Oktoberfest

Seine Königliche Hoheit bläst zum Angriff

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Seine Königliche Hoheit mit Tina Krätz (l.) und Johanna Barsy vor dem Hippodrom

München- Luitpold Prinz von Bayern schenkt sein Bier in Tina Krätz' Hippodrom aus - nur einen Katzensprung vom Oktoberfest entfernt.

Dass Luitpold Prinz von Bayern sein Bier gern auf dem Oktoberfest ausschenken würde, ist kein Geheimnis. Auch Beobachter finden es unerhört, dass es dem Wittelsbacher verboten ist, die Hochzeitsgäste seiner Ur-ururgroßeltern Ludwig I. und Therese von Sachsen-Hildburghausen zu bewirten. Zumal internationale Braukonzerne wie Anheuser-Busch mit ihren Marken vertreten sind.

 Doch jetzt rückt Seine Königliche Hoheit Richtung Festgelände vor. Nur einen Katzensprung von der nach seiner Urururoma benannten Theresienwiese entfernt, schenkt er Biere seiner Kaltenberger König Ludwig Schlossbrauerei aus. Er hat eine Allianz mit Tina Krätz und Johanna Barsy geschmiedet – die genau wie der Nachfahre des Königs personae non gratae auf der Wiesn sind. Das Hauptquartier der Allianz: Das 2000 Quadratmeter große Hippodrom im Postpalast nahe der Hackerbrücke mit 1500 Plätzen.

„Es freut mich, unser Bier in einem Wiesn-Ambiente ausschenken zu dürfen“, sagt der Prinz, „wobei ich die Nibelungentreue der Stadt München gegenüber den großen Münchner Brauereien nicht verstehe.“ Vor dem Ersten Weltkrieg habe es ja auch Nicht-Münchner-Bier, zum Beispiel aus Bad Tölz und Großhesselohe auf dem Oktoberfest gegeben. „750 Jahre lang hat meine Familie Bier im Alten Hof in der Residenz gebraut. Meine Vorfahren haben das Reinheitsgebot erlassen. Vor diesem Hintergrund ist es doch eine Errungenschaft, dass ich jetzt als Bierlieferant in der Nähe der Wiesn immerhin geduldet bin“, sagt der Prinz mit bitterer Ironie. Aber gar nicht nachvollziehen könne er mit Blick auf das Schrumpfen kleiner Brauereien, dass nicht einmal die Münchner Microbrauereien auf der Wiesn zum Zuge kommen.

Wie berichtet haben Tina Krätz und Johanna Barsy das legendäre Promi-Zelt im Postpalast an der Wredestraße wiederauferstehen lassen. Mit allem, was dazu gehört: Den gelb-rot-grünen Fahnen an der Decke, den historischen Holzpferden und vielen ehemaligen Hippodrom-Mitarbeitern. Bereits am Freitag, 18. September, beginnt die Sause. Mit DJs aus dem P1 und DJ Ötzi, der mit Wiesnhits wie „Anton aus Tirol“ und „Hey Baby“ schon vor dem Anstich am Samstag für Stimmung sorgen soll. „Freilich bin ich traurig, dass wir nicht mehr auf dem Oktoberfest sind“, sagt Krätz. „Aber ich freue mich auf diese neue Aufgabe.“ Als Festbau habe das Hippodrom im Postpalast auch Vorteile. Zum Beispiel eine Garderobe und die Möglichkeit, mit dem Taxi direkt vor die Tür zu fahren.

Zwei Schichten gibt es im Hippodrom: Die Abendwiesn ab 18 Uhr, die sich an Gäste richtet, die „feines gutes Essen“ schätzen, wie Barsy erklärt. An die Reservierung ist ein Mindestverzehr von 42 Euro pro Person geknüpft. Dafür gibt es ein Drei-Gänge-Menü mit Brotzeitbrettl, Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn. Die Late-Night-Wiesn beginnt um 23.30 Uhr. Ohne Reservierung kostet der Eintritt zur Late-Night-Wiesn 10 Euro pro Person. An die Reservierung ist ein Getränkepaket von 400 Euro pro Tisch geknüpft, beziehungsweise 55 Euro pro Person.

Für authentisches Oktoberfest-Flair sorgen die Band „Die Theresienwiesn Buam Combo“ sowie die Goaßlschnalzer und Trachtler, die regelmäßig auftreten. Genau wie im Hippodrom auf der Wiesn, gibt’s auch im Postpalast eine Champagnerbar. Das P1 betreibt eine weitere Bar im Hippodrom, im Außenbereich führen die Munich Distillers eine dritte Bar. Auch die Bierpreise entsprechen denen der Wiesn: 10,30 Euro kostet die Mass Wiesnbier von Spaten, 6,50 Euro das König Ludwig Weißbier und das König Ludwig Dunkel. Dass neben den Bieren der Kaltenberger Schlossbrauerei auch Spaten aus dem Zapfhahn fließt, stört Seine Königliche Hoheit nicht: „Ich habe damit kein Problem.“

Bettina Stuhlweißenburg

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