Wirte sauer

Wiesn-Revolution? Stadt München will gewisse Zelt-Reservierungen kippen

+
Keine Reservierungen mehr am letzten Wiesn-Tag? Zumindest nicht, wenn es nach der Stadt geht.

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Stadt München plant, zukünftig am letzten Wiesn-Tag keine Reservierungen mehr in den Zelten zuzulassen. Was Besucher freuen dürfte, stört die Wiesn-Wirte.

München - Die Wiesn dauert heuer 18 Tage. Der Montag, 2. Oktober, und der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober werden diesmal drangehängt. Das bedeutet zwei Tage mehr Geschäft für Wirte, Schausteller und Budenbesitzer. Als Zuckerl für die Festgäste hatte der Stadtrat schon im Mai 2016 beschlossen, dass am letzten Wiesn-Tag keine Reservierungen in den Zelten möglich sind. Die Wirte waren nur wenig begeistert. Deswegen haben sie ein Schreiben an den Wirtschaftsausschuss geschickt. Ihre Forderung: Für den Feiertag sollen dieselben Reservierungsregeln gelten wie für einen Samstag oder Sonntag.

Bislang 65 Prozent erlaubt

Am Wochenende dürfen derzeit 65 Prozent aller Plätze reserviert werden, unter der Woche sind es 75 Prozent. Ob es wirklich bei dem reservierungsfreien Tag am 3. Oktober bleibt, steht nach Informationen unserer Zeitung aber wieder auf dem Prüfstand. Aus informierten Kreisen war zwar zu erfahren: „Es spricht viel dafür, dass diese Entscheidung beibehalten wird.“ Allerdings soll das Thema im Zuge der Diskussion um die Refinanzierung der Kosten fürs Wiesn-Sicherheitskonzept noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Wie berichtet, hat sich der städtische Aufwand für die Wiesn wegen des neuen Sicherheitskonzepts 2016 von bislang 5,5 Millionen Euro auf etwa zehn Millionen Euro erhöht. Die Stadt sucht nun nach Wegen, um die höheren Kosten einzutreiben. Im Gespräch sind höhere Standgebühren, ein zusätzlicher Euro Reservierungsgebühr für Tische sowie ein teurerer Eintritt für die Oide Wiesn.

Endgültige Entscheidung steht aus

Eine endgültige Entscheidung der Stadt steht noch aus. Jedenfalls sieht es so aus, dass den Wiesn-Wirten der reservierungsfreie Tag nicht schmeckt, weil sie ja für die erhöhten Sicherheitskosten schon ihren Beitrag leisten sollen. Sie fordern baldige Klarheit. Denn: Die Reservierungen laufen in vielen Zelten schon. Einige Wirte lassen derzeit auch den zweiten Verlängerungstag, den 2. Oktober, beim Reservieren noch außen vor. Auch hier gibt es die Befürchtung, dass die Stadt den Tag reservierungsfrei halten will. Helmut Schmid, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, ist kein Freund der Idee eines reservierungsfreien letzten Wiesn-Tages: „Ich sehe da keinen Sinn.“ Erfahrungsgemäß sei es so, dass die meisten Tische am letzten Wiesn-Tag ohnehin von Leuten aus der Region reserviert würden. Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich will dagegen nicht an dem Beschluss rütteln: „Ich finde es im Sinne der Münchner in Ordnung, an dem Tag keine Reservierungen zuzulassen.“

Wirte gegen Stadt-Plan

Toni Roiderer, Wirtesprecher.

Toni Roiderer, Wirtesprecher: Wir könnten die Reservierungswünsche vieler Firmen besser berücksichtigen, wenn wir am Montag und ­Feiertag auch reservieren dürften. Damit würden wir die Lage über die gesamte Wiesn gesehen auch entzerren. Wir wollen außerdem, dass möglichst viele Gäste den Wiesn-Abschluss am 3. Oktober in den Zelten miterleben können. Wir wären dankbar, wenn wir bald eine Entscheidung bekämen.

Ricky Steinberg, Hofbräuzelt: Bei uns kann für den 2. Oktober und den Feiertag derzeit niemand reservieren, bis wir Klarheit haben. Wenn wir am Montag auch nicht reservieren dürfen, sitzen wir vielleicht in einem leeren Zelt, sollte es regnen. Am Montag und Dienstag werden die meisten Touristen eh schon weg sein. Von daher wären es vor allem die Münchner, die an diesen Tagen einen Tisch bekommen würden.

Edi Reinbold, Schützenzelt: Wir müssen uns danach richten, was der Stadtrat beschließt. Ich habe aber ein gutes Gefühl, dass wir am Ende doch reservieren dürfen.

Sigi Able, Marstall: Der Andrang am letzten Tag ist bekanntlich gewaltig. Deswegen ist die Gefahr auch groß, dass Münchner keinen Tisch bekommen, sollten wir keine Reservierungen vergeben können. Das wäre gerade für Familien schade.

Klaus Vick, Ramona Weise

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchner Forscher: Wiesn-Bier verursacht Herzprobleme 
Münchner Forscher: Wiesn-Bier verursacht Herzprobleme 

Kommentare