Able-Bruder erhält stattdessen Zuschlag

Poschner's Hühnerbraterei: Wiesn-Aus nach 80 Jahren!

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Poschner-Chef Berni Luff und Sohn Ulrich hoch zu Ross – das Foto stammt aus dem Jahr 2010.

München - 1214 Beschicker hatten sich heuer für die Wiesn beworben – 568 sollten zugelassen werden. Für Poschner's hat es nach Informationen der tz nicht gereicht. Das Aus nach 80 Jahren!

"So, die Wiesn war friedlich und ist nun wieder vorbei“, verabschiedete sich die Mannschaft von Poschner’s Hühner- und Entenbraterei im vergangenen Jahr noch ganz wehmütig auf ihrer Internet-Seite. Es war das Jubiläumsjahr für das kleine Wiesn-Zelt – 80 Jahre Oktoberfest! „Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Wir seh’n uns zur Wiesn 2015 in alter Frische wieder.“ Das wird wohl nicht so sein.

Am Dienstag hat der Stadtrat – in Form des Wirtschaftsausschusses – über die Zulassung zu diesem Oktoberfest beschlossen: 1214 Beschicker hatten sich heuer für das größte aller Volksfeste beworben – 568 sollten zugelassen werden. Für Poschner’s hat es nach Informationen der tz nicht gereicht. Das Aus nach 80 Jahren!

Die Schausteller des Frühlingsfests hatten es bereits vergangene Woche gemunkelt (tz berichtete exklusiv): Stattdessen darf mit Josef Able das zweite Mitglied der neuen Wirte-Dynastie auf die Wiesn. Weder Able noch Poschner’s-Chef Berni Luff wollten sich auf Anfrage der tz dazu äußern – sie wussten noch nicht von ihrem Glück, beziehungsweise Pech. Auch Wiesn-Boss und 2. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) wollte abwarten, bis alle Verträge unterschrieben sind.

Jeder kennt die Braterei neben dem Hacker-Zelt – urgemütlich mit seinem 350 Plätzen und nicht so stressig wie manch andere Fest-Adresse. Man könnte fragen: Jahrzehntelange Tradition gegen Aufsteiger? Wie kommt es zu der Entscheidung? Genau das erläuterte das Wirtschaftsreferat in der Sitzung: Alle Bewerbungen werden im Vorfeld nach 13 Kriterien bepunktet – darunter Volksfesterfahrung oder Ortsansässigkeit. Daraus wird eine Rangliste erstellt. Offenbar konnte das Referat sein Vorgehen für eine Mehrheit nachvollziehbar machen. Manch einer meinte hinterher: Ein bissl frischer Wind könne dem Fest auch guttun. Anderen tat die Entscheidung Leid. Aber die Punkte würden jedes Jahr neu vergeben – vielleicht reiche es im nächsten Jahr wieder.

Und so macht’s Nachfolger Able

Josef Able betreibt mit Gattin Claudia und den Söhnen Daniel und Sebastian an der Schlosswirtschaft Schleißheim eine Almhütte.

Der kleine Bruder hat es mit dem großen Zelt im vergangenen Jahr vorgemacht: Siegfried Able (51) trat mit dem Marstall die Nachfolge des verurteilten Steuersünders und Hippodrom-Wirt Sepp Krätz an. Heuer zieht der drei Jahre ältere Bruder Josef Able nach – als kleiner Wiesn-Wirt!Nach tz-Informationen hat der Stadtrat ihm am Dienstag die Zulassung erteilt. Er folgt auf die traditionelle Poschner’s Hühner- und Entenbraterei an – offenbar an gleicher Stelle neben dem Hacker-Zelt und in gleicher Größenordnung wie das bisherige 350-Besucher-Zelt. Und zwar ebenfalls mit einer Hühnerbraterei. Zum Konzept wollte sich die Familie Able am Dienstag nicht äußern.

Doch Able ist ganz und gar nicht der Neuling auf dem größten Volksfest der Welt, für den ihn mancher hält: Seit mehr als 30 Jahren gehört er zu den Beschickern, 2010 bekam er erstmals die Zulassung mit einem Spanferkel-Stand. Die Beständigkeit zahlt sich offenbar aus. Auch sein kleiner Bruder Siegfried hatte einst bei der Zulassung eine Wurstbraterei mit jahrzehntelanger Tradition übertrumpft.

David Costanzo

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