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Zelt-Manager über seinen komplizierten Job: „Am zweiten Wiesn-Sonntag gefühlt die meisten Beschwerden“

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Chef-Organisator vom Herzkasperl-Festzelt Martin Jonas
Chef-Organisator vom Herzkasperl-Festzelt: Martin Jonas © Sebastian Gabriel

In unserer Oktoberfest-Serie erfahren Sie die Comeback-Geschichten der Mitarbeiter auf der Wiesn. Heute geht´s ins Herzkasperl-Festzelt.

München - Dass er bald 20 Jahre auf der Wiesn arbeitet, wäre für Martin Jonas zu Beginn seines Berufslebens undenkbar gewesen – schon als Teenager mied er das große Volksfest eher: „Das war so gar nicht meine Musik, die da gespielt wurde…“ Es mag daher so etwas wie Fügung sein, die den Kulturwissenschaftler ereilt hat: Denn als Chef-Organisator des Herzkasperl-Festzelts sorgt er mittlerweile selbst für die musikalische Untermalung!

Mit Wirt Josef „Beppi“ Bachmaier stellt Jonas das Musik- und Kulturprogramm im Zelt zusammen: „Mein erster Einsatz war 2010 zur Jubiläums-Wiesn, sozusagen die Geburtsstunde der Oidn Wiesn.“ Seit 2013 kehrt das Herzkasperlzelt regelmäßig auf die Oide Wiesn zurück, um seinem städtischen Auftrag als Musikantenzelt nachzukommen – darauf arbeitet Jonas das ganze Jahr hin: „Bei uns steht der Tanz und die zeitgenössische bayerische Volksmusik im Vordergrund – dabei bemühen wir uns um einen guten Mix aus Altem und Neuem.“ Bis Ende Dezember muss das Programm stehen, dann reicht Jonas die Bewerbung des Zelts in einem aufwendig gestalteten, handgebundenen Buch bei der Stadt ein.

Oktoberfest: An manchen Tagen sollte es musikalisch nicht zu ruhig zugehen

Für den Zelt-Manager macht die Mischung aus organisatorischen und inhaltlichen Aufgaben den Reiz an seinem Job aus: „Es ist einfach toll, gemeinsam mit den Musikern zu experimentieren. Beim Programm versuche ich, einen roten Faden zu spinnen.“ Dafür schaut er, welches Programm an welchem Tag sinnvoll ist: „Am mittleren Freitag zum Beispiel brauche ich keine ruhige Musik, da wollen die Leute feiern und tanzen.“

Wie man über Musik (das sind die Prognosen zum Wiesn-Hit 2022) die Stimmung im Zelt steuern kann, hat Jonas in den vergangenen Jahren beobachtet: „Am zweiten Wiesn-Sonntag gibt es gefühlt die meisten Beschwerden.“ Daher hat er sich 2019 für diesen Tag etwas Besonderes ausgedacht: „Ich habe ein Ballhaus-Orchester engagiert, das Operetten-Melodien, zum Beispiel von Franz Lehàr, gespielt hat. Diese Musik hat den Menschen die Überspanntheit genommen, alle schwebten ein bisschen über den Boden“, schwärmt Jonas, der sich immer freut, wenn die Gäste im Zelt begeistert tanzen.

Zelt-Manager vom Herzkasperlzelt Martin Jonas
Zelt-Manager vom Herzkasperlzelt Martin Jonas © Oliver Bodmer

Während der Wiesn im Dauereinsatz: Der Mensch für alles im Herzkasperlzelt

Mit seinem Künstler-Mix heuer ist er sehr zufrieden. Den Anstich übernimmt Kabarettist Maxi Schafroth – danach legt sich die größte Aufregung: „Ab dann bin ich der Mensch für alles.“ Er kümmere sich um die Musiker und Auftritte, aber wenn’s brennt räumt er auch ab oder spült. „Die schönsten Momente für mich sind, wenn das Zelt sich musikalisch hebt und die Menschen locker mit der Musik mitgehen.“

Ein bisschen anders war die diesjährige Wiesn-Organisation schon, erzählt Jonas: „Beim Personal merken wir, dass viele Leute heuer nicht dabei sind. Und bei manchen Abläufen fehlt die Routine – andererseits können wir dadurch Dinge noch mal neu denken.“ Auch die Auswirkung von Corona auf die Personalsituation bereitet Sorgen: „Wir arbeiten zwar an Plänen, können das aber schlecht einschätzen – daher hoffen wir einfach, dass alles gut geht…“

Wenn schließlich am letzten Abend die Lichter im Zelt ausgehen, zelebriert Jonas sein Abschlussritual: Als Letzter im Zelt lässt er die stille, leere Halle mit ihren Erlebnissen auf sich wirken – und sperrt dann zu. (Ulrike Kremer)

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