Welt. Ein PR-Gag der ehemaligen Festleiterin Gabriele Weishäupl brachte den neuen Trachten-Trend auf dem Oktoberfest ins Rollen. Weishäupl trug bei Auftritten und Pressekonferenzen Dirndl, um herauszustechen, irgendwann tat es ihr der damals amtierende Münchner Oberbürgermeister nach und trug Lederhose. Wiesn-Besucher aus dem In- und Ausland folgten dem Beispiel. Ein Trend war geboren und lebt bis heute weiter. Und so kommt es, dass die meisten Wiesn-Besucher heutzutage Tracht tragen - und diese damit überhaupt erst verlieren können.

Auch interessant

Kommentare